Eine aktuelle Studie der Forschungseinrichtung Epoch AI zeigt, dass Nutzer verschiedener KI-Plattformen jeweils unterschiedliche Einkommensstrukturen aufweisen: 80% der Claude-Nutzer haben ein Jahreseinkommen von über 100.000 US-Dollar, während die Zielgruppe von Meta AI über alle Einkommensschichten hinweg reicht und damit der am nächsten am Mainstream liegende Wahloption entspricht. Diese Daten decken nicht nur die Marktpositionierung der einzelnen Plattformen auf, sondern lassen die Frage „Welche KI nutzt du?“ inzwischen auch ein wenig nach einer Art Identitätsmerkmal klingen.
80% der US-Erwachsenen, die angeben, in der vergangenen Woche Claude genutzt zu haben, leben in Haushalten, die pro Jahr 100.000 US-Dollar oder mehr verdienen, im Vergleich zu 37% der Meta-AI-Nutzer.
Andere große Anbieter gruppieren sich in einem relativ engen Bereich: 56–64% der Nutzer leben in Haushalten mit 100.000 US-Dollar+. pic.twitter.com/4PJnbqJB8X
— Epoch AI (@EpochAIResearch) 22. April 2026
Claude-Nutzer mit dem höchsten Einkommen: Fast acht von zehn verdienen über 100.000 US-Dollar
Laut dieser Untersuchung, die die sechs großen Plattformen ChatGPT, Claude, Google Gemini, Grok, Meta AI und Microsoft Copilot umfasst, ist die Einkommenskonzentration der Claude-Nutzer unter allen Services am deutlichsten ausgeprägt.
Der Anteil der einkommensstarken Gruppe mit einem Jahreseinkommen von mehr als 100.000 US-Dollar liegt bei 79,8% der Claude-Nutzer, während einkommensschwache Nutzer mit einem Jahreseinkommen von weniger als 25.000 US-Dollar lediglich 2,5% ausmachen – dem niedrigsten Wert unter den sechs Plattformen. Im Vergleich dazu liegt der Anteil einkommensstarker Nutzer bei Microsoft Copilot bei etwa 63,7%, bei ChatGPT bei 60,3%, und Google Gemini sowie Grok liegen jeweils bei 55,9% bzw. 56,2%. Das Nutzerprofil von Claude ist eindeutig stärker auf die gehobene Einkommensschicht ausgerichtet und hebt sich deutlich von den anderen Plattformen ab.
Allerdings hat die aktuelle Studie für Claude nur eine Rohstichprobengröße von 201, der niedrigste Wert unter den sechs Plattformen; ChatGPT liegt mit 1.611 Stichproben an der Spitze. Die erhebliche Lücke in der Stichprobengröße sollte bei der Interpretation eher vorsichtig berücksichtigt werden, aber der übergreifende Trend bleibt dennoch aussagekräftig.
Meta AI am „volksnahsten“, Grok-Nutzerstruktur eher männlich und technikaffin
Am anderen Ende des Spektrums ist die Einkommensverteilung von Meta AI unter allen Plattformen am stärksten verstreut. Nutzer mit einem Jahreseinkommen von über 100.000 US-Dollar machen nur 36,5% aus – der niedrigste Wert unter den sechs Plattformen; während Nutzer mit einem Jahreseinkommen von unter 25.000 US-Dollar einen Anteil von 17,1% erreichen – dem höchsten Wert unter allen Plattformen.
Dieses Profil passt sehr gut zur breiten Nutzerbasis der Meta-Apps wie Facebook, Instagram und WhatsApp. Meta AI ist standardmäßig in diese alltäglichen Anwendungen integriert und erreicht dadurch von Natur aus einen breiteren und vielfältigeren Personenkreis – nicht gezielt eine bestimmte einkommensstarke oder professionelle Gruppe.
Grok, das von Musks xAI entwickelt und in die X-Plattform integriert ist, weist eine Nutzer-Einkommensstruktur auf, die Google Gemini ähnelt: Der Anteil bei den einkommensstarken Nutzern liegt etwa bei rund 56%. Angesichts der Tatsache, dass die Nutzerbasis von X häufig aus Menschen in den Bereichen Technologie, Finanzen und Medien besteht, ist diese Zahl nicht überraschend.
Claude wird immer teurer: Die Kosten hinter dem Image als Premium-Produkt
Das Profil der einkommensstarken Claude-Nutzer spiegelt sich in gewissem Maße auch in Preisgestaltung und Geschäftsstrategie wider. Mehrere aktuelle Preisbewegungen rund um Anthropic erhöhen kontinuierlich die Einstiegshürde für die Nutzung von Claude.
Zunächst geht es um Anpassungen bei den Abo-Modellen: Das Gerücht besagt, dass Claude Code künftig aus dem Pro-Modell für 20 US-Dollar pro Monat entfernt werden soll. Nutzer müssten dann vermutlich auf das Max-Modell für mindestens 100 US-Dollar pro Monat upgraden, um es weiterhin nutzen zu können. Obwohl der Verantwortliche für das Wachstum bei Anthropic erklärt, dass es sich dabei lediglich um Funktionstests handele, interpretiert der Markt dies bereits als Vorzeichen dafür, dass stark ressourcenintensive Funktionen in teurere Tarife gebündelt werden.
Gleichzeitig steht auch die Abrechnungsstruktur für die Unternehmensversion von Claude vor einer Umstrukturierung: Geplant ist, dass die Kosten für einen Teil der Claude-Dienste aus dem monatlichen Abo herausgelöst und stattdessen nach den tatsächlich verbrauchten Tokens separat abgerechnet werden. Zwar sinken die Abo-Kosten von etwa 40 US-Dollar pro Monat auf 20 US-Dollar, doch das Storno von API-Rabatten und die Maßnahme, bei der Unternehmen monatliche Nutzung im Voraus bezahlen müssen, werden die KI-Nutzungskosten für Unternehmen erhöhen.
Zum Schluss: Obwohl das neu eingeführte Claude Opus 4.7 den Tarif pro 1 Million Tokens beibehält, wird der neue Tokenizer den gleichen Text in mehr Tokens aufteilen; dadurch könnten die tatsächlichen Kosten um 37% bis 47% steigen.
All diese Mechanismen machen die tatsächlichen Kosten für die Nutzung von KI für Nutzer immer schwerer allein anhand oberflächlicher Zahlen zu beurteilen, und führen auch zu breiter Kritik an der Transparenz der KI-Preisgestaltung.
Geht es bei KI-Tools hin zu einer „Klassenteilung“?
Aus den Daten dieser Untersuchung lässt sich ableiten, dass die Unterschiede in der Einkommensstruktur der Nutzer von KI-Plattformen möglicherweise nur der Anfang sind. Wenn Anbieter beginnen, hochintensive Funktionen stufenweise zu bepreisen und sogar mehr implizite Kosten einzubauen, wird die „Zugänglichkeit“ von KI immer stärker mit Zahlungsbereitschaft und Nutzungsumfang gekoppelt sein.
Für die meisten Verbraucher ist das kostenlose Integrationsmodell von Meta AI möglicherweise weiterhin der niedrigste Einstiegspunkt; doch für Entwickler und professionelle Anwender mit hohem Nutzungsbedarf zeigt das Premium-Image von Claude auch die dahinterliegende Realität des „Geldverbrennens“.
In Zukunft könnte die Frage „Welche KI nutzt du?“ tatsächlich zu einem unausgesprochenen Indikator werden, der Kaufkraft und Nutzungsszenarien widerspiegelt. Einkommen
Dieser Artikel: Welche KI macht am deutlichsten Eindruck in Status und Identität? Studie zeigt, dass die Einkommen der Claude-Nutzer weit über denen der Konkurrenz liegen; Meta AI liegt am Ende. Erstmals erschienen bei Kettennachrichten ABMedia.