Im August 2022 postete Mark Zuckerberg das, was als triumphierendes Selfie gedacht war. Sein Horizon-Worlds-Avatar – eine eckige, beinlose, glubschäugige Cartoon-Figur, die Kotaku treffend als „eine beinlose Kopie eines Nintendo Mii mit den Augen eines Leichnams“ beschrieb – stand vor einem winzigen Eiffelturm. Das Internet vergrub ihn in Memes. Sogar die eigenen Mitarbeitenden von Meta sollen Berichten zufolge die Nutzung von Horizon Worlds verweigert haben. Das war damals. Nun, laut einem Bericht der Financial Times, baut Meta eine photorealistische, KI-gestützte 3D-Version seines CEO, die dazu gedacht ist, echte Gespräche mit Mitarbeitenden in seinem Namen zu führen. Zuckerberg trainiert und testet das System persönlich; vier Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, sagten FT.
Die Figur wird mit seinen Manierismen, Stimm-Mustern, öffentlichen Aussagen und aktuellen Gedanken zur Unternehmensstrategie gefüttert. Das erklärte Ziel: Mitarbeitende „dem Gründer näher fühlen zu lassen“ durch eine KI, die wie er spricht, wie er denkt und nie ein One-on-One-Meeting absagen muss. Das ist ein weiter Weg entfernt von den „Plastik“-Albträumen der Metaverse-Ära. Das Projekt wird von den neu gegründeten Superintelligence Labs von Meta geleitet. Das Skalieren der Technik hat sich als schwierig erwiesen – es erfordert enorme Rechenleistung, um Interaktionen realistisch und ohne Verzögerungen zu halten. Meta hatte sich im vergangenen Jahr im Zuge dieses Vorstoßes zwei Voice-Unternehmen gesichert: PlayAI und WaveForms. Die prognostizierten Investitionsausgaben des Unternehmens für 2026 liegen zwischen $115 Milliarde und $135 Milliarde, nahezu doppelt so hoch wie die Zahl des letzten Jahres.
Letzte Woche brachte Meta Muse Spark heraus, das erste Modell aus seinen Superintelligence Labs – ein kompaktes, speziell entwickeltes System mit Fähigkeiten in Gesundheits-Reasoning und visuellem Verstehen. Die Anteile stiegen bei der Ankündigung um 7%. Innerhalb des Unternehmens werden Mitarbeitende dazu gedrängt, KI-Tools zu übernehmen und eigene Agenten mithilfe von Open-Source-Software namens OpenClaw zu bauen. Produktmanager erhielten ein „Skills-Baseline-Exercise“, das unter anderem Tests zum Systemdesign umfasst und ja, „vibe coding“.
Der Kontrast zur Metaverse-Ära ist deutlich. Wie Decrypt 2022 berichtete, befand sich Horizon Worlds in einem selbst ausgerufenen „Quality Lockdown“, während das eigene Team kaum einloggte. Reality Labs verbrannte jede Quartalsperiode Milliarden – allein 2021 $10.2 Milliarden –, bevor Zuckerberg stillschweigend umsteuerte. Der Cartoon-Avatar wurde zum bestimmenden Bild dieses Scheiterns. Jetzt setzt man auf etwas, das danach aussieht und klingt wie das echte Ding – entweder um Mitarbeitende dem Leadership-Führungspersonal näher fühlen zu lassen oder um sie zumindest stärker durch dieses überwachen zu lassen.
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