Der Micron-CEO Sanjay Mehrotra warnte, dass die globale Knappheit bei Speicherchips über 2026 hinausreichen könnte, während bedeutende neue Produktionskapazitäten erst etwa 2028 eintreffen werden. In einem Interview in der Manassas-Anlage des Unternehmens in Virginia skizzierte Mehrotra den erweiterten Zeitplan, der nötig ist, um fortschrittliche Speicherfertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Die Speicherbranche befinde sich in einem Super-Zyklus, angetrieben durch die Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz, und Micron setze einen Investitionsplan in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar um, der sich über drei Bundesstaaten erstreckt, um die Versorgungslücke zu schließen. Aktuell könne Micron nur 50% bis zwei Drittel der Nachfrage der Kernkunden bedienen, was eine erhebliche Unterversorgung hinterlasse. Der verlängerte Zeitplan spiegele die stark kapitalintensive Natur der Halbleiterfertigung wider, bei der Bau, Installation von Anlagen und Inbetriebnahme Jahre benötigen, um abgeschlossen zu werden.
Aktuelle Versorgungslage und Knappheits-Zeitplan
Mehrotra sagte, das aktuelle Versorgungsniveau für die Kernkunden von Micron liege bei 50% bis zwei Drittel ihres Bedarfs. Er betonte, dass der Aufbau neuer Fertigungskapazitäten die längste und anspruchsvollste Phase des Produktionszyklus sei: Auf den Bau der Anlagen folgten lange Zeiträume für die Installation der Ausrüstung und Tests. Die Speicherk-nappheit werde laut Mehrotra über 2026 hinaus anhalten, wobei wirklich bedeutende neue Kapazitäten erst um 2028 herum in nennenswertem Umfang sichtbar werden dürften.
U.S.-Investitionsplan und Anlagendetails
Micron baut fortschrittliche Halbleiterfertigungskapazitäten in drei US-Bundesstaaten im Rahmen seines 200-Milliarden-US-Dollar-Investitionsvorhabens im Inland. In der Boise-Region in Idaho plant das Unternehmen den Bau zweier fortschrittlicher Wafer-Fertigungsanlagen: Die erste Anlage soll ihre ersten Wafer voraussichtlich Mitte 2025 produzieren, während die zweite Anlage bis Ende 2028 in Betrieb gehen soll. Im Großraum Syracuse in New York plant Micron einen Produktionscluster mit bis zu vier Fertigungsanlagen. Die Virginia-Anlage des Unternehmens in Manassas hat in jüngster Zeit die Serienproduktion mithilfe des 1-alpha-Prozessknotens für DRAM aufgenommen und markiert damit einen wichtigen Schritt bei der Rückverlagerung fortschrittlicher Speicherfertigung in die Vereinigten Staaten.
Produktionskapazität und Marktanteilsziele
Der Investitionsplan von Micron zielt auf eine spürbare Verschiebung der globalen Produktionsverteilung. Das Unternehmen will den Anteil der USA an der globalen Speicherproduktion von etwa 10% auf 40% erhöhen. Mehrotra erklärte, Micron werde bei der Entscheidung, wann Produktionsausrüstung in neuen Anlagen installiert werden soll, eine „strenge und rationale Disziplin“ anwenden; die Entscheidungen würden auf präzisen Bewertungen der Marktnachfrage-Trends basieren. Er hob hervor, wie wichtig es sei, das Unternehmen so aufzustellen, dass es mit vorbereiteten Kapazitäten auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren könne.
Langfristige Lieferverträge und Kundenstrategie
Micron verfolgt aktiv langfristige Lieferverträge mit Kunden, um Versorgungssicherheit und Planbarkeit in der Lieferkette zu sichern. Diese Vereinbarungen schützen die Interessen der Kunden und geben Micron zugleich Sicherheit für seine großen, langfristigen Kapitalinvestitionen.
Unterstützung durch die US-Regierung und Schaffung von Arbeitsplätzen
Als einziger in den USA ansässiger Hersteller von Speicherchips habe Micron starke Unterstützung von der Trump-Regierung erhalten, wenn es um die Sicherung inländischer Lieferketten geht. US-Handelsminister Howard Lutnick und weitere Vertreter hätten die Expansionsbemühungen des Unternehmens öffentlich unterstützt. Die US-Regierung fördere eine aktive „nationale Industriepolitik“, um die Fertigung von Halbleitern im Inland anzuregen. Mehrotra sagte, die Investitionen von Micron in den USA würden direkt 90.000 gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen. Das Unternehmen arbeite mit lokalen Gemeinden, Universitäten, Forschungseinrichtungen und lokalen Systemen für Workforce-Entwicklung zusammen, um diese Expansion zu unterstützen, einschließlich Ausbildungsprogrammen für Apprenticeship-Training.