Laut einem neuen Bericht von Binance Research bewegt sich Bitcoin möglicherweise nicht mehr im Gleichschritt mit der Politik der Federal Reserve. Der Bericht deutet auf einen strukturellen Wandel hin, der durch Spot-Exchange-Traded-Funds ausgelöst wird.
Seit Jahren reagierten Krypto-Märkte stark auf Signale zu den Zinsen: Bitcoin fiel, wenn Zentralbanken ihre Geldpolitik strafften.
Dieses Muster scheint sich nun zu brechen, wie Binancedaten zeigen: Die Korrelation von Bitcoin mit seinem Global Easing Breadth Index, der 41 Zentralbanken erfasst, ist seit 2024 stark ins Negative gedreht. Spot-Bitcoin-ETFs wurden im Januar 2024 von der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) genehmigt.
Vor den ETFs war der Zusammenhang leicht positiv, wobei BTC dazu neigte, globale Lockerungszyklen um mehrere Monate zeitversetzt zu verfolgen. Jetzt stellt der Bericht fest, dass der umgekehrte Effekt nahezu dreimal so stark ist, was darauf hindeutet, dass die alte Verbindung sich gedreht hat.
Die Änderung spiegelt einen Wandel wider, wer die Preise treibt. Privatanleger dominierten früher den Krypto-Handel und reagierten auf makroökonomische Nachrichten. Durch ETFs konnten Institutionen eine größere Rolle spielen, und diese Firmen positionierten sich häufig bereits Monate im Voraus vor Änderungen in der Politik – mit BTC als vorausschauendem Asset.
„Infolgedessen könnte sich BTC von einem makroökonomischen ‚nachlaufenden Empfänger‘ zu einem ‚vorauseilenden Preisermittler‘ entwickelt haben“, schrieb Binance Research. „Ein Höhepunkt bei der Lockerung könnte für BTC bereits alte Nachrichten sein, und kryptonative Treiber – etwa Fortschritte in der Politik und institutionelle Zuflüsse – könnten wichtiger werden als allein die Richtung der Geldpolitik.“
Die Erkenntnisse kommen, während die Märkte erneut mit Sorgen vor Stagflation ringen, die mit steigenden Ölpreisen und zunehmenden geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten zusammenhängen.
Die Zinserwartungen haben sich von erwarteten Kürzungen hin zu möglichen Erhöhungen verlagert – ein Umfeld, das historisch risikobehaftete Assets unter Druck setzte.
Binance argumentiert, dass die Reaktion möglicherweise überzeichnet ist. In früheren Zyklen drehten Zentralbanken oft auf Unterstützung des Wachstums um, trotz Inflationsspitzen. Wenn sich die Geschichte wiederholt, werden Zentralbanken schließlich dazu übergehen, Wachstum gegenüber Inflation zu priorisieren, und Bitcoin wird diese Kurswende voraussichtlich früher einpreisen als erwartet.