Afrikanische Staaten entwickeln zunehmend KI-Gesetzgebung nach Vorbildern der Standards der Europäischen Union, doch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Technologierecht argumentieren, dass dieser Ansatz die lokalen Gegebenheiten und Herausforderungen bei der Umsetzung ausblendet. Mauritius startete 2018 die erste nationale KI-Strategie des Kontinents, gefolgt von mehr als einem Dutzend afrikanischer Länder, die KI-Politiken verabschiedeten, sowie von der Afrikanischen Union, die einen kontinentalen Rahmen etablierte. Kenia und Äthiopien haben nun Entwürfe für KI-Gesetze vorgelegt, die das EU-gestützte risikobasierte Regulierungssystem übernehmen, während Marokko, Ägypten und Nigeria eine ähnliche Gesetzgebung prüfen. Forscher Kinfe Yilma von der University of Leeds und Grace Mutung'u von der Strathmore University warnen jedoch, dass das Übertragen europäischer Regulierungsrahmen das Risiko birgt, Gesetze zu schaffen, die eher Wunschvorstellungen bleiben und nicht durchgesetzt werden – ähnlich wie es dem Kontinent bei der Umsetzung bestehender Datenschutzgesetze ergeht.
Afrikanische Staaten übernehmen das EU-Modell risikobasierter KI-Regulierung
Sowohl die Entwürfe Kenias als auch die Äthiopiens übernehmen den risikobasierten Ansatz der Europäischen Union. Dieser Rahmen sieht vor, KI-Systeme je nach Art des Risikos zu regulieren, das sie darstellen: Systeme mit „nicht hinnehmbaren Risiken“ sind demnach gänzlich verboten, während Systeme mit geringeren Risiken bestimmte Anforderungen erfüllen müssen. Der KI-Gesetzentwurf Kenias führt den KI-Kommissar sowie den KI-Beratungsausschuss als Regulierungsbehörden für KI-Systeme im Land ein.
Datenschutzgesetze bleiben über den Kontinent hinweg weitgehend unvollzogen
Viele afrikanische Länder haben Datenschutzgesetzgebung erlassen, doch es fehlen bislang Aufsichtsstellen, oder die eingerichteten Stellen verfügen nicht über die Ressourcen, um Gesetze durchzusetzen. Die Forschenden halten fest, dass KI-Politiken eigentlich dazu dienen sollten, die Entwicklung von KI auf nationaler Ebene zu koordinieren, aber in manchen Ländern seien noch keine Institutionen geschaffen oder finanziert worden, die den Strategien Substanz verleihen könnten. Diese Umsetzungslücke wirft die Frage auf, ob neue KI-Gesetze vor ähnlichen Durchsetzungsproblemen stehen werden.
Forschende empfehlen einen kontextbezogenen Ansatz für Regulierung
Yilma und Mutung'u argumentieren, dass afrikanische Staaten KI-Gesetze brauchen, die auf einem konkreten Umgang damit basieren, was KI auf dem Kontinent tatsächlich tut. Sie benennen entscheidende Fragen, die der Regulierung vorausgehen sollten: Wie KI von Technologiefirmen eingesetzt wird, wie sie in öffentlichen Dienstleistungen genutzt wird, wer die von afrikanischen Nutzern erzeugten Daten kontrolliert, wer die Schäden trägt, wenn Systeme versagen, und wessen Interessen bleibt ungeschützt. Die Forschenden stellen außerdem fest, dass KI-gestützte Systeme zur Inhaltsmoderation bei afrikanischen Sprachen und in lokalen Kontexten schlecht abschneiden.
Äthiopien und Ruanda setzen KI in Gesundheits-Screening-Programmen ein
Äthiopien und Ruanda haben KI in Programmen zum Screening auf TB und Gebärmutterhalskrebs eingesetzt. Die Forschenden warnen jedoch, dass diese Umsetzung in einem regulatorischen Vakuum geschieht. Sie empfehlen, dass politische Entscheidungsträger einen stärker durchdachten und kontextualisierten Ansatz verfolgen, um KI-Risiken sinnvoll anzugehen. Solange keine robusten Regulierungsregime etabliert sind, schlagen die Forschenden vor, eine faktische Aussetzung (Moratorium) für den Einsatz von KI-Systemen mit hohem Risiko in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheitswesen ernsthaft in Betracht zu ziehen.
FAQ
Welches afrikanische Land hat die erste nationale KI-Strategie übernommen?
Mauritius legte 2018 seine nationale KI-Strategie fest und wurde damit zum ersten afrikanischen Land, das dies tat. Seitdem haben mehr als ein Dutzend afrikanischer Staaten nationale KI-Politiken übernommen, und die Afrikanische Union hat eine kontinentale KI-Strategie verabschiedet.
Welchen regulatorischen Ansatz haben Kenia und Äthiopien in ihren KI-Gesetzentwürfen übernommen?
Sowohl die Entwürfe Kenias als auch die Äthiopiens übernehmen den EU-gestützten risikobasierten Ansatz, bei dem KI-Systeme danach reguliert werden, welche Art von Risiko sie darstellen. Der Gesetzentwurf Kenias schreibt dabei konkret vor, den KI-Kommissar sowie den KI-Beratungsausschuss als Regulierungsbehörden für KI-Systeme im Land einzusetzen.