Die Geschäftsführende Direktorin für Finanzmarkt-Infrastruktur der Bank of England, Sasha Mills, sagte am 13. Mai auf dem Financial Times Digital Assets Summit: „Wir sehen Stablecoins als eine neue Form von Geld (new form of money).“ Laut Decrypt betonte Mills, dass die britische Notenbank keine „Entweder-oder“-Entscheidung zwischen tokenisierten Bankeinlagen und Stablecoins treffe, sondern beide „neuen Geldformen“ parallel entwickeln lasse – und die Nutzer durch die praktische Anwendung entscheiden sollten, welche Variante sich für welche Anwendungsfälle besser eignet.
„Eine neue Form von Geld“: Die Notenbank ordnet Stablecoins selten auf diesem Level als solche ein
Stablecoins neben „Geld“ zu stellen, ist die bislang direkteste politische Anerkennung der Bank of England gegenüber der Krypto-Industrie. Die Standardargumentation wichtiger Notenbanken in Europa und den USA über viele Jahre hinweg lautet, Stablecoins seien „eine Alternative zu Geld“ oder „Zahlungsinstrumente“ – weitaus seltener werden sie mit Worten wie „new form of money“ direkt in den Geldbegriff eingeordnet. Mills’ Rolle innerhalb der Bank of England ist die der Geschäftsführenden Direktorin für Finanzmarkt-Infrastruktur; sie spricht für die offiziellen Politikrichtungen der Notenbank.
Sie stellte außerdem klar: „Die Bank of England entscheidet nicht, wer gewinnt. Wir wissen noch nicht, welche Nutzungsszenarien besser zu welcher dieser neuen Geldformen passen. Die Nutzer sollen in ihrem praktischen Erlebnis auswählen – und zwar auf eine Art, die interoperabel ist.“ Diese Haltung unterscheidet sich von dem Ansatz einiger Länder, zunächst tokenisierte Einlagen zu entwickeln und erst danach Stablecoins in Betracht zu ziehen. Großbritannien verfolgt stattdessen den technikneutralen Weg: Der Markt entscheidet.
Systematisch vs. allgemeine Stablecoins: Großbritanniens zweigleisiger Regulierungsrahmen
Der von Mills skizzierte Regulierungsrahmen setzt Großbritanniens „FCA + BoE-Aufgabenteilung“ fort:
Systemische Stablecoins (systemic stablecoins): weit verbreitet für Zahlungen, potenziell mit Risiken für die Finanzstabilität verbunden, werden direkt von der BoE reguliert
Nicht-systemische Stablecoins: kleinere Größenordnung, werden von der FCA reguliert
Unabhängig von der Größe müssen alle Stablecoins „gleichermaßen robust“ (equally robust) sein
Der Bewerbungsweg für systemische Stablecoins wird noch in diesem Jahr bis zum Jahresende geöffnet. Mills betonte, dass selbst wenn zwei Bahnen von unterschiedlichen Aufsichtsstellen verantwortet werden, die technischen Standards identisch sein müssen, um regulatorisches Arbitrage zu vermeiden.
„Keine Entscheidung treffen“ dahinter: Die Position der Bank of England zur Finanzmarkt-Infrastruktur
Die Abteilung „Finanzmarkt-Infrastruktur“, in der Mills tätig ist, ist innerhalb der Bank of England zuständig für den Spezialbereich der Zahlungssysteme sowie für Abwicklung und Clearing. Ihre Haltung zu Stablecoins ist im Kern die Ausweitung des Anwendungsbereichs von Stablecoins in die britische Zahlungsinfrastruktur – nicht die Betrachtung als Bedrohung oder Konkurrenz für das bestehende Zahlungssystem.
Diese Ausrichtung ergibt zusammen mit dem am selben Tag vom britischen Finanzministerium veröffentlichten Signal „das Marktpotenzial grundlegend verändern“ ein stimmiges Gesamtbild: Das Finanzministerium treibt es aus Sicht der Industriepolitik voran, die Notenbank nimmt es aus Sicht der Zahlungsinfrastruktur auf; beide Linien laufen an dem konkreten Knotenpunkt „Lizenz für systemische Stablecoins“ zusammen.
Ketten-News-Analyse: Mit der Formulierung „new form of money“ bringt die Bank of England eine der strengsten Politik-Anerkennungen überhaupt für die Krypto-Industrie zum Ausdruck und hebt Stablecoins faktisch von der Kategorie „Finanztechnologie“ auf die Ebene „Geld an sich“. Für Emittenten von US-Dollar-Stablecoins (Circle, Tether) und künftige Anbieter von britischen Pfund-Stablecoins könnte der britische Markt in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Compliance-Einstiegspunkte werden. Der nächste Beobachtungspunkt ist, wer nach der Öffnung der Lizenz für systemische Stablecoins Ende 2026 zuerst zum Zuge kommt – und welche strengen Standards die Bank of England bei den Lizenzbedingungen setzen wird.
Der Artikel „Bank of England: Stablecoins sind eine „neue Form von Geld“ – und die Notenbank trifft keine Wahl gegenüber tokenisierten Einlagen“ erschien zuerst auf Chain News ABMedia.