- April 2026 markiert den offiziellen Start von Infinite Accounts durch Infinite, einen B2B-Anbieter von Stablecoin-Technologie. Dieser Unternehmenskonto-Service hebt sich dadurch hervor, dass Unternehmen Fiat-Einzahlungen, Auszahlungen, ACH-Überweisungen, nationale und internationale Überweisungen sowie Stablecoin-Minting, -Burning und On-Chain-Transfers – alles innerhalb eines einzigen Kontos über eine einmalige API-Integration – verwalten können. Die Fiat-Guthaben werden von der Erebor Bank, einem Mitglied der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), abgesichert.
Die Abwicklungsinfrastruktur, die dieses Produkt unterstützt, wird von der Erebor Bank bereitgestellt. Erebor ist keine gewöhnliche Bank – zu den Investoren zählen der Founders Fund von Peter Thiel, Haun Ventures, 8VC und Lux Capital. Die Gründer sind der Rüstungstechnologie-Unternehmer Palmer Luckey und Palantir-Mitgründer Joe Lonsdale. Diese Entwicklung signalisiert einen Wendepunkt im Stablecoin-Sektor: B2B-Stablecoin-Zahlungen bewegen sich von der „On-Chain-Experimentierphase" hin zu einer „bankfähigen Infrastruktur".
Eine Branche, die aus den Trümmern der Silicon Valley Bank entsteht
Um die Bedeutung der Partnerschaft zwischen Infinite und Erebor zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Ursprünge dieses Sektors.
März 2023: Die Lücke nach der Silicon Valley Bank
Als die Silicon Valley Bank infolge eines Bank-Runs zusammenbrach, verloren zahllose Tech-Start-ups und Kryptounternehmen über Nacht den Zugang zu zentralen Bankdienstleistungen. Besonders bemerkenswert: Der von Peter Thiel geführte Founders Fund riet seinen Portfoliounternehmen unmittelbar vor dem Zusammenbruch zur Abhebung von Geldern und transferierte auch eigene Mittel – ein Schritt, der weithin als beschleunigender Faktor der Panik betrachtet wurde. Die Lücke, die die Silicon Valley Bank – als Dienstleister für junge Tech-Unternehmen, Kryptofirmen und Venture-Capital-Gesellschaften – hinterließ, wurde von traditionellen Banken bis heute weitgehend nicht geschlossen.
Juli 2025: GENIUS Act verabschiedet
Am 18. Juli verabschiedeten die Vereinigten Staaten den „Guiding and Establishing National Innovation Stablecoin Act" (GENIUS Act), der einen bundesweiten Regulierungsrahmen für Zahlungs-Stablecoins schafft. Das Gesetz verlangt, dass „zugelassene Zahlungs-Stablecoin-Emittenten" als Finanzinstitute behandelt werden und den Vorgaben zur Geldwäscheprävention und Sanktionsüberwachung gemäß dem Bank Secrecy Act unterliegen. Damit wurde der Weg für Stablecoin-Unternehmen geebnet, in das Banklizenzsystem integriert zu werden.
Oktober 2025: Erebor erhält vorläufige OCC-Genehmigung
Am 15. Oktober erteilte das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) der Erebor Bank eine vorläufige bedingte Genehmigung. Erebor positionierte sich in seinem Lizenzantrag explizit als „das am stärksten regulierte Unternehmen, das Stablecoin-Transaktionen durchführt und ermöglicht", mit dem Ziel, digitale Vermögenswerte in die Bilanz aufzunehmen und Stablecoin-Geschäfte zum Kerngeschäft zu machen.
Februar 2026: Erebor nimmt offiziell den Betrieb auf
Die Erebor Bank wurde zum ersten Finanzinstitut, das während der zweiten Amtszeit der Trump-Regierung eine nationale Banklizenz erhielt – mit Fokus auf Künstliche Intelligenz, Rüstungstechnologie und digitale Vermögenswerte. Zielkunden sind innovative Unternehmen, die von traditionellen Banken oft nicht ausreichend bedient werden.
April 2026: Infinite Accounts starten und regulatorische Details werden finalisiert
Am 22. April startete Infinite die Infinite Accounts, gestützt auf die Bankeninfrastruktur von Erebor. Fast zeitgleich veröffentlichten das US-Finanzministerium (FinCEN und OFAC) am 8. April einen gemeinsamen Vorschlag zur Umsetzung des GENIUS Act und die FDIC am 7. April einen Regulierungsentwurf für Zahlungs-Stablecoin-Emittenten.
Diese zeitliche Überschneidung ist kein Zufall – sie offenbart eine klare Kausalität: Regulatorisches Angebot (GENIUS Act) → Lizenzerteilung (Erebor erhält OCC-Genehmigung) → Produkteinführung (Infinite Accounts gehen live) – jeder Schritt baut eng auf dem vorherigen auf.
Daten- und Strukturanalyse: Das Ausmaß von B2B-Stablecoin-Zahlungen
Makrodaten zeichnen das Bild eines rasant wachsenden Marktes mit bislang sehr geringer Durchdringung.
Marktvolumen
Laut einer gemeinsamen Studie von McKinsey und Artemis Analytics beträgt das tatsächliche Volumen von B2B-Stablecoin-Zahlungen im Jahr 2026 rund 226 Milliarden US-Dollar – das entspricht etwa 0,01 % des weltweiten B2B-Zahlungsvolumens (ca. 16 Billionen US-Dollar). Auch wenn der Anteil gering ist, stieg das Volumen der B2B-Stablecoin-Zahlungen im vergangenen Jahr um 733 %, was auf ein steiles Wachstum hindeutet.
Betrachtet man das jährliche Abwicklungsvolumen, so haben Stablecoin-Transaktionen (einschließlich Handelsaktivitäten) bereits 33 Billionen US-Dollar erreicht und damit die kombinierten 25,5 Billionen US-Dollar von Visa und Mastercard übertroffen. Allerdings weist die McKinsey-Studie darauf hin, dass nach Abzug von Handelsaktivitäten, internen Geldbewegungen und automatisierten Transaktionen die tatsächlichen Zahlungen im Jahr 2025 lediglich etwa 390 Milliarden US-Dollar betrugen – rund 1 % des gesamten Transaktionsvolumens.
Im April 2026 liegt die weltweite Marktkapitalisierung von Stablecoins bei etwa 302,93 Milliarden US-Dollar. USDT führt mit rund 186,9 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung, einem monatlichen Transfervolumen von über 10,22 Billionen US-Dollar und etwa 243,8 Millionen Haltern.
RWA-Asset-Volumen
Auch der Markt für die Tokenisierung realer Vermögenswerte (Real World Assets, RWA) steht kurz vor einem explosiven Wachstum. Am 24. April 2026 betrug die gesamte Marktkapitalisierung tokenisierter RWAs rund 29 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 238 % gegenüber dem Vorjahr. US-Staatsanleihen dominieren mit etwa 16 Milliarden US-Dollar an tokenisiertem Marktwert.
Strukturelle Merkmale
Aktuelle B2B-Stablecoin-Zahlungen weisen mehrere zentrale strukturelle Merkmale auf:
B2B-Zahlungen machen etwa 60 % der realen Stablecoin-Nutzung aus und sind damit die größte Anwendung in der Realwirtschaft. Die meisten Stablecoin-Aktivitäten stammen aus Asien mit rund 24,5 Milliarden US-Dollar. USDC wird wegen seines Compliance-Rahmens und der Transparenz von regulierten Unternehmen bevorzugt, während die Liquidität von USDT für eine breitere Nutzung in Schwellenländern sorgt.
Aus struktureller Sicht zielt die Partnerschaft Infinite + Erebor auf die „Infrastrukturebene" – die Abwicklungsschicht, die das Fiat-Bankensystem mit Stablecoin-Zahlungsnetzwerken verbindet. Der Wert dieser Pipeline liegt darin, dass Unternehmen nicht mehr separate Bankkonten und On-Chain-Wallets verwalten müssen; beides wird in einer einzigen API-Schnittstelle zusammengeführt.
Marktnarrative: Drei Blickwinkel auf die Branchendiskussion
Die Zusammenarbeit zwischen Erebor und Infinite hat in der Branche drei zentrale Interpretationsmuster ausgelöst.
Das „AWS-Moment" der Stablecoins
Einige Marktteilnehmer vergleichen dieses Modell mit der Ablösung traditioneller IT-Infrastruktur durch Cloud-Computing. So wie AWS es Unternehmen ermöglicht, flexible Rechenleistung ohne eigene Rechenzentren zu nutzen, erlaubt Infinite Unternehmen, vollwertige Bankkonten- und Stablecoin-Zahlungsfunktionen zu nutzen, ohne mehrere Finanzdienstleister integrieren zu müssen. Kapital aus dem Thiel-Umfeld hat mehrfach auf Stablecoin-Anwendungen gesetzt – etwa auf Ramps gebührenfreie USDT-zu-USD-Konvertierungen oder Citreas Kreditmärkte auf Bitcoin-Basis – und wird als systemische Wette darauf verstanden, dass Stablecoins das Rückgrat der globalen Zahlungsinfrastruktur werden.
Die Durchdringungsrate bleibt gering
Ein anderer Blickwinkel fokussiert auf das tatsächliche Marktvolumen. Trotz schnellen Wachstums machen B2B-Stablecoin-Zahlungen nur etwa 0,01 % des weltweiten B2B-Zahlungsvolumens aus; Stablecoin-Auslandsüberweisungen von rund 90 Milliarden US-Dollar entsprechen weniger als 1 % dieses Segments. McKinsey stellt fest, dass 47 % der Banken angeben, dass Kunden nach Krypto-Lösungen fragen, die tatsächliche Nutzung aber weit hinterherhinkt. Stablecoins bieten zwar klare Vorteile bei der Effizienz grenzüberschreitender Zahlungen, eine breite Nutzung für diesen Zweck steht jedoch noch aus.
Knappheit und Fragilität von Lizenzen
Die nationale Banklizenz der Erebor durch das OCC ist ein zentrales Wettbewerbsbollwerk – sie ermöglicht Erebor den bundesweiten Betrieb, ohne durch unterschiedliche Bundesstaatslizenzen eingeschränkt zu sein. Allerdings ist die Lizenz an strenge Kapitalanforderungen geknüpft: Erebor muss in den ersten drei Jahren eine Mindestkernkapitalquote (Tier 1 Leverage Ratio) von 12 % einhalten. Stablecoin-Guthaben sind nicht durch die FDIC versichert, und es besteht eine rechtlich klare Trennung zwischen Fiat- und Stablecoin-Guthaben. Die tiefere Umsetzung des GENIUS Act bedeutet, dass PPSI erstmals verpflichtet wird, Sanktions-Compliance-Prozesse einzurichten – ein neues Compliance-Niveau für die gesamte Stablecoin-Branche.
Branchenanalyse: Drei Ebenen der Integration von RWA und traditionellem Finanzwesen
Die Auswirkungen der Partnerschaft Infinite + Erebor auf die Branche lassen sich in drei Ebenen gliedern.
Ebene eins: Reduzierung operativer Reibungsverluste bei B2B-Stablecoin-Zahlungen
Traditionelle grenzüberschreitende B2B-Zahlungen erfordern meist zwei bis vier Korrespondenzbanken, Abwicklungszeiten von drei bis fünf Werktagen, Gebühren von 30 bis 75 US-Dollar pro Transaktion sowie 2 % bis 4 % Währungsumrechnungsaufschlag. Stablecoin-basierte B2B-Zahlungen können die Gebühren auf 0,5 bis 5 US-Dollar senken und die Abwicklungszeit auf Minuten reduzieren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Unternehmen nahtlos und kostengünstig zwischen Fiat und Stablecoins innerhalb desselben Kontos wechseln können. Das Produkt von Infinite schließt genau diese operative Lücke.
Ebene zwei: Schließung des Kreislaufs zwischen RWA-Assets und Zahlungen
Im Jahr 2026 vollzieht sich im Markt für tokenisierte RWAs ein Wandel von „DeFi-Yield" hin zu „institutionellen On-Chain-Yield-Tracks". Der eigentliche Wert tokenisierter Assets – ob Staatsanleihen, Private Credit oder Rohstoffe – hängt jedoch letztlich von der Zahlungsfähigkeit ab. Muss ein Nutzer, der einen tokenisierten Geldmarktfonds hält, diesen erst in Bankguthaben umwandeln und dann über eine Kryptobörse in Stablecoins tauschen, um Zahlungen zu leisten, wird die „Programmierung" von RWA-Assets faktisch ausgehebelt. Das Modell Infinite + Erebor bietet hier einen Lösungsansatz: RWA-Emittenten und Unternehmenskunden können Asset-Tokenisierung, Fiat-Konvertierung und Stablecoin-Zahlungen innerhalb derselben Bankeninfrastruktur abwickeln.
Ebene drei: Banklizenzen als zentrales Unterscheidungsmerkmal im Infrastrukturwettbewerb
Traditionelle Fintechs benötigen Bankpartner für die Zahlungsabwicklung – Krypto-native Unternehmen stehen vor derselben Herausforderung. Erebor nimmt eine Sonderstellung ein, da es von Anfang an für Stablecoin-Geschäfte lizenziert wurde und eine bundesweite Banklizenz erhalten hat. Sollten weitere Banken mit ähnlichem Modell Lizenzen erhalten, wird sich die Stablecoin-Zahlungsinfrastruktur von „einigen wenigen kryptoaffinen Banken als Gateways" zu „krypto-nativen Banken als Hubs" entwickeln. Steigen die Lizenzhürden weiter, wird Erebor seinen First-Mover-Vorteil ausbauen.
Fazit
Die Partnerschaft zwischen Infinite und Erebor ist mehr als nur eine Produktinnovation für den Stablecoin-Sektor. Sie markiert einen grundlegenden Wandel: Der Wettbewerb verlagert sich von der „Token-Emission" hin zur „Bankeninfrastruktur". Sobald national lizenzierte Banken beginnen, Fiat- und Stablecoin-Abwicklungskanäle in einheitliche Konten zu integrieren und sich B2B-Zahlungstechnologien sowie regulatorische Rahmenbedingungen angleichen, wird das Wettbewerbsumfeld der Branche neu definiert.
Die Daten mahnen jedoch zur Nüchternheit: 226 Milliarden US-Dollar an B2B-Stablecoin-Zahlungen sind ein Tropfen auf den heißen Stein gegenüber dem weltweiten B2B-Zahlungsmarkt von 16 Billionen US-Dollar. Die regulatorische Schlinge des GENIUS Act zieht sich zu, und die klare Abgrenzung der FDIC in puncto Einlagensicherung signalisiert dem Markt: Stablecoins sind keine Bankeinlagen; sie unterscheiden sich grundlegend in rechtlicher und risikotechnischer Hinsicht.
Das Thiel-nahe Kapital setzt nicht auf die Marktanteile von heute, sondern auf die Gestaltung der globalen B2B-Zahlungsinfrastruktur in fünf Jahren. Wie weit dieser Weg führt, hängt von drei Faktoren ab: Ob B2B-Stablecoin-Zahlungen von 0,01 % Marktdurchdringung auf relevante Marktanteile wachsen, ob regulatorische Rahmenbedingungen Sicherheit und Effizienz in Einklang bringen können und wie schnell traditionelle Banken wettbewerbsfähig reagieren. Der Verlauf dieser drei Variablen wird sich in den kommenden 18 Monaten deutlicher abzeichnen.




