Am 22. Juli 2026 hat Pi Network offiziell das Protokoll v25 aktiviert. Dies stellt das bislang größte Protokoll-Upgrade des Projekts im laufenden Jahr dar. Zu den zentralen Neuerungen zählen die Einführung des BN254-Algorithmus für elliptische Kurven-Kryptografie, die Unterstützung der Poseidon-Hashfunktion sowie Verbesserungen an der Benutzeroberfläche der Mining-App.
Trotzdem hat dieses technische Upgrade bislang keinen nachhaltigen positiven Impuls am Markt ausgelöst.
Im Vorfeld des Upgrades erholte sich PI ausgehend von seinem Allzeittief von 0,0705 $ am 14. Juli und erreichte am 19. Juli ein Hoch von 0,103 $. Nach dem Livegang des Upgrades setzte jedoch eine schrittweise Korrektur ein. Am 23. Juli (UTC+8) notierte PI bei etwa 0,09082 $, was einem Rückgang von 0,58 % innerhalb von 24 Stunden entspricht. Die Marktkapitalisierung lag bei rund 994 Millionen US-Dollar, das 24-Stunden-Handelsvolumen bei etwa 1,1746 Millionen US-Dollar.
Der Fokus des Marktes verschiebt sich nun von der Frage „War das Upgrade erfolgreich?" hin zu einer grundlegenderen Überlegung: Können verbesserte technische Fähigkeiten tatsächlich zu realer Nutzernachfrage und einer Preisstützung führen?
Was genau wurde mit Protokoll v25 aufgerüstet?
Laut offizieller Ankündigung von Pi Network ist Protokoll v25 als Upgrade konzipiert, das die Stabilität und Zuverlässigkeit des Netzwerks in den Mittelpunkt stellt und zugleich effizientere sowie datenschutzfreundlichere Smart-Contract-Funktionen einführt. Im Zentrum stehen zwei kryptografische Kernänderungen.
BN254-Kryptografie-Algorithmus
BN254 (auch bekannt als Alt-BN128) ist ein Pairing-Schema für elliptische Kurven, das speziell für die Erzeugung und Verifizierung von Zero-Knowledge-Proofs optimiert wurde. Es verwendet die gleichen kryptografischen Grundbausteine wie die ZK-Infrastruktur von Ethereum. Mit der Wahl von BN254 orientiert sich Pi Network an den Standards des Zero-Knowledge-(ZK)-Ökosystems und setzt nicht auf eine proprietäre Insellösung.
Der Wert von BN254 liegt darin, Entwickler:innen grundlegende Werkzeuge für den Aufbau von zk-SNARKs und zk-Rollup-Anwendungen bereitzustellen. Da Layer-2-Skalierung und Privacy-Computing branchenweit an Bedeutung gewinnen, schafft diese technische Basis die Voraussetzungen für fortschrittlichere Web3-Anwendungsfälle auf Pi Network.
Poseidon-Hashfunktion
Poseidon ist eine Hashfunktion, die speziell für den effizienten Einsatz in ZK-Schaltkreisen entwickelt wurde. Im Vergleich zu klassischen Algorithmen wie SHA-256 reduziert Poseidon den Rechenaufwand in Zero-Knowledge-Proof-Schaltkreisen erheblich und ist daher die bevorzugte Hashfunktion für die Entwicklung von ZK-Anwendungen im Blockchain-Ökosystem.
Beide Technologien sind in der Branche etabliert: BN254 gilt als De-facto-Standard im ZK-Ökosystem von Ethereum, und Poseidon wird von mehreren führenden Layer-2-Projekten genutzt. Für Pi Network löst dieses Upgrade ein „Kompatibilitätsproblem" in der Entwickler-Toolchain: Externe Entwickler:innen können bestehende ZK-Entwicklungstools und Proof-Bibliotheken auf Pi Network migrieren, ohne sie komplett neu aufbauen zu müssen.
Wichtig ist jedoch die Klarstellung: Protokoll v25 liefert die „Bausteine", nicht die „Gebäude". BN254 und Poseidon sind kryptografische Grundelemente zum Aufbau von Datenschutz-Anwendungen – sie bieten nicht automatisch End-to-End-Privacy-Payments oder fertige dApps. Entwickler:innen müssen weiterhin Schaltkreise entwerfen, Beweise generieren, Verifikationsverträge bereitstellen und konkrete Datenschutzregeln implementieren.
Warum ist der PI-Kurs nach dem Upgrade nicht weiter gestiegen?
Grund 1: Das Upgrade war bereits im Kurs eingepreist
Die Kursentwicklung von PI folgte dem klassischen Muster „Buy the rumor, sell the news".
Am 14. Juli erreichte PI sein Allzeittief bei 0,0705 $. Mit der Verbreitung der Nachricht zum Protokoll-Upgrade v25 erholte sich der Kurs bis zum 19. Juli auf ein Tageshoch von 0,103 $. Nach dem offiziellen Start des Upgrades am 22. Juli setzte jedoch eine Abwärtsbewegung ein, und die Marke von 0,10 $ konnte nicht gehalten werden.
Auch die Handelsvolumina bestätigen dieses Bild: Am 20. Juli stieg das tägliche Handelsvolumen von PI auf 33,7 Millionen US-Dollar. Am Tag des Upgrades sank es auf etwa 18,5 Millionen US-Dollar und ging danach weiter zurück. Dies deutet darauf hin, dass das Kapital, das die vorherige Rallye angetrieben hatte, rund um das Event Gewinne realisierte, statt auf längerfristige Kursgewinne zu setzen.
Dieses Muster ist nicht einzigartig für Pi Network. Bereits beim Start von Protokoll v24 im Juni 2026 zeigte sich ein ähnlicher Trend: Moderate Kursgewinne vor dem Upgrade, anschließend eine Rückkehr in den Abwärtstrend. Wenn der Markt technische Upgrades eher als „Events" denn als „Wendepunkte" betrachtet, ist eine natürliche Kurskorrektur die logische Folge.
Grund 2: Laufende Token-Freischaltungen belasten den Kurs
Technische Upgrades verbessern die Angebotsseite, doch das größte Marktproblem von PI ist derzeit das hohe Volumen an neu in Umlauf kommenden Token.
Laut dem On-Chain-Datenanbieter PiScan sollen im Jahr 2026 rund 1,21 Milliarden PI in Umlauf gebracht werden, was durchschnittlich etwa 6,5 Millionen Token pro Tag entspricht. Allein von Juli bis Dezember 2026 sind Freischaltungen von über 775,8 Millionen PI geplant.
Am 23. Juli lag das gesamte Angebot von PI bei 16,833 Milliarden, die Marktkapitalisierung bei etwa 994 Millionen US-Dollar. Bei aktuellen Kursen entsprechen die geplanten Freischaltungen für das zweite Halbjahr 2026 einem Gegenwert von rund 70 Millionen US-Dollar. Damit neues Angebot absorbiert werden kann, wäre eine deutlich stärkere Nachfrage erforderlich.
Zu beachten ist, dass nicht alle freigeschalteten Token sofort an Börsen gehandelt werden. Manche Inhaber:innen halten ihre Token weiterhin, doch selbst wenn nur ein Teil verkauft wird, ist der Einfluss auf den Kurs angesichts des derzeitigen durchschnittlichen Tagesvolumens von lediglich 1,17 Millionen US-Dollar erheblich.
Grund 3: Reale Ökosystem-Nachfrage bleibt bislang aus
Protokoll v25 verbessert die „technischen Fähigkeiten" von Pi Network, doch die Bewertung am Markt hängt letztlich von der „realen Nutzung" ab.
Aktuell ist die wirtschaftliche Aktivität auf der Pi-Blockchain noch begrenzt. Zwar spricht das Projekt von über 60 Millionen aktiven Nutzer:innen, doch zwischen Nutzerbasis und On-Chain-Nachfrage klafft eine deutliche Lücke. Zentrale Indikatoren wie die Anzahl verifizierter dApps, das Transaktionsvolumen auf der Blockchain und die Entwicklerbeteiligung zeigen bislang kein Wachstum, das den technischen Fortschritten entspricht.
Im Rahmen von Pi2Day 2026 hat Pi Network drei Produkte vorgestellt: SoloHost, Pi Sign-in und PiVerify. Ziel ist es, die Ausrichtung von Mining-Anwendungen auf Identitätsprüfung, verteiltes Computing und externe Entwicklerdienste zu erweitern. Diese Produktlinien passen zur ZK-Ausrichtung von Protokoll v25 – insbesondere PiVerifys Identitätsprüfungsdienst, der Zero-Knowledge-Proofs für datenschutzfreundliche KYC-Prozesse nutzen kann. Allerdings befinden sich diese Produkte noch in der Anfangsphase, und ihr tatsächlicher Einfluss auf die On-Chain-Aktivität und die PI-Nachfrage lässt sich noch nicht quantifizieren.
Kann Pi Network durch Ökosystem-Wachstum seine Bewertungshürde überwinden?
Positive Faktoren
Das herausragende Asset von Pi Network ist die angebliche Nutzerbasis von über 60 Millionen. Sollte es gelingen, diese Nutzer:innen schrittweise in On-Chain-Aktivität zu überführen – sei es durch dApp-Nutzung, Zahlungen oder Entwicklerengagement –, könnten sich relevante Netzwerkeffekte einstellen.
Technologisch betrachtet gewinnen Zero-Knowledge-Proofs im Blockchain-Bereich zunehmend an Bedeutung. Ethereum-Layer-2-Lösungen, zkRollups und Privacy-Computing treiben die ZK-Technologie voran. Mit der Ausrichtung an Branchenstandards im Protokoll v25 bleibt Pi Network zumindest auf Augenhöhe mit den technischen Mainstream-Trends.
Darüber hinaus fördert Pi Network weiterhin die Migration zum Mainnet. Bis Januar 2026 hatten etwa 16 Millionen Nutzer:innen die Migration abgeschlossen. Um die Vitalität des Ökosystems zu sichern, ist es entscheidend, weitere Nutzer:innen vom Testnet ins Mainnet zu überführen.
Risikofaktoren
Die laufenden Token-Freischaltungen stellen den größten Gegenwind dar. In den kommenden 12 Monaten werden voraussichtlich mehr als 1,71 Milliarden PI freigeschaltet. Ohne ein deutliches Nachfragewachstum wird dieses stetig steigende Angebot strukturellen Druck auf den Kurs ausüben.
Ein weiteres Kernproblem ist das Fehlen von Ökosystem-Anwendungen. Eine große Nutzerbasis führt nicht automatisch zu hoher On-Chain-Nachfrage – echte Nachfrage nach PI entsteht erst, wenn Nutzer:innen tatsächlich Transaktionen durchführen, dApps nutzen, an DeFi teilnehmen oder PI als Zahlungsmittel verwenden. Diese Anwendungsfälle stehen noch am Anfang.
Auch der Wettbewerb am Markt ist ein wichtiger Faktor. Pi Network konkurriert mit Plattformen wie Ethereum L2, Solana, TON, Sui und Aptos – allesamt Blockchains mit ausgereiften Entwicklerökosystemen und hoher On-Chain-Aktivität. Um Entwickler:innen und Anwendungen zu gewinnen, muss Pi Network belegen, dass die Nutzerbasis von 60 Millionen einen echten Distributionsvorteil gegenüber anderen Blockchains bietet.
Welche Schlüsseldaten sollten Sie künftig beobachten?
Kurzfristige Indikatoren (nächste Wochen bis Monate)
- 0,10-$-Widerstand: Dies ist die aktuell wichtigste technische Hürde. Nachdem der Kurs am 19. Juli kurzzeitig darüber lag, fiel er rasch zurück. Ob PI diese Marke zurückerobern und halten kann, wird ein zentraler Stimmungsindikator sein.
- Veränderungen beim Handelsvolumen: Die Diskrepanz zwischen dem Tagesvolumen von 33,7 Millionen US-Dollar vor dem Upgrade und den rund 1,17 Millionen US-Dollar danach ist enorm. Ein Anstieg des Handelsvolumens würde auf frisches Kapital im Markt hindeuten.
- Fortschritt der Token-Freischaltungen: Das Tempo der Freischaltungen von über 775,8 Millionen PI zwischen Juli und Dezember wird das kurzfristige Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage direkt beeinflussen.
Mittel- bis langfristige Indikatoren (nächste Monate bis ein Jahr)
- Anzahl der dApps und On-Chain-Transaktionen: Diese Kennzahlen sind zentrale Maßstäbe für die Aktivität im Ökosystem. Sowohl die Zahl verifizierter dApps als auch das Transaktionsvolumen sind bislang noch gering.
- Entwicklerbeteiligung: Protokoll v25 senkt die Einstiegshürden für ZK-Anwendungsentwicklung, doch es bleibt abzuwarten, ob Entwickler:innen tatsächlich im Pi-Ökosystem aktiv werden.
- Produktakzeptanz: Ob Produkte wie PiVerify und SoloHost externe Unternehmen und Entwickler:innen anziehen können, wird darüber entscheiden, ob Pi Network sich von einer „Mining-Plattform" zu einer „Service-Plattform" entwickeln kann.
Fazit
Protokoll v25 ist ein bedeutendes Upgrade der technischen Infrastruktur von Pi Network. Die Integration von BN254 und der Poseidon-Hashfunktion bringt die Zero-Knowledge-Proof-Fähigkeiten auf Branchenstandard und ebnet den Weg für fortschrittlichere Web3-Anwendungen.
Doch technische Upgrades allein schaffen keine direkte Preisstützung.
Das aktuelle Preisdilemma von PI – 0,09082 $, rund 79,92 % unter Allzeithoch – resultiert aus einem Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage: Laufende Token-Freischaltungen erhöhen das Marktangebot, während die Ökosystem-Nachfrage zu schwach ist, um dieses zu absorbieren. Protokoll v25 beantwortet die Frage „Kann es umgesetzt werden?", aber der Markt wartet auf den Beweis: „Wird es tatsächlich genutzt?"
In den kommenden 6 bis 12 Monaten wird sich für Pi Network zeigen, ob es gelingt, die 60 Millionen Nutzer:innen in echte On-Chain-Aktivität zu überführen und damit ein Nachfragewachstum zu erzielen, das das Token-Angebot übersteigt. Bis dahin dürfte der Preiseffekt technischer Upgrades begrenzt und nur von kurzer Dauer sein.
FAQ
F1: Welchen direkten Einfluss hat das Protokoll-Upgrade v25 auf den PI-Kurs?
Rund um den Start von Protokoll v25 zeigte der PI-Kurs eine klassische „Buy the rumor, sell the news"-Bewegung. Der Kurs stieg vor dem Upgrade von 0,0705 $ auf 0,103 $ und fiel danach wieder auf etwa 0,09 $. Das Upgrade selbst schafft keine direkte Token-Nachfrage; kurzfristige Kurseffekte werden vor allem von Marktsentiment und Handelsverhalten bestimmt.
F2: Welche weiteren großen Upgrades sind für Pi Network geplant?
Das Kernteam von Pi Network hat bestätigt, dass Protokoll v26 bereits in Planung ist. Im Jahr 2026 wurden mehrere Protokoll-Upgrades von v19 bis v26 vorangetrieben, wobei jede Version auf der vorherigen aufbaut. Die genauen Zeitpläne werden über offizielle Ankündigungen kommuniziert.
F3: Wie stark wirkt sich der Freischaltungsdruck auf den PI-Token aus?
Im Jahr 2026 sollen rund 1,21 Milliarden PI in Umlauf kommen, durchschnittlich etwa 6,5 Millionen pro Tag. Allein von Juli bis Dezember sind über 775,8 Millionen PI zur Freischaltung vorgesehen. Dieser stetige Angebotszuwachs ist einer der Hauptfaktoren für den strukturellen Preisdruck auf PI.
F4: In welcher Entwicklungsphase befindet sich das Pi Network-Ökosystem derzeit?
Pi Network befindet sich im Übergang von einer „Mining-App" zu einer „Service-Plattform". Im Rahmen von Pi2Day 2026 wurden mit SoloHost, Pi Sign-in und PiVerify drei Produkte für externe Entwickler:innen und Unternehmen gestartet. Zentrale Ökosystem-Kennzahlen wie On-Chain-Transaktionsvolumen, dApp-Anzahl und Entwickleraktivität befinden sich jedoch noch im Anfangsstadium; eine großflächige On-Chain-Nachfrage ist bislang nicht erkennbar.
F5: Ist es möglich, dass der PI-Kurs künftig die Marke von 0,10 $ überschreitet?
Die 0,10-$-Marke ist eine wichtige psychologische und technische Widerstandslinie. Ein kurzfristiger Ausbruch erfordert ein Wiederanspringen des Handelsvolumens und neue Kaufimpulse; ein nachhaltiger Anstieg im mittleren bis langen Zeithorizont setzt voraus, dass die Nachfrage das Angebot aus den Freischaltungen übersteigt. Aktuell sind beide Voraussetzungen noch nicht erfüllt.




