Tiger Research hat gewarnt, dass die geplante „Innovation Exemption“ der SEC für tokenisierte Aktien die Aktienmärkte mit erheblichen Risiken umgestalten könnte – insbesondere durch die Fragmentierung der Liquidität über Blockchain-Ökosysteme hinweg. Berichten zufolge bereitet die SEC Regeln vor, die es Dritten ermöglichen würden, öffentlich gehandelte Aktien wie Apple und Tesla zu tokenisieren, ohne dass eine Genehmigung des Emittenten erforderlich wäre. Dadurch könnten tokenisierte Aktienversionen über Krypto-Plattformen und Blockchain-Netzwerke neben traditionellen Börsen wie der NYSE und Nasdaq gehandelt werden. Die Hauptsorge von Tiger Research richtet sich nicht gegen die Tokenisierung an sich, sondern gegen die Möglichkeit, dass dieselbe Aktie gleichzeitig an traditionellen Börsen, dezentralen Börsen, mehreren Krypto-Plattformen und offshore Token-Trading-Plattformen gehandelt wird. Das würde den Order-Flow über getrennte Liquiditätspools zerstreuen und die Preisfindung sowie die Markteffizienz schwächen.
Signale für Marktwachstum: Momentum
Trotz regulatorischer Bedenken wachsen Märkte für tokenisierte Vermögenswerte rasch. Laut TradingView stieg das Open Interest für Hyperliquids tokenisierte Real-World-Assets (RWA) auf einen Allzeithoch-Wert von $2,6 Milliarden und verdoppelte sich innerhalb von etwa zwei Monaten. Dieses Wachstum spiegelt eine bedeutende Skalierung in der Tokenisierungs-Trading-Infrastruktur wider.
Das Momentum hinter der Tokenisierung hat inzwischen regulatorische Aufmerksamkeit erhalten. Die pro-Krypto-SEC-Kommissare Paul Atkins und Hester Peirce skizzierten im Februar einen neuen Tokenisierungsrahmen und schlugen Rechte zur Tokenisierung durch Dritte vor. Diese sollen es erlauben, dass Brokerages und Handelsplattformen Versionen öffentlich gehandelter Aktien erstellen, ohne eine direkte Genehmigung der Unternehmen zu benötigen, die die Anteile halten. Bloomberg berichtete, dass die SEC der Idee aufgeschlossen gegenübersteht.
Liquiditätsfragmentierung und Marktrisiken
Tiger Research sieht die Liquiditätsfragmentierung als die größte Bedrohung des Rahmens. Unter der vorgeschlagenen Struktur könnte dieselbe Aktie gleichzeitig über mehrere voneinander getrennte Handelsplätze gehandelt werden. Das würde den Order-Flow streuen und potenziell die Markteffizienz schwächen.
Maja Vujinovic, CEO für Digital Assets bei FG Nexus, warnte vor diesem Risiko: „Märkte könnten sich in getrennte Pools aufspalten und gefährliche Preis-Tracking-Fehler verursachen.“
Aktionärsrechte und regulatorische Überlegungen
Berichten zufolge könnte die geplante SEC-Ausnahme nur tokenisierte Aktien zulassen, die die traditionellen Aktionärsrechte bewahren, etwa Dividenden und Zugang zu Stimmrechten. Synthetische Expose-Produkte ohne tatsächliche Eigentumsrechte könnten Berichten zufolge ausgeschlossen werden.
Wettbewerbskräfte und Marktanteile
Tiger Research verwies auf ein früheres Beispiel mit einem südkoreanischen ETF. Dort habe regulatorische Zurückhaltung angeblich dazu geführt, dass ausländische Märkte erhebliche Nachfrage und Vermögenswerte anziehen konnten, die andernfalls im Inland geblieben wären. Die Analyse legt nahe, dass Jurisdiktionen, die zu langsam auf das Risiko tokenisierten Finanzwesens reagieren, Marktanteile und finanziellen Einfluss global verlieren könnten.
Regulierer und Finanzinstitute diskutieren nicht mehr, ob Blockchain die Kapitalmärkte beeinflussen wird, sondern wie viel Risiko sie in die bestehende Marktstruktur bringen könnte.