
Laut Cryptopolitan vom 5. Juni bauen die wichtigsten US-Banken, darunter JPMorgan Chase, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo, über ein Clearinghouse (The Clearing House), das gemeinsam von Mitgliedsbanken betrieben wird, ein gemeinsames Netzwerk für tokenisierte Einlagen auf. Der Start ist für Anfang 2027 geplant. Es soll es den Mitgliedsbanken ermöglichen, rund um die Uhr tokenisierte Versionen von Kundeneinlagen über Blockchain-Infrastruktur zu übertragen.
Tokenisierte Einlagen vs. Stablecoins: Bestätigte technische und regulatorische Unterschiede
Tokenisierte Einlagen (Tokenized Deposit) stehen für echte Bankeinlagen, die auf einer Blockchain erfasst sind, nicht für eigenständige digitale Vermögenswerte wie Stablecoins. Dieser Strukturunterschied ermöglicht es Institutionen wie JPMorgan Chase, bei der Einführung von Blockchain-Infrastruktur die bestehenden Rahmenbedingungen zu Kreditrisiken sowie die geltenden regulatorischen und buchhalterischen Vorgaben beizubehalten. Das Geld bleibt dabei im regulierten Bankensystem. Dieses Design erlaubt es dem Bankensektor, im Wettbewerb mit Stablecoins seine regulatorischen Vorteile zu wahren, und entspricht zugleich den Compliance-Anforderungen der Aufsichtsbehörden an digitale Zahlungsinstrumente.
Stellungnahmen von drei Führungskräften
Shahmir Khaliq, Leiter der Citi Services, sagte, das Netzwerk sei „ein weiteres Vorhaben, mit dem Banken ihre starke Position in Kapitalmärkten und im Finanzierungsbereich ausbauen“. Mark Monaco, Leiter der globalen Zahlungs-Lösungen bei Bank of America, äußerte sich hingegen vorsichtiger: Er betonte, dass die Nachfrage von Kunden nach tokenisierten Einlagen nicht „sprunghaft ansteige“, aber durchaus ein gewisses Interesse vorhanden sei. Das Netzwerk werde den Banken helfen, sich für breitere Anwendungen vorzubereiten. Große multinationale Unternehmen dürften als Erste an Bord gehen; deren Anforderungen an grenzüberschreitende Zahlungen und das Liquiditätsmanagement machen sie für solche Unternehmens-Clients besonders attraktiv.
Häufige Fragen
Warum haben sich die vier größten US-Banken dafür entschieden, dieses Netzwerk über das Clearinghouse aufzubauen, statt es jeweils selbst zu entwickeln?
Das Clearinghouse wird von allen beteiligten Banken gemeinsam gehalten. Es fungiert als neutrale Brancheninfrastruktur und senkt so die doppelten Entwicklungskosten, die jede Bank unabhängig tragen müsste, während zugleich ein einheitlicher Standard geschaffen wird. Das gemeinsam entwickelte Netzwerkdesign hilft außerdem dabei, die Interoperabilität zwischen verschiedenen Institutionen sicherzustellen. So können Unternehmens-Kunden tokenisierte Einlagen zwischen unterschiedlichen Mitgliedsbanken übertragen, anstatt in einem geschlossenen Ökosystem nur einer einzelnen Bank festzustecken.
Welche Auswirkungen hat der Gesetzgebungsfortschritt des „CLARITY“-Gesetzes auf dieses Projekt?
Laut Bericht zeigt sich der Bankensektor zurückhaltend gegenüber den Bestimmungen im „CLARITY“-Gesetz, die Stablecoins eine Zinsfunktion erlauben. Man befürchtet, dass Stablecoins dem Bankensystem mehr Liquidität entziehen könnten. Der Aufbau eines Netzwerks für tokenisierte Einlagen ist demnach ein vorgelagertes Vorgehen der Banken. Ziel ist es, noch bevor das „CLARITY“-Gesetz offiziell verabschiedet ist und Stablecoins eine umfassendere rechtliche Legitimität erhalten, bereits eine Blockchain-basierte Zahlungsalternative aufzubauen, die auf dem bestehenden regulatorischen Rahmen beruht.
Inwiefern stehen JPMorgans JPM Coin und Einlagen-Token auf der Base Chain in Verbindung mit diesem gemeinsamen Netzwerk?
Der JPM Coin von JPMorgan läuft auf seiner privaten Blockchain und wird ausschließlich für interne institutionelle Zahlungen genutzt. Die Einlagen-Token, die auf der Coinbase Base Chain ausgegeben werden, sind ebenfalls nur für institutionelle Kunden zugänglich. Das gemeinsame Netzwerk wurde im neutralen Setup des Clearinghouses von mehreren Banken gemeinsam aufgebaut. Es handelt sich damit um ein eigenständiges Vorhaben, das unabhängig von JPMorgans bestehender Einzellösung ist. Der Originaltext macht keine Angaben dazu, ob zwischen beiden Plänen eine technische Integrationsabsicht besteht.