In der amerikanischen Kriminalgeschichte, wenn man die beiden erschreckendsten und am schwersten zu knüpfenden ungelösten Fälle auswählen müsste, sind es fast unbestreitbar der „Black Dahlia“-Mordfall von 1947 in Los Angeles und der „Zodiac Killer“, der die USA in den 1960er und 1970er Jahren erschütterte. Beide Fälle überschneiden sich in verschiedenen Jahrzehnten, Städten und Opferhintergründen, hinterlassen jedoch ebenso zahlreiche Rätsel und haben unzählige Verschwörungstheorien, Romane und Filme inspiriert.
Der „Zodiac Killer“, der Polizei und Medien mit verschlüsselten Briefen herausforderte, ist zudem ein Symbol für den „High-IQ-Serienmörder“ in der amerikanischen Popkultur. 2007 inszenierte der bekannte Regisseur David Fincher den Film „Sieben Tage im Zodiac“, der den langwierigen, erfolglosen Ermittlungsprozess realistisch nachzeichnet und die Angst vor einer „ewigen Abwesenheit der Wahrheit“ tief in die Zuschauer eingraviert.
Doch Ende 2025 warf ein Amateurdetektiv und Kryptografie-Experte, Alex Baber, mit einer Sensation alles durcheinander: Er behauptete, mithilfe künstlicher Intelligenz das Rätsel um die Identität des Zodiac Killer, das die Menschheit seit über einem halben Jahrhundert beschäftigt, gelöst zu haben. Zudem deutete er an, dass dieser Täter höchstwahrscheinlich auch der wahre Mörder von „Black Dahlia“ sein könnte.
Amateurdetektiv und Kryptografie-Experte Alex Baber nutzt KI zur Entschlüsselung von Symbolen
Der Kern von Babers Forschung konzentrierte sich auf einen geheimen Code, den der Zodiac 1970 an die San Francisco Chronicle schickte, den sogenannten „Z13“-Code. Dieser Code beginnt mit dem provokanten Satz „My name is —“ gefolgt von 13 unlesbaren Symbolen. Über ein halbes Jahrhundert versuchten unzählige Kryptografen und Hobbyisten, ihn zu knacken, doch eine allgemein anerkannte Lösung blieb aus.
Baber ging einen völlig anderen Weg als bisherige manuelle Analysen. Er nutzte KI, um eine Datenbank mit etwa 71 Millionen Namen zu erstellen, die den 13 Zeichen entsprechen, und ließ einen Algorithmus automatisch Anordnungen, Filter und Vergleiche durchführen. Anschließend wurden diese Ergebnisse mit Daten aus der US-Volkszählung von 1950, Militärakten, Heiratsurkunden und anderen öffentlichen Dateien abgeglichen. Dabei berücksichtigte er auch Zeugenangaben zu Alter, Ethnie und Wohnort, um mögliche Verdächtige schrittweise auszuschließen. Schließlich behauptete Baber, die KI habe die Lösung „Marvin Merrill“ geliefert, ein Pseudonym, das der Verdächtige Marvin Margolis bereits benutzt hatte.
Sind „Sieben Tage im Zodiac“ und „Black Dahlia“ wirklich verbunden?
Die eigentliche Kontroverse entstand durch Babers nächste Schlussfolgerung. Er nutzte KI, um Hunderttausende von Zeitungsanzeigen und Immobilienakten aus den 1940er Jahren zu scannen und stieß auf eine interessante Zufälligkeit: In der Nähe des Fundortes der Black Dahlia-Opfer Elizabeth Short gab es ein Hotel namens „Zodiac Motel“. Baber vermutete, dass dieser Name beim Täter einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben könnte und später die Inspiration für den Namen „Zodiac“ wurde. Noch explosiver war die Aussage eines ehemaligen NSA-Code-Experten, der bei der Überprüfung von Babers Forschung angab, dass das Schlüsselwort für die Entstehung einiger Zodiac-Codes vermutlich „Elizabeth“ sei – also der Name des Opfers. Wenn diese Theorie stimmt, würde das bedeuten, dass der Zodiac Killer nicht nur zufällig die Gesellschaft herausforderte, sondern tief in seine eigenen vergangenen Verbrechen verstrickt war und durch Kryptografie immer wieder die Freude am Töten suchte.
Wer ist der verspätete wahre Täter Marvin Margolis?
Der zentrale Verdächtige, Marvin Margolis, verstarb bereits 1993. Laut seinen Hintergrunddaten studierte Margolis Medizin und diente als Marine-Helfer. Diese Fakten passen hochgradig zu den präzisen und grausamen chirurgischen Schnitttechniken im Black Dahlia-Fall sowie zu den Waffenkünsten, die im Zodiac-Fall gezeigt wurden. Zudem fanden Ermittler heraus, dass er kurzzeitig mit Elizabeth Short verkehrte und sogar ein Kunstwerk schuf, das eine stark ähnliche Leiche zeigt.
Außerdem nutzte Baber Bildverstärkung und KI-gestützte Erkennung, um eine Skizze zu analysieren, die Margolis kurz vor seinem Tod zeichnete. Er behauptete, in den scheinbar zufälligen Tintenstrichen das versteckte Wort „ZoDiac“ entdeckt zu haben, das als eine Art nonverbale Beichte am Lebensende interpretiert werden könne. Obwohl dieses Beweisstück äußerst umstritten ist, gilt es als ein wichtiges Puzzlestück für seine Theorie.
Obwohl Babers Forschung von einigen ehemaligen NSA-Code-Experten technisches Lob erhielt, bleiben die offiziellen US-Behörden vorsichtig. Die Polizei von Los Angeles und andere Stellen erklärten, dass Black Dahlia und Zodiac Killer derzeit als „offene Ermittlungen“ gelten und es noch keine ausreichenden Beweise gibt, um eine Anklage zu erheben. Experten betonen, dass der größte Wert von KI bei der Untersuchung ungelöster Fälle darin liege, die möglichen Täterkreise einzugrenzen, nicht aber, direkte juristische Beweise zu liefern. Die Ergebnisse der Algorithmen hängen stark von der Vollständigkeit der Eingabedaten und den Annahmen ab. Bei Abweichungen im Ausgangspunkt können die Schlussfolgerungen in die Irre führen.
Die Obsessionen der Menschen mit diesen Fällen gehen vielleicht längst über das reine „Aufklären“ hinaus. Sie richten sich an eine tiefere Frage: Kann die Menschheit die Wurzeln extremer Gewalt wirklich verstehen? Und besitzt sie die Fähigkeit, die Lücken in ihrer Geschichte zu schließen? Auch wenn Babers Theorien noch nicht vollständig von den offiziellen Stellen anerkannt sind, haben die Diskussionen, die sie ausgelöst haben, eine neue Ära eingeleitet: Wenn künstliche Intelligenz beginnt, durch statistische Analysen und generative Berechnungen in die dunkelsten und am schwersten zu verifizierenden Erinnerungen des Menschen einzudringen, wird nicht nur die Art und Weise, wie „Wahrheit“ erlangt wird, neu definiert. Zukünftig könnten sogar bestehende Beweisstandards und das Rechtssystem selbst ins Wanken geraten.
Diese Artikel, in denen Kryptografie-Enthusiasten mithilfe von KI die beiden großen ungelösten Fälle in den USA „Sieben Tage im Zodiac“ und „Black Dahlia“ entschlüsseln, erschienen zuerst bei ABMedia.