
Der Kernfusions-Startup Helion gab am 5. Juni bekannt, dass es eine Series-G-Finanzierungsrunde in Höhe von 465 Millionen US-Dollar abgeschlossen hat. Die Bewertung beträgt 15,5 Milliarden US-Dollar und liegt damit im Vergleich zum Stand von 2025 nahezu bei einer Verdopplung des Niveaus. Sam Altman deckte dieses Jahr in einem Gespräch mit Musk in einem Live-Video auf, dass er rund ein Drittel der Anteile an Helion hält. Die Finanzierungsrunde fällt in die Zeit, in der Helion das erste Kraftwerk Orion errichtet, mit dem Ziel, 2028 Microsoft mit Strom zu versorgen.
465 Millionen US-Dollar Finanzierung: Zusammensetzung der Investoren bestätigt
Laut offizieller Mitteilung von Helion wird die Series-G-Finanzierungsrunde von Thrive Capital angeführt; neue Investoren sind unter anderem Alta Park Capital, Anti Fund und BoxGroup. Bestehende Anteilseigner wie Capricorn Technology Impact Funds und Lightspeed Venture Partners sowie ein Stiftungsfonds einer Universität verfolgen ebenfalls.
Nach Abschluss dieser Finanzierungsrunde erreicht Helion eine Bewertung von 15,5 Milliarden US-Dollar – im Vergleich zum Stand von 2025 nahezu die dreifache Größenordnung.
Microsoft PPA und Kraftwerk Orion
Die mit Microsoft abgeschlossene Fusions-Stromabnahmevereinbarung (PPA) von Helion ist ein Novum in der Branche. Die zentralen bestätigten Eckpunkte lauten: Helion verpflichtet sich, spätestens 2028 mindestens 50 MW kommerziellen Fusionsstrom in das Netz zu liefern. Der Stromabnehmer ist Microsofts Rechenzentrum in der Region des mittleren Westens im Bundesstaat Washington. Das erste Kraftwerk Orion befindet sich derzeit im Bau.
Der CEO David Kirtley erklärte als Antwort auf Zweifel von außen an der technischen Umsetzbarkeit: „Wir wollen nicht über Kernfusion reden, wir wollen sie bauen.“ Bemerkenswert ist, dass einige Kernfusionsphysiker die technischen Aussagen von Helion skeptisch sehen. Ein Grund dafür ist, dass Helion nur sehr selten in von Fachkollegen begutachteten Zeitschriften publiziert; dadurch fällt es externen Forschern schwer, die physikalische Grundlage unabhängig zu prüfen.
Fusions-„Runway“: Jüngste Finanzierungswelle
In den letzten Monaten hat die Fusionsbranche insgesamt mehr als eine Milliarde US-Dollar an Investitionen eingesammelt. Zu den bereits bestätigten Finanzierungsrunden zählen: Focused Energy mit rund 240 Millionen US-Dollar (letzte Woche angekündigt); Thea Energy mit rund 100 Millionen US-Dollar (letzte Woche angekündigt); Inertia Energy mit 450 Millionen US-Dollar Series A (im Februar 2026 angekündigt, zugleich den Stealth-Modus beendet); Type One Energy führt derzeit eine 250-Millionen-US-Dollar-Finanzierungsrunde der Series B durch. Allerdings gestehen die meisten Fusionsunternehmen selbst, dass das schnellste Hochfahren auf kommerzielle Kraftwerksgröße erst um die Zeit vor 2035 herum möglich sein wird. Helions Ziel für 2028 ist damit die bislang aggressivste Ausnahme in der Branche.
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich Helions Kernfusions-Technologieroute grundlegend von der anderer Unternehmen?
Die meisten Fusion-Startups verfolgen eine Route, bei der man mit Magneten oder Laser eine extrem heiße Plasmaeinschlusszone mit hoher Temperatur begrenzt. Dabei wird die durch Kernfusion erzeugte Wärmeenergie genutzt, um einen Dampfturbinen-Generator anzutreiben, was dem Prinzip von Kohlekraftwerken ähnelt – nur dass der Wärmeerzeuger ein anderer ist. Helion überspringt hingegen den Dampfturbinen-Schritt: Stattdessen lässt man das Plasma expandieren und drückt dabei Magnetfelder; diese mechanische Bewegung wird in einen Stromeintrag umgewandelt, ähnlich wie das regenerierende Bremssystem eines Elektroautos. Helion behauptet, dass dies die Energieverluste bei der Umwandlung deutlich reduziert; mangels von Peer-Review-Publikationen können externe Stellen diese technischen Aussagen jedoch nicht unabhängig verifizieren.
Beeinflusst es die Beteiligung, wenn Sam Altman von seinem Posten im Helion-Vorstand zurücktritt?
Auf Basis der bestätigten öffentlich verfügbaren Informationen hält Altman rund ein Drittel der Anteile an Helion. Der Rücktritt vom Vorstand bedeutet lediglich, dass er seine Sitze im Vorstand aufgibt – er verkauft keine Anteile. Der Rücktrittszeitpunkt ist im März 2026; das Ziel ist, die Grenzen seines Interessenkonflikts zu OpenAI klarzustellen. Altman hält weiterhin seine Anteile an Helion – auch das wurde im Prozess Musk v. Altman bestätigt.
Gibt es bei einem Nichterreichen des 2028-Ziels aus der Stromversorgungsvereinbarung eine Vertragsverletzungs- oder Schadensersatzklausel, die Microsoft greifen würde?
Derzeit wurden keine konkreten Vertragsverletzungsbestimmungen zwischen Helion und Microsoft für das Fusions-PPA offengelegt. Laut den öffentlichen Ausführungen von Helion ist in der Vereinbarung festgehalten: „spätestens 2028“ Strom wird bereitgestellt; die Formulierung selbst enthält also zeitliche Flexibilität. Weder Helion noch Microsoft haben eine offizielle Aussage zu den Konsequenzen veröffentlicht, falls die Vereinbarung nicht erreicht wird.