Eröffnung
Präsident Trump hat im ersten Quartal laut einer am späten vergangenen Wochenende veröffentlichten behördlichen Meldung mehr als 3.500 Aktiengeschäfte in seinem Namen offengelegt. Die Handelsaktivität umfasste Käufe von jeweils mindestens 1 Million US-Dollar in Aktien von Nvidia, Oracle, Microsoft, Boeing und weiteren Unternehmen sowie Verkäufe von Beständen in Meta, Amazon und Walt Disney. Insgesamt seien Transaktionen im Wert von mehreren Hundert Millionen US-Dollar erfolgt, allerdings bleibe laut Financial Times der genaue Gewinn oder Verlust für den Präsidenten unbekannt.
Die Trump Organization erklärte, die Konten des Präsidenten würden unabhängig von Drittfirmen verwaltet, ohne dass er Einfluss nehme. Doch die schiere Menge und das Tempo des Handels – im Durchschnitt rund 60 Trades pro Tag – stelle ein beispielloses Maß an aktiver Teilnahme am Aktienmarkt für einen amtierenden US-Präsidenten in der modernen Geschichte dar.
Handelsvolumen und -frequenz
Die Anzahl der im ersten Quartal ausgeführten Geschäfte erregte Aufmerksamkeit bei Marktprofis und Beobachtern. Der Durchschnitt von 60 Trades pro Tag übersteigt typische Anlage-Muster weit, selbst bei aktiven Tradern.
Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers, sagte: „Außer jemand ist dauerhaft mit den Märkten verbunden, ist es im Grunde unmöglich, das zu machen.“
Eric Diton, Präsident und Managing Director bei The Wealth Alliance, sagte gegenüber Bloomberg: „In den 40-plus Jahren meiner Zeit an der Wall Street ist das in jedem Maßstab eine ungewöhnliche Menge an Trading.“
Sosnick merkte gegenüber Axios zudem an, das Tempo des Handels ähnele eher einer automatisierten algorithmischen Ausführung als einer manuellen Entscheidungsfindung.
Position der Trump Organization
Ein Sprecher der Trump Organization lieferte eine Stellungnahme zur Offenlegung:
„Die Investmentbestände von Präsident Trump werden ausschließlich über vollständig diskretionäre Konten geführt, die unabhängig von Drittfirmen verwaltet werden, mit alleiniger und ausschließlicher Befugnis über sämtliche Anlageentscheidungen. Trades werden ausgeführt und Portfolios über automatisierte Anlageprozesse und Systeme, die von diesen Institutionen verwaltet werden, ausgeglichen.“
Die Erklärung führte weiter aus: „Weder Präsident Trump, seine Familie noch The Trump Organization spielen irgendeine Rolle bei der Auswahl, Steuerung oder Genehmigung konkreter Investments. Sie erhalten keine vorherige Benachrichtigung über Handelsaktivitäten und leisten keinerlei Input hinsichtlich Anlageentscheidungen oder Portfolio-Management irgendeiner Art.“
Historischer Kontext
Moderne Präsidenten haben ihre Investments typischerweise in blind verwalteten Treuhandfonds, breit gestreuten Investmentfonds oder Staatsanleihen platziert, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Der ehemalige Präsident Jimmy Carter verkaufte bei Amtsantritt berühmt seine persönlichen Aktienbestände und legte seinen Erdnussbauernhof in einen blind verwalteten Trust, doch diese Entscheidung war nicht ohne Kontroversen.
Richard Painter, der als chief White House ethics counsel unter dem ehemaligen Präsidenten George W. Bush diente, sagte: „Wir haben noch nie zuvor gesehen, dass ein Präsident aktiv im Aktienmarkt handelt.“
Expertenanalyse
Ray Madoff, Professor an der Boston College Law School, der den Steuerkodex untersucht, stellte fest, dass viele der Ultrareichen typischerweise Buy-and-hold-Strategien bevorzugen, um zu vermeiden, ihre Steuerrechnung durch den Verkauf von Vermögenswerten zu erhöhen.
Joseph Brusuelas, Chief Economist bei RSM, kommentierte die breitere Marktwahrnehmung: „Einer der starken Takeaways für die Öffentlichkeit ist eine wachsende Schlussfolgerung, dass die Finanzmärkte festgelegt sind.“
Getrennte Marktaktivität
Unabhängig davon gab es kurz vor Ankündigungen zur Iran-Politik ungewöhnliche Trades in Öl-Futures und in Märkten für Vorhersagen. Axios' Zachary Basu charakterisierte diese Trades als „eine der politisch gefährlichsten Storylines für Trumps zweiten Amtszeitabschnitt“. Die Quelle hält fest, es gebe keinen Hinweis darauf, dass Trump oder Insider aus der Verwaltung an genau diesen Trades beteiligt gewesen seien. Die Aktivität hat öffentliche Vermutungen befeuert, dass mächtigen Personen in Washington ein ungleiches Marktzugangsniveau eingeräumt werde.