Autor: darkzodchi
Übersetzung: Asher, Odaily Planet Daily
Nach systematischer Analyse von über 112.000 Polymarket-Wallets und bis zu 6 Monaten on-chain-Daten zeigt sich ein ziemlich intuitives, aber auch überraschendes Ergebnis: Etwa 87,3 % der Nutzer verzeichnen bei ihren Transaktionen auf der Plattform letztlich Verluste.
Diese Statistik umfasst mehrere zentrale Dimensionen, darunter jede einzelne On-Chain-Transaktion, Handelsvolumen, Gewinnwahrscheinlichkeit, Gewinn- und Verlustsituation, beteiligte Markttypen, Einstiegszeitpunkt sowie Positionsgröße. Der gesamte Datenaufbereitungsprozess dauerte drei Wochen, und das Endergebnis weicht deutlich von vielen Erwartungen ab.
Viele glauben, dass Top-Player im Prediction Market meist einen klaren Vorteil haben, etwa durch Insider-Informationen oder den Einsatz komplexer, wenig bekannter Rechenmodelle. Doch die Daten zeigen: Das ist nicht der Fall. Die 1 % der Top-Spieler setzen langfristig konsequent auf einige wenige Strategien und wiederholen diese ständig. Die übrigen 99 % der Nutzer machen meist genau das Gegenteil und wundern sich dann, warum ihr Kapital kontinuierlich schwindet.
Wenn man die Polymarket-Rangliste nach Profit (PnL) sortiert, entdeckt man einige Anomalien. Zum Beispiel hat der Wallet mit dem ersten Platz nur 22 Positionen; der Wallet auf Platz vier nur 8 Transaktionen; und der Wallet auf Platz acht sogar nur eine einzige Wette, schafft es aber trotzdem in die Top 10 der Historie.
Diese Adressen lassen sich kaum als echte Trader bezeichnen. Oft handelt es sich nur um große Wale, die bei einem einzelnen Ereignis eine Wette über 5 Millionen US-Dollar platzieren und genau richtig liegen; oder um Nutzer mit Informationsvorteil, manchmal beides zusammen. Doch nur wenige Transaktionen reichen kaum aus, um verlässliche Handelsmuster zu erkennen. Das Ergebnis ähnelt eher einem Glücksspiel mit hohem Kapitalvolumen, anstatt einer reproduzierbaren Strategie.
Daher besteht der erste Schritt der Analyse darin, diese Rauschdaten herauszufiltern und nur die wirklich statistisch aussagekräftigen Muster zu betrachten. Die Filterkriterien umfassen:
Nach Anwendung dieser Kriterien verbleiben von den ursprünglichen 112.000 Wallets nur noch etwa 8.400 Adressen mit ausreichender Datenbasis. Diese 8.400 sind die wirklich aussagekräftige Datenmenge, während die Top-Accounts mit nur wenigen Trades und Millionengewinnen eher Ausnahmen sind. Diese Adressen zeichnen sich durch kontinuierliches Trading und stabile Daten aus, was die Analyse ihrer Verhaltensmuster erleichtert.
Interessanterweise unterscheiden sich die stabilsten Trader, nachdem die Filter angewandt wurden, deutlich von den Top-Listen. Sie sind kaum bekannt, die meisten haben noch nie von ihnen gehört. Ihre Gewinne liegen meist zwischen 50.000 und 500.000 US-Dollar, nicht im Millionenbereich.
Doch wichtiger als die Höhe der Gewinne ist die Art und Weise, wie sie zustande kommen. Denn das, was wirklich kopierbar ist, ist nicht das Ergebnis, sondern der Prozess.
Das stimmt nicht. Basierend auf den gefilterten Daten, also nicht den kurzfristigen Glücksgriffen der Top-Wale, haben die langfristig profitablen Wallets meist eine Trefferquote zwischen 55 % und 67 %. Das bedeutet: Selbst die besten Trader machen in einem erheblichen Anteil ihrer Trades Fehler. Ein Beispiel: Ein Wallet mit über 900 abgewickelten Positionen hat einen Gewinn von 2,6 Mio. US-Dollar, aber eine Trefferquote von nur 63 %. Über ein Drittel der Wetten ist also falsch, trotzdem erzielt es enorme Gewinne.
Die Fixierung auf die Trefferquote ist eine Falle für Anfänger. Viele Neueinsteiger kaufen Verträge bei 0,90 US-Dollar, weil es „sicher“ erscheint. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis eintritt, ist bereits bei 90 %, das Ergebnis scheint fast sicher. Sie kaufen also bei 0,90, und wenn das Ereignis eintritt, verdienen sie nur 0,10. Bei einem Fehler verlieren sie aber 0,90 – das Risiko-Rendite-Verhältnis liegt bei 9:1. Wird dieses Muster häufig wiederholt, ist das Kapital schnell aufgebraucht. In den Daten zeigt sich, dass dieses Muster bei Hunderten von Wallets immer wieder vorkommt.
Das Gegenteil ist der Fall. Die erfolgreichsten Wallets konzentrieren sich meist nur auf maximal drei Marktkategorien, oft sogar nur auf eine oder zwei. Manche Wale wetten nur auf Krypto-bezogene Ereignisse; andere nur auf Wettermärkte; wieder andere fast ausschließlich auf Fragen wie „Wird Bitcoin bis Freitag einen bestimmten Kurs erreichen?“.
Zu viel Streuung führt meist zu schlechterer Trefferquote. Hochfokussierte Trader sind in der Regel erfolgreicher und nachhaltiger.
Das stimmt nur in wenigen Fällen. Zum Beispiel bei Märkten mit 15-Minuten-Abrechnung, wo schnelle Reaktionen gefragt sind. Doch die meisten Top-Trader bauen ihre Positionen über Tage oder Wochen auf. Sie konkurrieren nicht durch Speed, sondern durch Geduld. Wenn der Preis stark abweicht, warten sie ab, bis er sich wieder normalisiert – auch wenn das Wochen dauert. Die mathematische Erwartung bleibt dabei für sie positiv.
Das ist der deutlichste und stabilste Gewinnindikator. In den gefilterten 8.400 Wallets ist dieses Verhalten fast immer der erste Hinweis auf langfristigen Erfolg.
Wenn ein Vertrag durch Marktstimmung auf 88 % „Ja“ getrieben wird, verkaufen Top-Wallets oft; bei 12 % kaufen sie schrittweise. Es geht nicht um blinden Gegentrend, sondern um Übertreibungen. Dieses Phänomen ist bekannt seit den 1940er Jahren bei Pferderennen und Wetten, und tritt in fast allen Märkten auf, in denen Menschen wetten. Menschen überschätzen Ergebnisse, die fast sicher erscheinen, und unterschätzen seltene Ereignisse.
Statistiken zeigen, dass die Top 50 Wallets im Durchschnitt bei Eintrittspreisen um 6 % bis 11 % vom Markt-Konsens abweichen. Sie warten geduldig, bis die Quoten für sie günstig sind, anstatt bei 50/50 zu wetten. Diese Strategie mag langweilig erscheinen, ist aber langfristig sehr profitabel.
Vergleicht man die Positionsgrößen der Top-200-Wallets mit ihrer Einschätzung des „Vorteils“, zeigt sich eine klare Korrelation. Sie passen ihre Einsatzgröße an die eigene Einschätzung an: Bei großem Vorteil setzen sie mehr, bei geringem weniger, bei keinem Vorteil gar nicht.
Ob sie das tatsächlich bewusst nach dem Kelly-Kriterium machen oder nur durch Erfahrung gelernt haben, ist unklar. Mathematisch entspricht ihr Verhalten aber diesem Prinzip.
Das Kelly-Formel lautet:
f* = (p × b − q) / b
wobei:
p = eigene Einschätzung der Ereigniswahrscheinlichkeit
q = 1 − p
b = Quotientenverhältnis (potenzieller Gewinn / Risiko)
Beispiel: Bei einer 60 %-Wahrscheinlichkeit und einem Marktpreis von 0,45 US-Dollar ergibt sich ein B-Quotient von ca. 1,22, und die optimale Einsatzquote nach Kelly wäre ca. 27 %. In der Praxis setzen erfolgreiche Trader meist nur etwa 7 %, also ein Viertel des Kelly-Werts, um Risiko zu kontrollieren.
Bei den besten Chancen erhöhen sie den Einsatz auf 12–15 %, bei mittlerem Vertrauen nur 2–5 %, und bei keinem Vorteil verzichten sie ganz. Verlieren Wallets dagegen oft durch Über- oder Unterinvestition, z. B. durch 80 %-Einsätze oder zu viele kleine Trades, die nur Gebühren kosten, ohne echten Vorteil.
Wenn man die 112.000 Wallets nach Marktkategorien sortiert, zeigt sich:
Je mehr Kategorien, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Verlusts. Hochspezialisierte Trader profitieren, weil sie tiefes Wissen in einem Bereich haben, z. B.:
Diese Trader sind keine Genies, sondern haben eine Nische gefunden, in der sie besser sind als der Durchschnitt, und nutzen diese konsequent.
Viele Nutzer handeln nur auf die endgültige Ereigniswette, kaufen bei 0,40 US-Dollar und verkaufen bei 0,65 US-Dollar, ohne sich um das tatsächliche Ergebnis zu kümmern. Sie nutzen kurzfristige Preisdifferenzen, um Gewinne zu realisieren.
Top-Wallets halten ihre Positionen meist nur 18–72 Stunden, während weniger erfolgreiche Wallets oft bis zum Ende durchhalten, manchmal Wochen oder Monate. Das bedeutet nicht, dass Langzeit-Holdings falsch sind, aber die meisten Top-Trader sind aktiv und flexibel.
Man denkt, die schärfsten Trader reagieren sofort auf Breaking News. Doch die Daten zeigen: Top-Wallets warten oft, bis die Marktstimmung sich beruhigt hat, und handeln erst danach. Sie profitieren von Marktbewegungen, die vor der eigentlichen Nachricht entstehen, oder wenn die Überreaktion vorbei ist.
Der beste Zeitpunkt ist meist vor oder nach der Nachricht, nicht während der Hype-Phase.
Wähle eine Nische (Krypto, Politik, Wetter, Sport etc.) und beschäftige dich mindestens drei Monate ausschließlich damit. Vermeide Ablenkung durch kurzfristige Trends.
Vor jedem Trade notiere dir die eigene Einschätzung, Marktpreis, Vorteil, Einsatzgröße. Nach 50 Trades solltest du deine Trefferquote und Einschätzungsgenauigkeit überprüfen, um Bias zu erkennen.
Berechne die Kelly-Quote, teile sie durch 4, und setze nur diesen Bruchteil ein. Das kontrolliert das Risiko.
Wenn der Vorteil unter 8–10 % liegt, verzichte. Geduld ist wichtiger als Quantität. Die besten Trader machen nur 2–3 Trades pro Woche pro Kategorie.
Führe ein Trading-Tagebuch, analysiere Fehler und Erfolge. Kontinuierliches Lernen ist der Schlüssel zum Erfolg.