Die vier größten US-Tech-Aktien Microsoft (Microsoft), Alphabet (Google, die Muttergesellschaft), Meta und Amazon haben am 29. April nach US-Börsenschluss zeitgleich die neuesten Quartalsberichte veröffentlicht. Laut der von Yahoo Finance zusammengestellten Auswertung schlugen alle vier jeweils die Erwartungen der Wall-Street-Konsensprognosen. Allerdings fiel die Kursreaktion nachbörslich deutlich unterschiedlich aus: Alphabet legte um etwa 6% zu, Meta rutschte wegen einer nach oben angepassten Kapitalausgaben-Leitlinie um mehr als 5% ab, während Microsoft und Amazon jeweils um rund 3% fielen.
Überblick der zentralen Kennzahlen
Unternehmen Umsatz YoY EPS Cloud-/Kern-Geschäft Nachbörslich Microsoft (FY26 Q3) 82,9 Mrd. +18% (zu konstanten Wechselkursen) $4,27 (Markt $4,06) Azure +40% (Guidance 37-38%) -3% Alphabet (CY26 Q1) 1.099 Mrd. +22% Operatives Ergebnis 396,9 Mrd. Google Cloud +63% (20,03 Mrd.) +6% Meta (CY26 Q1) 563,1 Mrd. +33% (schnellstes seit 2021) Markt $5,45 Mrd. Werbung 55 Mrd. +33% -5% Amazon (CY26 Q1) 1.815 Mrd. +17% $2,78 (Markt $1,65) AWS +28% (37,59 Mrd.) -3%
Wenn man allein Umsatz und Gewinn mit den Erwartungen vergleicht, haben alle vier die Wall-Street-Konsenserwartungen übertroffen. Die Unterschiede in der Marktreaktion spiegeln jedoch wider, dass sich der Fokus der Anleger nicht mehr nur auf „beat or miss“ richtet – sondern darauf, wie stark die Beschleunigung im Cloud-Geschäft ausfällt, ob die KI-Investitionen sich bereits im Umsatz widerspiegeln und ob die nach oben angepassten Kapitalausgaben angemessen sind.
Cloud und KI-capex: Drei beschleunigen, Meta kürzt bei der Kapitaldisziplin
Das Cloud-Geschäft ist in diesem Quartal der differenzierendste Indikator. Der Quartalsumsatz von Google Cloud bei Alphabet lag bei 20,03 Mrd. US-Dollar, das entspricht einem Plus von 63% im Jahresvergleich – deutlich über der Markterwartung. Zudem stieg der Auftragsbestand (backlog) im Quartalsvergleich um etwa das Doppelte auf über 46 Mrd. US-Dollar. Diese Zahl erklärt direkt die bessere Planbarkeit der kommenden Quartale und ist auch der Hauptgrund für den starken Anstieg von Alphabet nachbörslich. Microsoft Azure wuchs um 40% im Jahresvergleich, oberhalb der oberen Leitplanken der eigenen Guidance von 37-38% und der Markterwartung von 39,3%. Der jährliche KI-Umsatz (ARR) hat bereits 37 Mrd. US-Dollar überschritten, ein Plus von 123% gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der geschäftlichen Seats für Microsoft 365 Copilot hat sich von 15 Mio. im Januar auf mehr als 20 Mio. im April ausgeweitet. Amazon AWS wuchs um 28%, der Umsatz lag bei 37,59 Mrd. US-Dollar – das schnellste Wachstum seit mehr als 3 Jahren; die Markterwartung lag nur bei 26%.
Der capex-Teil ist hingegen das Kernthema, das bei Meta Zweifel auslöst. Meta hat die Guidance für die gesamten Kapitalausgaben für 2026 von zuvor 1150-1350 Mrd. US-Dollar auf 1250-1450 Mrd. US-Dollar angehoben. Sowohl die untere als auch die obere Grenze wurden jeweils um 100 Mrd. US-Dollar nach oben angepasst. Das Unternehmen führt dies auf „steigende Komponentenpreise und zusätzliche Kosten für Rechenzentren“ zurück. Microsofts Q3-capex erreichte 31,9 Mrd. US-Dollar; davon flossen zwei Drittel in kurzlebige Assets wie GPUs und CPUs. Der CFO schätzt, dass der capex für das gesamte FY2026 190 Mrd. US-Dollar erreichen wird; Hauptgrund sind die stark steigenden Speicherpreise.
Der Umsatz der Meta Reality Labs Sparte betrug 402 Mio. US-Dollar, ein Minus von 2% im Jahresvergleich (Rückgang beim Verkauf von Quest-Headsets, teilweise Ausgleich durch KI-Brillen). Die Verluste im Jahr 2025 beliefen sich auf 19,2 Mrd. US-Dollar; für 2026 wird eine Verlustgröße in ähnlicher Größenordnung erwartet, was zugleich das Spitzenjahr darstellt.
Nachbörsliche Reaktion und weitere Beobachtung
Die klare Differenz in der nachbörslichen Reaktion spiegelt das Kernerzählmuster wider: „Stimmen Kapitalausgaben und KI-Umsatz in die gleiche Richtung?“ Alphabet macht den Pfad zur Beschleunigung des Cloud-Umsatzes und zur Investitionsstrategie in KI-Infrastruktur gleichzeitig klarer und bekommt dafür positives Feedback vom Markt. Meta verzeichnet zwar das schnellste Umsatzwachstum seit 2021, aber dass die capex-Leitlinie in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen nach oben angepasst wurde, die Q2-Umsatzguidance bei 58-61 Mrd. US-Dollar lag – nahe bei den Analystenerwartungen von 59,5 Mrd. US-Dollar – und es an zusätzlichen Überraschungen fehlte, führt dazu, dass der Markt dies durch einen Kursrückgang ausdrückt, der die Sorge über das „Verhältnis von Input zu Output“ widerspiegelt. Microsoft und Amazon haben zwar jeweils die Erwartungen übertroffen, dennoch liegt die mittlere Zahl in der Umsatzguidance für Microsofts Q4 leicht unter der Konsensschätzung des Marktes von 87,53 Mrd. US-Dollar. Für Amazon liegt die Umsatzguidance in Q2 bei 194-199 Mrd. US-Dollar und die operative Gewinnspanne bei 20-24 Mrd. US-Dollar; insgesamt ist das demnach „pünktlich mit Übertreffen, ohne zusätzliche Überraschungen“ – entsprechend fiel der Kurs nachbörslich ebenfalls um rund 3%.
Zu beobachten in der Folge: die Umwandlungsdynamik des Alphabet-Cloud-backlogs von 46 Mrd. US-Dollar, ob Microsoft Azure die 40%-Beschleunigung in Q4 fortsetzen kann, wann der nach oben angepasste capex bei Meta beginnt, die Werbe-Monetarisierungseffizienz beizutragen, und ob die 28%-Wachstumsrate bei AWS stabil bleibt. Apple wird am 1. Mai kurz nach Mitternacht nach Taiwan-Zeit die Finanzergebnisse für FY26 Q2 veröffentlichen – das ist der letzte große Bericht der Tech-Aktien in dieser Woche.
Dieser Artikel: Die vier Tech-Aktien schaffen den Volltreffer-Start im Q1: Alphabet +6%, Meta -5% – erstmals erschienen in Kettennachrichten ABMedia.