Paradigm sammelt 1,2 Milliarden US-Dollar für neuen Fonds ein: Warum die Schnittstelle von KI und Krypto zum nächsten Schauplatz wird

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Aktualisiert: 10.07.2026 10:38
  1. Juli 2026 – Paradigm, eine der weltweit führenden Krypto-Risikokapitalgesellschaften, hat den Abschluss seines vierten Fonds bekannt gegeben und dabei 1,2 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Dies ist keineswegs eine routinemäßige Fondsschließung. In der Mitteilung bezeichnete Paradigm-Managing Partner Alana Palmedo den Fonds als „1,2 Milliarden US-Dollar, um in steile Indexkurven zu investieren". Präziser gesagt handelt es sich um eine öffentliche Erklärung eines strategischen Wandels. Paradigm, 2018 mit einem krypto-nativen Ansatz gegründet und bislang über 5,2 Milliarden US-Dollar eingesammelt, erweitert offiziell seinen Investitionsfokus von Blockchain auf Künstliche Intelligenz, Robotik, autonome Hardware und Deep Tech.

Innerhalb der Krypto-Branche reicht die Diskussion, die diese Nachricht ausgelöst hat, weit über das Thema „ein weiteres Unternehmen erweitert seinen Investitionshorizont" hinaus. Sie berührt eine tiefere Frage: Wenn einer der einflussreichsten Krypto-VCs beginnt, Kapital außerhalb des Krypto-Sektors zu allokieren, verändert sich dann die strukturelle Logik der Branche grundlegend?

Wo ordnet sich der 1,2-Milliarden-Dollar-Fonds in die Fundraising-Historie von Paradigm ein?

Der vierte Fonds von Paradigm ist nicht der größte in der Geschichte des Unternehmens. 2021 sammelte Paradigm einen reinen Krypto-Fonds mit 2,5 Milliarden US-Dollar ein und stellte damit einen Rekord für den damals größten VC-Fonds im Kryptosektor auf. 2024 folgte ein Early-Stage-Blockchain-Fonds mit 850 Millionen US-Dollar. Der aktuelle Fonds mit 1,2 Milliarden US-Dollar ist somit weniger als halb so groß wie der Höchststand von 2021 und bleibt auch hinter dem zuvor kommunizierten Ziel von 1,5 Milliarden US-Dollar zurück.

Doch die Veränderung der Fondshöhe ist ebenso bemerkenswert wie die Verschiebung der Investitionsrichtung. Der Fonds von 2,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 konzentrierte sich ausschließlich auf Krypto. Auch der 850-Millionen-US-Dollar-Fonds von 2024 war krypto-spezifisch. Im Gegensatz dazu erweitert der 1,2-Milliarden-Fonds von 2026, obwohl kleiner, seinen Investitionsradius auf KI, Robotik, Raumfahrt, Energie und Deep Tech. Das gesamte verwaltete Vermögen von Paradigm beläuft sich nun auf rund 11,9 Milliarden US-Dollar.

„Weniger Geld, mehr Themen" – diese sechs Worte bringen das Kernmerkmal des jüngsten Fundraisings von Paradigm auf den Punkt. Ein Top-Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen von über 10 Milliarden US-Dollar entscheidet sich, mit weniger Kapital ein breiteres Technologiespektrum abzudecken. Dies ist an sich bereits ein stilles Urteil über das Wachstumspotenzial des Kryptosektors.

Warum blicken Krypto-VCs über den Krypto-Sektor hinaus?

Paradigms Kurswechsel ist kein Einzelfall. Im Mai 2026 schloss Haun Ventures einen Fonds über 1 Milliarde US-Dollar ab und investierte damit erstmals auch in KI. Im Juni 2026 sammelte Framework Ventures 400 Millionen US-Dollar für seinen vierten Fonds ein, der auf Krypto, KI, Robotik und Energie abzielt. Drei große Krypto-VCs haben innerhalb von zwei Monaten ihr Mandat ausgeweitet – das ist mehr als nur eine individuelle Entscheidung.

Ein Blick auf das große Ganze liefert Erklärungen. Laut Crunchbase erreichte das weltweite Venture-Funding im ersten Halbjahr 2026 510 Milliarden US-Dollar und übertraf damit bereits das Gesamtvolumen von 440 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Krypto zog davon jedoch nur etwa 10,8 Milliarden US-Dollar an – weniger als 2,5 % des Gesamtvolumens. Gleichzeitig entfielen allein auf die KI-Giganten OpenAI und Anthropic über 40 % aller Startup-Finanzierungen im ersten Halbjahr.

Diese Divergenz der Kapitalströme spiegelt einen Wandel der Technologiezyklen wider. Während die KI-Finanzierung explodiert und die Investitionen in Krypto zurückgehen, können selbst die loyalsten krypto-nativen Kapitalgeber diese Signale nicht ignorieren. Paradigm-Mitgründer Matt Huang erklärte 2023, das Engagement des Unternehmens für Krypto sei „so hoch wie nie zuvor", räumte aber gleichzeitig ein, dass der Fortschritt bei KI „zu spannend ist, um ihn zu ignorieren", und prognostizierte eine „signifikante Überschneidung" beider Technologien. Diese Prognose wird nun mit dem neuen Fonds Realität.

Worin investiert Paradigms neuer Fonds?

Paradigm hat in seiner Ankündigung konkrete Investitionsfälle offengelegt, darunter sowohl fortgeführte Engagements im Krypto-Bereich als auch völlig neue Ansätze außerhalb der Blockchain.

Im Krypto-Sektor unterstützt Paradigm weiterhin die dezentrale Derivatebörse Hyperliquid, die Prognosemarkt-Plattform Kalshi sowie Tempo – ein Stablecoin- und Proxy-freundliches Blockchain-Projekt, das gemeinsam mit Stripe gegründet wurde. Im Juni 2026 führte Paradigm gemeinsam eine Finanzierungsrunde über 175 Millionen US-Dollar für das dezentrale Kreditprotokoll Morpho an. Zudem betonte das Unternehmen, dass die intern entwickelten Ethereum-Entwicklungstools Foundry und Reth weiterhin zentrale Bestandteile der Open-Source-Aktivitäten sind.

Das eigentliche Brancheninteresse wecken jedoch die Investitionen außerhalb des Krypto-Sektors. Paradigm hat Kapital aus dem neuen Fonds in das Drohnen-Lieferunternehmen Zipline investiert, das im Januar 2026 mit 7,6 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Der Fonds beteiligte sich außerdem an der Series-D-Runde des Raumfahrt-Defense-Startups True Anomaly (Bewertung: 2,2 Milliarden US-Dollar im April 2026), investierte in Nous Research – Entwickler des Open-Source-KI-Modells Hermes Agent – und unterstützte SendCutSend, eine Plattform für robotergestützte Metallbearbeitung.

Allen diesen Investments ist eines gemeinsam: Es handelt sich nicht um „branchenfremde Wetten" ohne Bezug zu Krypto. Das autonome Liefersystem von Zipline benötigt Zahlungs- und Abwicklungsinfrastruktur; das Asset-Tracking von True Anomaly im All basiert auf effizienten Datenmärkten; und die Entwicklung von KI-Agenten erfordert dezentrale Identitäts- und Transaktionssysteme. Paradigms Logik scheint zu sein: Anstatt darauf zu warten, dass diese Technologien organisch mit Krypto verschmelzen, investiert man lieber proaktiv, bevor diese Schnittstellen entstehen.

Was bedeutet es, wenn Krypto vom „einzigen Thema" zu „einer von mehreren Fronten" wird?

Paradigm betonte in seiner Ankündigung mehrfach, dass der neue Fonds „vorwiegend in Krypto investiert", aber auch auf KI, Robotik und andere Zukunftssektoren ausgeweitet wird. Das Unternehmen stellt klar: Es handelt sich um eine „breitere Mission, keinen Rückzug aus digitalen Assets".

Doch die Struktur der Kapitalallokation offenbart eine subtile, aber unumkehrbare Verschiebung in der Positionierung von Krypto. In Paradigms Investment-Narrativ ist Krypto vom „einzigen Thema" zu „einer der Fronten" geworden. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für die Branche: Wenn der repräsentativste VC Krypto nur noch als Teil eines größeren Technologie-Ökosystems betrachtet, verändern sich Kapitalattraktivität, Talentströme und Bewertungslogik grundlegend.

Daten untermauern diesen Trend. Laut Galaxy Research schlossen Krypto-VCs im ersten Quartal 2026 nur etwa 4 Milliarden US-Dollar an Investitionen in 355 Deals ab – ein Rückgang von rund 50 % im Quartalsvergleich. Im selben Zeitraum wurden nur acht neue Krypto-Fonds aufgelegt, der niedrigste Wert seit dem dritten Quartal 2020. Die Kapitaldichte im Krypto-Sektor sinkt, während sie in KI und verwandten Feldern stark ansteigt. Paradigms Kurswechsel spiegelt diesen Trend wider und verstärkt ihn zugleich.

Was sagen die Zahlen zur KI-Krypto-Schnittstelle?

Die Integration von KI und Krypto ist längst mehr als ein Konzept. Branchendaten zeigen: Die Marktkapitalisierung des KI-Krypto-Sektors stieg von rund 9 Milliarden US-Dollar Anfang 2025 auf 22 bis 27 Milliarden US-Dollar im Mai 2026. Trotz Marktkorrekturen hat sich der Sektor damit verdreifacht. Anfang Juli 2026 liegt die gesamte Marktkapitalisierung von KI-Krypto zwischen 18 und 28 Milliarden US-Dollar.

Noch bemerkenswerter sind die strukturellen Veränderungen: Im ersten Quartal 2026 erreichte die Zahl der täglich aktiven On-Chain-KI-Agenten 250.000 – ein Anstieg von über 400 % gegenüber 2025. Im selben Zeitraum machten KI-generierte Handelsaktivitäten über 15 % des dezentralen Börsenvolumens aus, verglichen mit nur 3 % im Vorjahr. Automatisierte Handelsbots verantworten mittlerweile angeblich 65 % des weltweiten Krypto-Handelsvolumens.

Diese Zahlen zeichnen eine klare Wachstumskurve: KI entwickelt sich vom Randthema in Krypto zur Kerninfrastruktur. Da KI zunehmend Transaktionsabwicklung, Liquiditätsbereitstellung und Risikomanagement übernimmt, ist die Verschmelzung von KI und Krypto nicht länger nur eine Vision – sie ist operative Realität.

Warum gelten KI-Agenten als nächster Schlüssel-Einstiegspunkt für Web3?

Im Investment-Thesenpapier von Paradigm nehmen KI-Agenten eine besondere Stellung ein. Das Unternehmen hebt die gemeinsam mit OpenAI entwickelte Blockchain-Sicherheits-Benchmarking-Plattform EVMbench sowie das intern entstandene KI-Agenten-Projekt Centaur hervor. Beide verfolgen ein gemeinsames Ziel: KI-Agenten als „wirtschaftliche Akteure" im Web3-Ökosystem zu etablieren – fähig, autonom zu handeln, Vermögenswerte zu verwalten und Identitäten zu verifizieren.

Die technische Basis für diese Entwicklung reift rasant. Wallet-Standards wie EIP-7702 und Base’s AgentKit ermöglichen es KI-Agenten inzwischen, Transaktionsrechte auf Sitzungsebene zu erhalten – sie können also Assets signieren und halten, ohne private Schlüssel offenzulegen. Damit werden aus „Chatbots" echte „Ausführende". Wenn KI-Agenten künftig den gesamten Ablauf – von der Informationsanalyse über die Asset-Allokation bis zur Handelsausführung – autonom übernehmen, sind nicht mehr nur die Wallets und Browser menschlicher Nutzer das Eintrittstor zu Web3, sondern Millionen automatisierter Agenten.

Branchenprognosen gehen davon aus, dass der Markt für die KI-Agenten-Ökonomie bis 2030 ein Volumen von 30 Billionen US-Dollar erreichen könnte. Ob diese Zahl eintrifft, bleibt abzuwarten, aber die Richtung ist klar: KI-Agenten entwickeln sich von Hilfswerkzeugen zu eigenständigen Teilnehmern im Web3-Ökosystem. Der 1,2-Milliarden-Dollar-Fonds von Paradigm ist im Kern eine frühe Wette auf diese Transformation.

Welche Branchentrends lassen sich aus Paradigms Kurswechsel ablesen?

Die Signale aus Paradigms jüngster Fundraising-Runde gehen über eine einzelne strategische Anpassung hinaus. Sie offenbaren drei Ebenen von Branchentrends.

Erstens findet eine Umstrukturierung der Kapitalströme statt. Die 510 Milliarden US-Dollar an globalem Venture Funding im ersten Halbjahr 2026 markieren einen Rekord, doch Krypto erhält davon nur einen Bruchteil. Kapital verlässt den Krypto-Sektor und fließt in großem Stil in KI und verwandte Felder. Paradigms Richtungswechsel ist ein konkreter Ausdruck dieses Makrotrends auf institutioneller Ebene.

Zweitens verschwimmen die technologischen Grenzen. Wie Managing Partner Alana Palmedo es ausdrückt: „Krypto war unsere erste Front, und es ist immer noch ein sehr spannendes Feld, aber jetzt passiert so viel anderes, dass man es kaum ignorieren kann." Wenn Innovationen in KI, Robotik und Raumfahrttechnik das Tempo im Krypto-Sektor überholen, weiten führende Investoren zwangsläufig ihren Horizont aus.

Drittens entsteht eine Fusionsökonomie. Paradigm hat Krypto nicht aufgegeben – das Unternehmen investiert weiterhin in Hyperliquid, Morpho und Kalshi. Doch die Investmentlogik hat sich verschoben: weg vom „Investieren in Krypto-Unternehmen" hin zum „Investieren in Unternehmen, die Infrastruktur an der Schnittstelle von Krypto, KI und Robotik bauen". Diese Verschiebung könnte für die Branche noch bedeutsamer sein als das Volumen des 1,2-Milliarden-Dollar-Fonds selbst.

Fazit

Mit dem Abschluss seines vierten Fonds über 1,2 Milliarden US-Dollar und der Erweiterung des Investitionsfokus von Krypto auf KI, Robotik und Zukunftstechnologien vollzieht Paradigm einen strukturellen Wandel in der strategischen Ausrichtung dieses führenden Krypto-VCs. Vor dem Hintergrund sinkender Kapitaldichte im Krypto-Sektor und explosionsartiger Fundraising-Aktivität im KI-Bereich ist Paradigms Pivot sowohl proaktive Entscheidung als auch reaktive Anpassung. Das Unternehmen betont weiterhin Krypto als Kernelement seines Portfolios, doch Krypto ist vom „einzigen Thema" zu „einer von mehreren Fronten" geworden. Von Zipline bis True Anomaly, von Nous Research bis EVMbench – Paradigms neuer Fonds baut eine innovative Investmentlandschaft an der Schnittstelle von KI und Krypto auf, die Software und Hardware, digitale und physische Welt verbindet. Für Investoren, die die Entwicklung des Krypto-Sektors verfolgen, könnte das Verständnis der Logik hinter diesem Wandel langfristig wertvoller sein als das Beobachten von Preisschwankungen einzelner Assets.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Ist der 1,2-Milliarden-Dollar-Fonds von Paradigm der größte in der Firmengeschichte?

Nein. 2021 sammelte Paradigm einen krypto-fokussierten Fonds über 2,5 Milliarden US-Dollar ein, einen der damals größten VC-Fonds im Kryptosektor. Der vierte Fonds ist mit 1,2 Milliarden US-Dollar kleiner als der Fonds von 2021, sein Investitionsfokus reicht jedoch über reine Krypto-Anlagen hinaus und umfasst nun auch KI, Robotik und andere Zukunftsfelder.

F: Hat Paradigm Krypto-Investments aufgegeben?

Nein. Paradigm hat in der Ankündigung ausdrücklich betont, dass der neue Fonds „vorwiegend in Krypto investiert" und weiterhin Projekte wie Hyperliquid, Kalshi, Tempo und Morpho unterstützt. Die Strategie des Unternehmens ist es, von Krypto auszugehen und in Schnittstellenbereiche wie KI und Robotik vorzudringen.

F: Wie groß ist der aktuelle Markt für KI-Krypto?

Branchendaten zeigen, dass die Marktkapitalisierung des KI-Krypto-Sektors von rund 9 Milliarden US-Dollar Anfang 2025 auf 22 bis 27 Milliarden US-Dollar im Mai 2026 gestiegen ist. Anfang Juli 2026 liegt die gesamte Marktkapitalisierung des Sektors zwischen 18 und 28 Milliarden US-Dollar.

F: In welche Nicht-Krypto-Projekte hat der neue Fonds von Paradigm investiert?

Offengelegte Nicht-Krypto-Investitionen umfassen: das Drohnen-Lieferunternehmen Zipline (Bewertung: 7,6 Milliarden US-Dollar), das Raumfahrt-Defense-Startup True Anomaly (Bewertung: 2,2 Milliarden US-Dollar), den Open-Source-KI-Modellentwickler Nous Research und die robotergestützte Metallbearbeitungsplattform SendCutSend.

F: Weiten auch andere Krypto-VCs ihre Aktivitäten auf KI aus?

Ja. Haun Ventures schloss im Mai 2026 einen Fonds über 1 Milliarde US-Dollar ab und investierte damit erstmals in KI. Framework Ventures schloss im Juni 2026 einen Fonds über 400 Millionen US-Dollar, der auf Krypto, KI, Robotik und Energie abzielt. Dies zeigt einen systemischen Trend in der Krypto-VC-Branche.

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