
Der Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini ist seit Langem für pessimistische Prognosen bekannt und wurde mit dem Titel „Doctor Doom“ ausgezeichnet, hat sich jedoch bei der Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) öffentlich ins Lager der Optimisten begeben. Auf dem Greenwich-Wirtschaftsforum in Hongkong sagte Roubini, KI sei keine Blase, sondern eine strukturelle Technologie, die sich fortlaufend weiterentwickeln werde. Außerdem prognostizierte er, dass die KI-getriebene Technologierevolution bis 2050 die US- durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des BIP auf 10 % anheben könne.
Roubinis Position basiert auf klaren Argumenten. Er ist der Ansicht, dass die Verbreitung von KI- und Halbleitertechnologie in den kommenden 10 bis 20 Jahren den globalen Wirtschaftswachstumsmotor bilden werde, und dass dieser grundlegende Faktor nicht durch Störungen von Geopolitik, Klimawandel oder dem Ansturm des Populismus grundsätzlich beeinträchtigt werde.
In seinem Forumsvortrag sagte er direkt: „Dieser grundlegende Faktor – egal wie Geopolitik, Klimawandel oder Populismus sich entwickeln – wird in den kommenden 10 bis 20 Jahren der Wachstumsmotor sein und insgesamt für die globale Wirtschaft von Vorteil sein.“
Gleichzeitig behält er eine vorsichtige Haltung gegenüber kurzfristigen, menschgemachten Faktoren: „Aus Sicht der mittel- bis langfristigen Entwicklung wird die Technologie zwar die Vorherrschaft übernehmen, aber kurzfristig könnten wir durch viele törichte Handlungen einen enormen Schaden verursachen.“ Diese Formulierung spiegelt präzise seine abgestufte Position wider: langfristig optimistisch gegenüber KI, kurzfristig jedoch vorsichtig gegenüber politischer Kurzsichtigkeit.
Roubini stellt konkrete Etappenziele für die zukünftige KI-getriebene Wachstumskurve der Wirtschaft vor, mit einem Zeithorizont bis 2050:
Ziel für 2030: Von KI angetrieben soll die US- durchschnittliche jährliche BIP-Wachstumsrate 4 % erreichen. Selbst wenn es mit den derzeitigen geopolitschen Störungen konfrontiert ist, wird sich dieser Trend nicht umkehren.
Ziel für 2040: Die Wachstumsrate steigt weiter auf 6 %. Das spiegelt die schrittweise Freisetzung der Produktivitätsdividende wider, nachdem KI-Technologien breit eingesetzt wurden.
Ziel für 2050: KI-Innovation wird zum zentralen Wachstumsmotor des globalen Wachstums, und die US- durchschnittliche jährliche BIP-Wachstumsrate wird schließlich 10 % erreichen.
Roubini nennt die USA und China als die wichtigsten Profiteure dieser neuen Wachstumsära. Er ist der Ansicht, dass die technische Akkumulation beider Länder in den Bereichen KI und Halbleiter ihnen im globalen Wettbewerbsgefüge die stärksten strukturellen Vorteile verschafft.
Roubini bringt auf dem Forum eine recht kontroverse Sichtweise vor – in der von KI dominierten neuen Ära werde die Rolle politischer Führungspersonen grundsätzlich herabgestuft. Er sagt, selbst wenn „Mickey Mouse“ zum US-Präsidenten gewählt werde, werde sich die US-Wirtschaft weiterhin Wachstum fortsetzen, weil die US-Technologiebranche über eine inhärente interne Dynamik verfügt, die diese Wachstumsrate absichert. Das habe nichts mit den Politikpositionen im Weißen Haus zu tun.
Der Kern dieser Logik liegt darin, dass die Wachstumskraft von KI und technologischer Infrastruktur aus der iterativen Weiterentwicklung der Technologie selbst und aus der Marktnachfrage kommt – nicht aus politischen Anweisungen. Politische Unsicherheit kann zwar kurzfristig Schwankungen verursachen, aber sie kann den strukturellen Trend, dass KI ein langfristiger Wachstumsmotor bleibt, nicht grundsätzlich umkehren.
Roubini erhielt den Titel „Doctor Doom“, weil er in der Zeit zwischen 2005 und 2007 die systemischen Risiken der globalen Finanzkrise 2008 präzise vorauswarnte und weil er seit Langem für seine pessimistische Haltung bekannt ist. In diesem Fall hat er sich in Bezug auf das Thema KI öffentlich ins Lager der Optimisten gewandt und eine konkrete Wachstums-Roadmap vorgelegt, die den Zeitraum von 2030 bis 2050 umfasst. An den Märkten wird dies als ein Signal für eine gewichtige Wendung der Marktstimmung betrachtet.
Roubini glaubt, dass KI eine Bottom-up-Technologie ist, die sich kontinuierlich weiterentwickelt, und dass ihre Auswirkungen auf die Produktivität langfristig und strukturell sind, also grundlegend anders als Blasen, die in der Vergangenheit nur reine Finanzinstrumente waren. Er prognostiziert, dass die technologischen Dividenden von KI in den kommenden 20 Jahren schrittweise freigesetzt werden – und nicht verschwinden, nachdem kurzfristig eine Blase geplatzt ist. Außerdem ordnet er sie eindeutig als globalen Wachstumsmotor für die kommenden 10 bis 20 Jahre ein.
Roubini ist der Ansicht, dass die USA und China sowohl bei den Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen als auch bei der industriellen Akkumulation im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Halbleitertechnologie weltweit führend sind. Ihre Fähigkeit zu technischer Innovation verschafft beiden Ländern im globalen Wettbewerbsgefüge die stärksten strukturellen Vorteile. In der neuen Wachstumsära, die von KI angetrieben wird, werden sie zudem die entscheidende Gesprächs- und Verhandlungsmacht über die Preisbildung der dominierenden Technologien haben.
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