Meta-„Buy or Bury“-Strategie: FTC-Klage und GovChat-Duell im Detail untersucht

CryptoFrontier

Meta Platforms steht wegen seiner dominanten Marktstellung und seiner Akquisitionsstrategie erneut unter verstärkter Prüfung. In den USA und in Südafrika stellen Regulierungsbehörden infrage, was Kritiker als einen „buy or bury“-Ansatz im Umgang mit Wettbewerbsrisiken bezeichnen. Im Jahr 2020 reichte die Federal Trade Commission (FTC) gemeinsam mit 46 Bundesstaaten eine Kartellrechtsklage gegen Facebook (heute Meta) ein. Dabei wurde behauptet, dass die Käufe des Unternehmens von Instagram im Jahr 2012 und WhatsApp im Jahr 2014 – die die FTC zuvor genehmigt hatte – Meta geholfen hätten, Marktmacht im Social-Media-Sektor aufzubauen. Parallel dazu verfolgt die Competition Commission in Südafrika einen entsprechenden Fall rund um GovChat, eine Civic-Tech-Plattform, die Meta Berichten zufolge durch die Business Terms of Service von WhatsApp unterdrückt habe. Der Streit macht deutlich, dass es umfassendere Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Social Media auf die Gesellschaft gibt, insbesondere auf junge Menschen. Zudem wirft er Fragen auf, ob dominante Plattformen prozedurale Komplexität nutzen, um kleinere Wettbewerber auszustechen und länger durchzuhalten.

Metas Akquisitionsstrategie und die rechtliche Herausforderung durch die FTC

Laut Daryl Dingley, Partner bei Webber Wentzel, scheint Meta seine dominante Position routinemäßig zu nutzen, indem es entweder Wettbewerber kauft oder sie durch die Einschränkung des Zugangs zum Ökosystem schwächt. „Das ist eine Strategie, die als ‚buy or bury‘ bezeichnet wird. Und Facebook-CEO sowie -Gründer Mark Zuckerberg selbst sagte in einer E-Mail aus dem Jahr 2008, dass ‚es besser ist zu kaufen als zu konkurrieren‘“, so Dingley.

Die Klage der FTC führte dazu, dass das Gericht Meta zunächst im Dezember 2025 recht gab. Die FTC legte im Januar 2026 Berufung auf im Kern denselben Grundlagen ein. Metas Vorkehrungen für Rechtsstreitigkeiten und Schadensersatz belaufen sich offenbar auf über 6 Milliarden Euro. Im März 2026 stellte eine US-Jury fest, dass Meta und Google fahrlässig gehandelt hätten, weil sie Social-Media-Plattformen so gestaltet haben, dass sie schädlich für junge Menschen sind.

GovChat: Eine Erfolgsgeschichte im Bereich Civic Tech

Die Geschichte von GovChat begann 2016 als klar erkennbarer Erfolg im Bereich Civic Tech in Südafrika. Als offizielle Bürger-Behörden-Plattform für das Engagement wurde sie dem Department of Cooperative Governance and Traditional Affairs (CoGTA) zugeordnet. So konnten Bürger Störungen bei Dienstleistungen melden, etwa Wasser-Ausfälle, und die Leistung von Kommunen bewerten.

Laut Tandi Haslam, der ehemaligen Chief Financial Officer von GovChat, weitete sich die Wirkung der Plattform während der COVID-19-Pandemie dramatisch aus. „Während der COVID-19-Pandemie stieg die Nutzung stark. Die Plattform half Millionen bei der Suche nach Standorten für Teststellen, stellte Informationen zur Pandemie bereit und unterstützte bei den Abläufen für SASSA-Zuschüsse. Sie erreichte mit über 12 Millionen Nachrichten pro Tag über WhatsApp ihren Höhepunkt“, erklärt Haslam. „Sein leistungsstarkes Innovationsmodell hat anonyme Bürgerdaten gebündelt, um der Regierung ganzheitliche, Echtzeit-Einblicke über traditionell in Silos getrennte Ressorts hinweg zu geben. Das fördert Koordination, Reaktionsfähigkeit und Verantwortlichkeit – mit potenzieller globaler Anwendbarkeit.“

WhatsApp war die naheliegende Wahl als Kommunikationskanal, da 2020 bis zu 96% der aktiven Internetnutzer in Südafrika es mindestens monatlich nutzten.

Das Offboarding und der Rechtsstreit

Im Juli 2020 stellte Meta Benachrichtigungen aus, wonach GovChat nicht mit den Business Terms of Service von WhatsApp konform gewesen sei. Das Offboarding folgte im November 2020 trotz der Bemühungen von GovChat zur Abhilfe. Das südafrikanische Unternehmen wandte sich in demselben Monat an das Competition Tribunal.

GovChats Zusammenführung von Daten für bereichsübergreifende, öffentliche Einblicke habe Berichten zufolge gegen Metas Grenzen beim Umgang mit Daten und gegen Multi-Client-Strukturen verstoßen. Ein im März 2021 erlassenes Interdikt des Competition Tribunal bot zwar vorübergehenden Schutz, doch die lang anhaltende Unsicherheit ließ weitere Fundraising-Bemühungen von GovChat im Sande verlaufen. Das Unternehmen und sein bahnbrechendes Tool gingen stattdessen in den Business-Rescue-Prozess.

Eine fünfjährige rechtliche Reise

„Bisher erstreckt sich der rechtliche Weg von GovChat, der zäh von der Competition Commission und dem Startup verfolgt wird, über mehr als fünf Jahre – mit steigenden Rechtskosten und ohne ein abschließendes Ende in Sicht“, erklärt Daryl Dingley.

„Metas Strategie seit November 2020 ist eine, die Südafrikanern nur zu gut bekannt ist: ein ‚Stalingrad‘-Ansatz, der prozedurale Komplexität, ordnungsgemäße Verfahren und Verzögerung nutzt, um bei den Herausforderern erhebliche finanzielle und operative Belastungen zu erzeugen.“

Die größeren Einsätze

Ironischerweise behauptet Meta zwar, dass es dem GovChat schadete, wie GovChat mit WhatsApp interagierte – gleichzeitig nutzt das US-Unternehmen WhatsApp genau auf die gleiche Weise: Es nutzt Nutzerdaten aus WhatsApp, um Inhaltsempfehlungen und Werbung zu informieren, wenn dieselben Nutzer mit Instagram oder Facebook interagieren. Wie Tandi Haslam anmerkt, handelt es sich um ein geschlossenes System: Meta ist zugleich Spieler und Schiedsrichter in einem Spiel, das darauf ausgelegt ist, seine Dominanz fortzuschreiben.

„Die Einsätze reichen weit über ein einziges Startup hinaus. Südafrika hat einen bewährten Kanal für verantwortungsvolle Regierungsführung und eine reaktionsschnelle Bereitstellung von Dienstleistungen aufgegeben. Innovation leidet, wenn kritische Infrastruktur willkürlich entzogen wird – mitten in langen Streitigkeiten. Zudem tragen kleinere Firmen mit begrenzten Ressourcen unverhältnismäßig hohe Lasten, während Meta seine Macht weiter festigt“, sagt Haslam.

„Die Competition Commission verdient Anerkennung für ihre unerschütterliche Ausrichtung auf das öffentliche Interesse, trotz klarer Asymmetrien bei Ressourcen und Macht. Dass sowohl sie als auch GovChat beharrlich dranbleiben, zeigt, dass südafrikanische Institutionen und private Akteure sich nicht ohne Weiteres ergeben – weder gegenüber Monopolstellung, noch gegenüber Skalenvorteilen oder Verzögerungen, insbesondere nicht gegenüber ausländischen Unternehmen, deren Vorgehen auf Raubzug ausgelegt ist.“

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