Exxon und Chevron: Q1-EPS über den Erwartungen, aber Jahresgewinn stark im Minus – Unsicherheitszeitpunkt nicht passend + Fördermengen aus dem Nahen Osten sinken

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Die beiden US-Ölkonzerne Exxon Mobil und Chevron veröffentlichten am 1. Mai zeitgleich ihre Quartalsberichte für das 1. Quartal 2026. Das bereinigte EPS lag bei beiden deutlich über den Erwartungen, die jeweiligen Jahreswachstumsraten brachen jedoch um 45% bzw. 36% ein. Obwohl der Brent-Ölpreis nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs am 28. Februar weiter zulegte, erlitten die beiden Unternehmen durch eine „zeitliche Fehlanpassung“ bei Absicherungsverträgen Verluste in Höhe von bis zu 7,0 Milliarden US-Dollar (Exxon rund 4,0 Milliarden, Chevron 2,9 Milliarden) – zusätzlich wurde der Transport realer Güter durch Behinderungen gestört. Insgesamt gingen die Gewinne im Q1 deutlich zurück.

Bereinigtes EPS über den Erwartungen, aber die Jahreswachstumsraten beiderseits stark im Minus

Exxon erzielte im Q1 ein bereinigtes EPS von 1,16 US-Dollar, Chevron 1,41 US-Dollar (Markterwartung: 0,95 US-Dollar) – beide übertrafen die Erwartungen von Wall Street. Doch hinter dieser „Erwartungen geschlagen“-Schlagzeilenzahl steckt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang des Nettogewinns um 45% bzw. 36%: Selbst wenn die Guidance des Managements erreicht wurde, wird die Gewinnstruktur insgesamt stark von den Auswirkungen des Iran-Kriegs ausgehöhlt.

„Brent-Ölpreis über 114 – das sollte für Ölkonzerne eigentlich positiv sein“ ist die Markteinschätzung, aber die Q1-Ergebnisse zeigen, dass diese Intuition durch drei Faktoren ausgeglichen wurde: Erstens die zeitliche Fehlanpassung der Absicherung, zweitens die Blockade beim Transport realer Vermögenswerte und drittens die zeitversetzten Kostensteigerungen bei den entsprechenden „Downstream“-Rohstoffen (Raffinerie, Einzelhandel).

Stärkste Belastung: „Zeitliche Fehlanpassung“ bei der Absicherung + geringere Produktion im Nahen Osten

Der größte Belastungsfaktor in diesem Quartal ist der „Timing Effect“ aus Absicherungskontrakten. Exxon verbuchte wegen Absicherungsschäden rund 4,0 Milliarden US-Dollar Verluste, Chevron nahm 2,9 Milliarden US-Dollar an absicherungsbezogenen Kosten in die Bücher auf. Unter „zeitlicher Fehlanpassung“ versteht man, dass die beiden Unternehmen bereits zu Jahresbeginn einen Teil ihrer Rohölpositionen abgesichert hatten (niedrigere Ölpreise fixiert). Nach Ausbruch des Kriegs lagen die realen Lieferpreise über dem vereinbarten Absicherungspreis, wodurch in den Finanzberichten ein buchhalterischer Verlust entsteht. Das Management weist jedoch darauf hin, dass sich dieser Effekt in den Folgequartalen umkehren wird – wenn die physischen Waren rechtzeitig beim Käufer eintreffen, wird der Gewinn im Q2–Q3 nachgeholt.

Der zweite Belastungsfaktor ist ein Rückgang der physischen Fördermenge. Exxon schätzt, dass die Kriegsfolgen die Assets in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) und in Katar beeinträchtigen: Die weltweite Produktion in Öl- und Gaseinheiten lag im Q1 6% unter Q4 2025. Gründe sind unter anderem, dass der Transport durch die Straße von Hormus gestört ist (Teile der Tanker fahren um oder werden später disponiert), dass sich das Exporttempo nach dem 5/1-Ausstieg der UAE aus OPEC verändert hat, sowie dass Wartungspläne für Teile der Aufbereitungsanlagen wegen des Kriegsrisikos verschoben wurden. Der Rückgang der physischen Produktion ist ein „echter“ Verlust und kehrt sich nicht wie die zeitliche Fehlanpassung der Absicherung in späteren Quartalen um.

Nachbeobachtung: Absicherungs-Umkehr im Q2, Transport erholt sich, Auswirkungen des OPEC-Ausstiegs der UAE

Drei zentrale Nachbeobachtungen: Erstens das Ausmaß der Umkehr der zeitlichen Fehlanpassung bei der Absicherung im Q2 – falls sich die Lage im Iran verspätet beruhigt, können die physischen Lieferungen weiter verschoben bleiben, sodass Q2 trotz allem weiterhin buchhalterische Verluste aufweist. Zweitens der wieder anlaufende Takt beim Transport durch die Straße von Hormus: Japanische Tanker beginnen ab dem 30. April nach und nach zu passieren; wenn der Iran die Freigaben faktisch beschleunigt, könnte die Produktion von Exxon/Chevron in UAE/Qatar wieder anziehen. Drittens die Umstrukturierung der Energie-Landschaft im Nahen Osten nach dem 5/1-Ausstieg der UAE aus OPEC – das beeinflusst die langfristige Preissetzungsmacht von Exxon/Chevron in lokalen Joint-Venture-Projekten.

Für Krypto- und makroorientierte Investoren ist die Botschaft dieses Quartalsberichts: „Steigende Ölpreise ≠ steigende Gewinne für Ölkonzerne“. Entscheidend sind vielmehr die Absicherungsinstrumente und die physische Lieferkette. Während Brent die Marke von 114 US-Dollar durchbricht, laufen zugleich Reaktionen wie eine starke Aufwertung des japanischen Yen sowie die Verschiebung von Zinssenkungen durch die US-Notenbank weiter, wodurch die globalen Finanzierungskosten weiter zusammengedrückt werden. Das Phänomen „Preise steigen, aber Gewinne sinken“ im Energiesektor könnte sich daher auch im Q2 fortsetzen.

Dieser Artikel Exxon, Chevron: Q1 EPS über den Erwartungen, aber Jahreswachstum stark eingebrochen – Absicherungs-Zeitversatz + Rückgang der Produktion im Nahen Osten ist zuerst erschienen bei Kettennachrichten ABMedia.

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