Der Post-Konkurs-Prozess-Treuhandfonds von Prime Trust hat in einem Insolvenzgericht in Delaware Klage gegen Swan Bitcoin eingereicht und behauptet, das Bitcoin-Dienstleistungsunternehmen habe sich Insiderwissen zunutze gemacht, um in den Tagen vor dem Zusammenbruch im August 2023 nahezu 1 Milliarde US-Dollar an Vermögenswerten aus dem Custodian abzuziehen.
In der Klage wird Electric Solidus, die juristische Einheit hinter Swan, beschuldigt, vor der Antragstellung von Prime Trust auf Insolvenz mehr als 24,6 Millionen US-Dollar in bar, 11.994 Bitcoin (derzeit im Wert von rund 923 Millionen US-Dollar), ungefähr 5 Millionen USDT sowie kleinere Beträge anderer digitaler Assets erhalten zu haben. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht ein namentlich nicht genannter leitender Angestellter von Prime Trust, der seit Juli 2019 eine bezahlte Beratungsvereinbarung mit Swan unterhielt und gleichzeitig bei Prime Trust beschäftigt war.
Die Klage ist Teil einer umfassenderen Initiative des Post-Konkurs-Prozess-Treuhandfonds von Prime Trust, Vermögenswerte zurückzuholen, die in den Wochen vor dem Zusammenbruch aus dem Custodian abgezogen worden waren. Der Treuhandfonds macht geltend, Swan habe durch Insiderzugang Gelder vor anderen Kunden bewegt, während sich die finanzielle Lage von Prime Trust verschlechterte.
Zeitlinie der angeblichen Ereignisse
Laut der Klage soll der genannte, aber nicht namentlich bekannte Executive am 22. Mai 2023 – vier Tage bevor Prime Trust am 26. Mai mit Nevada-Regulierern zusammentraf – eine verschlüsselte Chat-Nachricht mit Swan-CEO Cory Klippsten geöffnet und Nachrichten so konfiguriert haben, dass sie sich alle 24 Stunden automatisch löschen. Die Auto-Delete-Funktion soll demnach am Tag nach dem regulatorischen Treffen deaktiviert worden sein, als Swan mehr als 10.000 Bitcoin von Prime Trust abgezogen habe.
Weiter heißt es in der Klage, Swan habe plötzlich einen teilweisen Vermögensabfluss in eine vollständige Evakuierung aller Gelder umgewandelt – einen Tag vor dem Treffen mit den Nevada-Regulierern. Prime-Trust-Mitarbeiter hätten sich demnach bemüht, noch vor Geschäftsschluss an diesem Tag nachzukommen, wie aus in der Einreichung zitierten Slack-Kommunikationen hervorgehe.
Vorwürfe zur Kontenerstellung
Am 25. Mai soll Prime Trust intern ein Ledger mit der Bezeichnung „PT FBO Swan Customers“ erstellt haben – ein Konto, das zuvor nicht existiert habe –, um den Anschein zu erwecken, dass die Gelder von Swan schon immer in einem separaten Trust gehalten worden seien. Dies hätte sie in den Insolvenzverfahren schwieriger zurückfordern lassen. „Im Wesentlichen jedoch wurden diese Assets nicht und werden nicht im Trust zum Nutzen der Swan-Kunden gehalten“, so die Klage.
Die Klage führt aus: „Swan wusste, dass es Fiat und Krypto unmittelbar bevor Prime Insolvenz anmeldet transferieren muss, um katastrophale Verluste zu vermeiden.“
Rechtliche Ansprüche und Rechtsbehelfe
Der Kläger strebt Rückgewinnung auf Grundlage der Bestimmungen zu bevorzugten Übertragungen und zu tatsächlichen betrügerischen Übertragungen des Insolvenzrechts (Bankruptcy Code) an. Der Treuhandfonds bittet das Gericht außerdem, sämtliche zukünftigen Ansprüche, die Swan möglicherweise gegen das Treuhandvermögen (Estate) geltend machen könnte, zurückzuweisen, bis die Restitution erfolgt ist.
Cointelegraph hat Swan um eine Stellungnahme gebeten, erhielt jedoch zum Zeitpunkt der Berichterstattung keine unmittelbare Antwort.