KI-Backlash bringt unterschätztes Anlagerisiko mit sich
Der KI-Backlash nimmt an mehreren Fronten zu: Führungskräfte werden ausgepfiffen, Beschäftigte drohen mit Streiks und Proteste behindern den Ausbau von Rechenzentren. Trotz dieser Signale fließt weiterhin Geld in KI-Unternehmen. Doch dieser Gegenwind stellt ein unterschätztes Risiko für Anleger dar, die auf den aktuellen KI-Boom setzen. Der laute Protest gegen KI ist zu einem zentralen Thema für große Finanzinstitute geworden, die die Anlegerstimmung beobachten. Dabei dominieren zwei Hauptpunkte: Arbeitsplatzverluste und steigende Stromkosten.
Regulatorische und unternehmerische Warnungen
In seinem Prospekt identifiziert SpaceX den KI-Backlash ausdrücklich als wesentliche Gefahr für die Geschäftsabläufe. In der Einreichung heißt es: „Wenn KI-Technologien als in deutlich disruptive Weise für die Gesellschaft wahrgenommen werden, könnte dies zu staatlichen oder behördlichen Einschränkungen oder Verboten ihrer Nutzung führen, zu gesellschaftlichen Bedenken oder Unruhen, oder zu beidem. In jedem Fall könnte dies unsere Fähigkeit, KI-Technologien zu entwickeln, bereitzustellen oder zu vermarkten und unsere Geschäftsstrategie umzusetzen, wesentlich und nachteilig beeinträchtigen.“
Strategen von Morgan Stanley haben kürzlich in den USA Investorengespräche geführt und dabei den Widerstand aus der Community gegen KI als zentrales Diskussionsthema ausgemacht. Laut ihrem Vermerk konzentrieren sich die Sorgen der Anleger auf Arbeitsplatzverlagerungen und steigende Stromkosten. Das Unternehmen hielt fest: „Diese Themen könnten zunehmend Teil der politischen Landschaft werden und zu einem stärkeren Gegenwind beim Wachstum von Rechenzentren führen.“
Jefferies berichtete, dass zunehmender Widerstand gegen Rechenzentren, kombiniert mit abgesagten Projekten, bei Investoren „das Vertrauen auszehrt“.
Vermögenskonzentration und Reibungspunkte
Der KI-Boom hat das Vermögen bei einer ausgewählten Gruppe konzentriert. Meta bot Top-Forschern Vergütungspakete im Wert von mehreren Hunderten Millionen US-Dollar an. OpenAI-Mitarbeiter – 600 von ihnen – haben laut „Wall Street Journal“ Aktien im Wert von 6,6 Milliarden US-Dollar ausgecasht.
Diese Vermögenskonzentration hat Reibung erzeugt. Der US-amerikanische CEO der in London ansässigen Standard Chartered entschuldigte sich am Freitag dafür, dass er kommentiert hatte, die Bank werde „geringwertigeres Humankapital“ durch künstliche Intelligenz ersetzen. Gemeinschaften in ganz Amerika stellen sich gegen den Bau von Rechenzentren und verweisen dabei auf die Sorge vor steigenden lokalen Stromkosten und einem minimalen lokalen wirtschaftlichen Nutzen. Morgan Stanleys Analyse hat zudem eine steigende Besorgnis über den Missbrauch von KI, Desinformation und Datenschutz hervorgehoben.
Samsung-Fallstudie: Spannungen in der Arbeit
Die Erfahrung von Samsung Electronics in Südkorea zeigt, wie sich ein KI-Backlash in Arbeitskonflikten manifestieren könnte. Beschäftigte forderten einen größeren Anteil an der KI-Gewinn-Sonderausgabe, die durch den Chip-Boom entstanden ist. Das brachte Samsungs Marktkapitalisierung über 1 Billion US-Dollar. Arbeitnehmer drohten mit Streiks, während der Rivalen SK Hynix ein besseres Angebot zur Gewinnbeteiligung machte.
Samsungs Umsatz entsprach laut CNN im vergangenen Jahr mehr als 12% des BIP von Südkorea. Am Donnerstag, nachdem sich beide Seiten auf eine Vereinbarung geeinigt hatten, stieg Samsungs Aktie – und auch der gesamte südkoreanische Aktienmarkt legte zu.
Allerdings gibt es eine entscheidende Unterscheidung: Samsungs Mitarbeiter sind gewerkschaftlich organisiert. In den USA haben Beschäftigte typischerweise nicht in ähnlicher Weise vergleichbare Schutzmechanismen und Verhandlungsmacht.
Historisches Vorbild: Atomenergie
Die Geschichte liefert Kontext für technologischen Gegenwind. Öffentliche Proteste wegen der Gefahren der Atomenergie spielten eine Rolle dabei, ihre Einführung auszubremsen. Insbesondere da der Energiebedarf von KI wächst, erfährt die Atomenergie erneut großes Interesse.
Aktueller Ausblick
Obwohl der Widerstand gegen KI erkennbar ist und Investoren dies wahrnehmen, geht die Investitionsdynamik weiter. Die Spannung zwischen Backlash und Kapitalzufluss bleibt ungelöst.