Pantera-Report: 78% der $321B tokenisierten Vermögenswerte haben keine echte Blockchain-Funktion

Pantera Capital veröffentlichte am 20. Mai seinen Bericht „State of Tokenization“ und zeigte damit auf, dass der Tokenisierungsmarkt zwar $321,1 Milliarden überschritten hat, der Großteil der Vermögenswerte sich jedoch weiterhin in einem frühen Stadium der Blockchain-Reife befindet. Die Analyse bewertete 542 aktive tokenisierte Assets über 11 Asset-Klassen hinweg mithilfe von Panteras proprietärem Tokenization Progress Index (TPI), einem Rahmenwerk zur Messung der On-Chain-Reife über die bloße digitale Repräsentation hinaus. Der Bericht kam zu dem Schluss, dass 77,6% des Marktes aus „Wrapper“-Assets bestehen – im Wesentlichen traditionellen Finanzprodukten mit einer Blockchain-„Hülle“ – während nur 2,7% als echte native On-Chain-Assets gelten, die autonom betrieben werden können. Diese Erkenntnis verdeutlicht eine entscheidende Lücke zwischen Marktwachstum und der funktionalen Umsetzung von Blockchain. Die Tokenisierungsbranche hat große Institutionen wie BlackRock, Franklin Templeton und JP Morgan angezogen, doch die meisten Produkte bleiben strukturell von Off-Chain-Infrastruktur und manuellen Prozessen abhängig.

Verständnis des Tokenization Progress Index

Der TPI bewertet drei operative Dimensionen tokenisierter Assets:

Emission und Rücknahme: Wie autonom und symmetrisch Assets On-Chain emittiert und zurückgenommen werden können.

Transfer und Abwicklung: Ob die Blockchain als maßgebliches Ledger für die Bewegung der Assets und die Zahlungen dient.

Kombinierbarkeit: In welchem Maß sich Assets mit smart-contractbasierten Finanzinfrastrukturen wie DeFi-Protokollen integrieren.

Der durchschnittliche TPI-Composite-Score über alle 542 bewerteten Assets lag bei 2,04 von 5 Punkten, was darauf hindeutet, dass den meisten tokenisierten Assets ausgeklügelte On-Chain-Funktionalität fehlt.

Drei Reife-Stufen

Pantera ordnete tokenisierte Assets anhand von TPI-Scores in drei Stadien ein:

Wrapper-Stage (77,6% des Marktes)

Wrapper-Assets stellen die niedrigste Reifestufe dar. Verwahrung, Rücknahme und das Management der zugrunde liegenden Vermögenswerte erfolgen hauptsächlich Off-Chain, wobei das Token als digitales Empfangs- bzw. Bestätigungsdokument fungiert. Obwohl die Blockchain möglicherweise die Verteilung und Sichtbarkeit verbessert, bleibt die zentrale operative Infrastruktur in traditionellen Finanzsystemen. Diese Struktur bewahrt bestehende Kontrollmechanismen, verzichtet jedoch auf die autonomen Fähigkeiten der Blockchain.

Hybrid-Stage (11,1% des Marktes)

Hybrid-Assets verlagern Teile des Asset-Lebenszyklus – etwa Emission, Transfer, Abwicklung oder eingeschränkte Kombinierbarkeit – auf die Blockchain. Kritische Funktionen bleiben jedoch von Off-Chain-Intermediären, rechtlichen Verfahren und manueller menschlicher Aufsicht abhängig.

Native-Stage (2,7% des Marktes)

Native-Assets sind darauf ausgelegt, vollständig On-Chain zu operieren. Smart Contracts übernehmen große Teile von Emission, Transfer, Abwicklung und Asset-Management, mit minimaler Abhängigkeit von Off-Chain-operativer Infrastruktur. Nur 21 von 542 bewerteten Assets erreichten 4–5 Punkte in der Dimension Kombinierbarkeit, was darauf hindeutet, dass echte native On-Chain-Funktionalität nach wie vor selten ist.

Detaillierte Performance nach Funktion

Emission und Rücknahme: Der Engpass

Emission und Rücknahme erwiesen sich als der am stärksten eingeschränkte operative Bereich. Von 542 bewerteten Assets erzielten 494 (91,1%) 1–2 Punkte, was die fortdauernde Abhängigkeit von administratorgesteuerter Emission und von Custodians verwalteter manueller Rücknahme widerspiegelt. Nur 13 Assets (2,4%) erreichten 4–5 Punkte, was zeigt, dass wirklich autonome und symmetrische Emissions- und Burn-Modelle weiterhin die Ausnahme sind.

Transfer und Abwicklung: Moderater Fortschritt

Die Transfer- und Abwicklungsfähigkeiten zeigten die größte Weiterentwicklung, mit einem durchschnittlichen Score von 2,29 Punkten. Von 542 Assets erreichten 205 (37,8%) die 3-Punkte-Stufe, was auf eine sich abzeichnende Übergangsphase hindeutet, in der Assets On-Chain bewegt werden. Allerdings erzielten nur 35 Assets (6,5%) 4 oder mehr Punkte, was bedeutet, dass vollständig On-Chain unabhängige Abwicklung nach wie vor ungewöhnlich ist.

Kombinierbarkeit: Begrenzte Integration

Kombinierbarkeit – also die Fähigkeit, produktiv mit DeFi und anderen On-Chain-Finanzprotokollen zu interagieren – schnitt am schlechtesten ab. Von 542 Assets blieben 394 (72,7%) bei 2 Punkten, während nur 21 (3,9%) 4–5 Punkte erreichten. Die meisten tokenisierten Produkte funktionieren als einfache Distributions-Wrapper statt als produktive Finanzbausteine, die sich in breitere On-Chain-Ökosysteme integrieren lassen.

Vergleich mit frühem Internet-Medien

Pantera verglich den aktuellen Tokenisierungsmarkt mit frühen Internetmedien, die lediglich Zeitungsartikel auf Websites kopierten, ohne Inhalte oder Erlösmodelle grundlegend neu zu strukturieren. Frühe Internetmedien verbesserten die Informationsgeschwindigkeit und Zugänglichkeit, behielten jedoch traditionelle Formate bei. Mit der Zeit entstanden native digitale Formate – Podcasts, algorithmische Feeds, interaktive Grafiken, Echtzeit-Kommentare und soziale Distribution –, die spezifische Fähigkeiten des Internets nutzten.

Der Tokenisierungsmarkt befindet sich in einer ähnlichen Phase. Aktuelle Produkte stellen Fortschritt dar, indem Vermögenswerte auf die Blockchain gelegt werden, doch viele behalten traditionelle Finanzstrukturen weitgehend unverändert. Ein tokenisiertes Asset, das auf einem permissionierten Ledger läuft, bei dem eine manuelle Off-Chain-Rücknahme per OTC-Transaktionen erforderlich ist, Transfers ohne Genehmigung durch den Emittenten untersagt sind und das keine DeFi-Integrationsfunktionen bietet, ist eher „traditionelle Wertpapiere mit Blockchain-Quittung“ als ein echtes natives On-Chain-Finanzinstrument.

Reale Beispiele

Trotz dieser strukturellen Einschränkungen wächst die institutionelle Übernahme weiter:

BlackRocks BUIDL: Der tokenisierte Geldmarktfonds überstieg im April 2025 $2 Milliarden an Assets under Management.

Franklin Templetons FOBXX: Ein On-Chain-Geldmarktfonds, der seit 2021 operativ ist.

JP Morgans Kinexis: Bearbeitet jeden Tag Transaktionen im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar.

Während diese Beispiele ein Marktwachstum zeigen, betonte Pantera, dass Asset-Skala, institutionelle Beteiligung und Startvolumen zwar auf Marktpräsenz hindeuten, jedoch nicht messen, in welchem Grad die Assets autonom On-Chain operieren.

Die Kernfrage: Repräsentation vs. Redesign

Panteras Analyse hebt eine grundlegende Unterscheidung hervor: Der Tokenisierungsmarkt hat bewiesen, dass Assets auf einer Blockchain abgebildet werden können, aber noch nicht gezeigt, dass die Asset-Operationen selbst für On-Chain-Umgebungen grundlegend neu gestaltet wurden.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr „Wie viel wurde tokenisiert?“ sondern vielmehr „Welche Produkte bleiben digitale Repliken traditioneller Finanzen, und welche haben begonnen, on-chain-exklusive Funktionalität zu schaffen?“

Echte native On-Chain-Finanzprodukte würden programmierbare Compliance, autonomes Collateral-Management, Echtzeit-Optimierung der Rendite, eingebettete Governance sowie Strukturen umfassen, die Asset-Cashflows und Risiko auf eine Weise zerlegen, die innerhalb traditioneller Infrastruktur unmöglich ist.

Der weitere Weg

Der Tokenisierungsmarkt hat quantitatives Wachstum erreicht, bleibt jedoch qualitativ noch in den Kinderschuhen. Emission und Rücknahme bleiben eingeschränkt, Abwicklungsstrukturen hängen oft von Dual-Ledger-Systemen ab, und DeFi-Kombinierbarkeit konzentriert sich auf ausgewählte Asset-Klassen und Produkte.

Die nächste Phase der Tokenisierung wird nicht durch die Menge der zu einer Blockchain migrierten Assets definiert, sondern dadurch, ob diese Assets Funktionalität liefern, die sich nicht über traditionelle Finanzinfrastruktur umsetzen lässt – schnellere Abwicklung, erhöhte Transparenz, Protokoll-Interoperabilität sowie neuartige Cashflow- und Risikostrukturen.

Der $321,1-Milliarden-Tokenisierungsmarkt ist kein Pilotprogramm mehr, doch die Mehrheit der Assets bleibt digitale Repliken traditioneller Finanzen statt blockchain-nativer Innovationen. Der zukünftige Wettbewerb wird sich auf Funktionalität statt auf Packaging konzentrieren.

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