Die strengen Zolltarifmaßnahmen von US-Präsident Donald Trump gegen Importe haben zu Verunsicherung an den Finanzmärkten geführt, während JPMorgan Chase den aktualisierten Wirtschaftsbericht für April 2025 veröffentlicht hat. In dem Bericht wird hervorgehoben, dass die US-Wirtschaft in einen ernsthaften Verlangsamungsprozess eingetreten ist.
JPMorgan hat die Prognose für das reale BIP-Wachstum der USA für das Jahr 2025 von +1,3 % auf -0,3 % gesenkt. Diese drastische Revision deutet auf das Ausmaß der erwarteten Schrumpfung der Wirtschaft hin. Im Bericht wird auch prognostiziert, dass die Arbeitslosenquote auf 5,3 % steigen wird. Als Hauptgrund für diesen Anstieg wird die Schwächung der wirtschaftlichen Aktivität angeführt.
Aufgrund der neu eingeführten Zollgebühren wurde die Schätzung der Kern-Personalverbrauchsausgaben, die die Preissteigerungen bei grundlegenden Waren und Dienstleistungen misst, nach oben revidiert. JPMorgan prognostiziert eine Kern-PCE-Inflation von 4,4 % zum Jahresende. Dieser Anstieg um 1,4 Punkte im Vergleich zur vorherigen Schätzung deutet darauf hin, dass die Inflation über den Erwartungen liegt.
Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass die FED im Juni mit Zinssenkungen beginnen könnte. JPMorgan prognostiziert, dass bei jeder Sitzung bis Januar 2026 eine Zinssenkung vorgenommen wird und dass die obere Grenze des federal funds rate am Ende dieses Prozesses auf 3,0 % sinken könnte. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass das eigentliche Risiko nicht darin besteht, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, sondern in einer möglichen Verzögerung.
Es wird erwartet, dass die neuen Zollgebühren insbesondere als Reaktion auf Vergeltungsmaßnahmen großer Handelspartner wie China umgesetzt werden. Diese Situation birgt das Risiko eines Rückgangs der US-Exporte. Darüber hinaus wird prognostiziert, dass die hohe Inflation die realen (inflationsbereinigten) Einkommen verringern und die Haushalte dazu bringen wird, ihre Ausgaben zu reduzieren. In einem zunehmend unsicheren Umfeld wird darauf hingewiesen, dass die Verbraucher zögerlich sein könnten, ihre Ersparnisse zu verwenden, um weiterhin Ausgaben zu tätigen.
Laut JPMorgan wird die wirtschaftliche Schwäche insbesondere im dritten und vierten Quartal des Jahres deutlicher zu spüren sein. Mit dem Wegfall vorübergehender Dynamiken wie starken Importen und Lageraufbau im ersten Quartal könnte das Wachstum in diesen Zeiträumen weiter schwächer werden.
JPMorgan-Chefökonom Michael Feroli bewertet die aktuelle Lage als eine klassische “Stagflation”: hohe Inflation, niedriges Wachstum und steigende Arbeitslosigkeit. Feroli äußert jedoch, dass die Schwächung des Arbeitsmarktes die Sorgen der FED über den Kampf gegen die Inflation mildern könnte, insbesondere wenn die Lohnerhöhungen langsamer ausfallen, könnte die Geldpolitik flexibler werden.