Shein und Temu, chinesische E-Commerce-Gruppen, die Mode zu günstigen Preisen verkaufen, haben in London einen Testlauf begonnen – wegen konkurrierender Urheberrechtsansprüche, die sich auf die gemeinsamen Lieferantennetzwerke und den Wettbewerb mit europäischen Händlern auswirken könnten, wie Bloomberg berichtet. Shein verklagte Temu 2023 und machte geltend, Temu habe tausende Shein-Produktfotos für identische oder kopierte Artikel verwendet. Temu reichte 2024 eine Widerklage ein und forderte Schadensersatz für Verluste, die es auf Shein zurückführt.
Wechselseitige Ansprüche und Gegenargumente
In den Gerichtsunterlagen heißt es, Temu bestreitet die Vorwürfe und sagt, Händler hätten die Zustimmung gehabt, die Bilder zu verwenden. Temu argumentiert, Shein habe Urheberrechtsansprüche genutzt, um legitimen Wettbewerb einzudämmen.
Unterschiede im Geschäftsmodell und Streit um das Lieferantennetzwerk
Shein arbeitet eher wie ein Händler: Das Unternehmen nutzt Daten, um eng mit Lieferanten zu koordinieren. Temu betreibt dagegen einen Online-Marktplatz, der Käufer mit tausenden Herstellern verbindet. Dieses Setup ermöglicht es Verkäufern auf Temu – darunter auch einige, die möglicherweise ebenfalls Shein beliefern – ähnliche Waren dort zu listen. Shein argumentiert, Temu profitiere von der Zeit und dem Geld, das Shein in den Aufbau seines Lieferantennetzwerks und in die Schulung von Partnern investiert habe.
Regulatorisches Umfeld und Marktwachstum
Beide Unternehmen wuchsen schnell, auch dank einer EU-Regel, die Einfuhrabgaben für Pakete im Wert von weniger als 150 Euro (180 US-Dollar) erlassen. Das Volumen ist stark gestiegen: Die EU importierte 2024 etwa 4,6 Milliarden Artikel mit geringem Warenwert, doppelt so viel wie 2023.
Im Mai sank der Konsum von Temu in den USA um rund 36% gegenüber dem Vorjahr, während er bei Shein um 13% zurückging. Im selben Zeitraum wuchs Temu in der EU um 63% und im Vereinigten Königreich um 38%. Shein stieg in der EU um 19% und im Vereinigten Königreich um 42%.
Breiterer rechtlicher und regulatorischer Druck
Der UK-Fall ist eingebettet in einen umfassenderen juristischen Streit, der auch US-Klagen umfasst. Europa und das Vereinigte Königreich sind inzwischen wichtiger geworden, da beide Unternehmen in den USA zunehmendem Handels- und Regulierungsdruck ausgesetzt sind.
Auch auf politischer Ebene geht man voran: Die Behörden haben neue Zollsätze vorgeschlagen und bringen Maßnahmen wie das Anti-Fast-Fashion-Gesetz Frankreichs voran, das Fast-Fashion-Produkte für Umwelt schädigendes Verhalten bestrafen würde. Der Streit reicht inzwischen über diese beiden Firmen hinaus: Der Druck wächst auf das Direct-from-Factory-E-Commerce-Modell, das Kritiker als Schwächung von Produktsicherheit, Arbeitsstandards und fairem Wettbewerb in westlichen Märkten sehen.