
Pinterest gab am 17. Juni, kurz vor dem Cannes Lions Creative Festival, die Einführung der experimentellen KI-Shopping-App „Ask Pinterest“ bekannt. Dabei nutzt Pinterest den „Taste Graph“ (eine interne Daten-Grafik, die Nutzer in Echtzeit mit ihren Interessen und ästhetischen Vorlieben verknüpft). Die App bietet ein dialogbasiertes Einkaufserlebnis, bei dem der Kontext über mehrere Sessions hinweg erhalten bleibt.
Der Taste Graph von Ask Pinterest und die Shopping-Funktion mit Dialog über mehrere Sessions
Der Kern von Ask Pinterest liegt darin, mit Hilfe des „Taste Graph“ von Pinterest kontextbewusste Produktempfehlungen zu liefern. Nutzer können mehrstufige, komplexe Anfragen stellen, etwa „Hilf mir, eine Dinner-Party zu planen“ oder „Ich möchte in drei Monaten diese Wohnung nach und nach einrichten“. Die App wird dann Vorschläge auf Basis der bisherigen Pins und Boards der Nutzer machen.
Die wichtigste Differenzierung ist die kontextbezogene Speicherung über mehrere Sessions hinweg: Letzte Woche nachgesuchte skandinavische Sofas und die vorletzten Tage gespeicherten Tisch-Deko-Ideen merkt sich Ask Pinterest und integriert sie natürlich in spätere Empfehlungen. Pinterest CBO Lee Brown sagte in der offiziellen Ankündigung: „Zukünftige Produktentdeckung wird sich nicht nur durch Keywords gestalten, sondern durch Kontext, Geschmack und vertrauenswürdige Empfehlungen.“
KI-Shopping-Pläne von Google, Amazon, Meta und die differenzierte Linie von Pinterest
Der Hintergrund für die Veröffentlichung von Ask Pinterest ist ein entscheidender Moment im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Verbraucher zwischen KI-Chatbots und traditionellen Suchmaschinen: Google hat bereits KI-Shopping-Funktionen eingeführt (für Produkterkennung, Preisverfolgung und AI-Agenten-Checkout); ChatGPT brachte 2025 ein agentenbasiertes Einkaufssystem auf den Markt; auch Meta und Shopify bauen aktiv im Bereich KI-Commerce auf.
Pinterests Weg unterscheidet sich klar von den genannten Wettbewerbern: Es entscheidet sich dafür, eigene Daten-trainierte KI-Modelle zu nutzen und eigene KI-Produkte anzutreiben, statt Empfehlungsdaten für Produkte über Lizenzvereinbarungen an Drittanbieter-KI-Dienste weiterzugeben.
Gleichzeitig veröffentlichte KI-Tools für Werbetreibende: Performance+ creative mit globalem Rollout, Pinterest MCP-Infrastruktur
Pinterest veröffentlichte parallel drei Tools für Werbetreibende:
US Ads Manager AI-Assistent (Beta-Version): Unterstützt Werbetreibende bei der Optimierung von Ausspielungen und befindet sich derzeit in der Testphase.
Performance+ creative: Ein neues KI-Modell, das bereits weltweit live ist. Es kann bei jeder Werbeausspielung automatisch aus mehreren Werbemotiven denjenigen auswählen, der die voraussichtlich beste Performance liefern wird, und dann ausspielen.
Pinterest Model Context Protocol (MCP)-Infrastrukturschicht: Ermöglicht es Werbetreibenden, Werbeaktivitäten auf standardisierte Weise über Tools von Drittanbieter-Agenten zu verwalten und zu überwachen. Das Konzept ähnelt den von Anthropic vorgeschlagenen MCP-Open-Standards, ist jedoch für die Werbe-Ökosysteme zugeschnitten.
Häufige Fragen
Ersetzt Ask Pinterest die bestehende Pinterest-Haupt-App?
Laut den offiziellen Angaben von Pinterest ist Ask Pinterest eine eigenständige experimentelle App. Kurzfristig wird sie die Nutzungserfahrung der Haupt-App nicht beeinträchtigen. Sie ist als Testumgebung für die KI-Shopping-Funktionen positioniert. Pinterest sagt, dass die Ergebnisse von Ask Pinterest nach und nach in die Haupt-App einfließen und die Basis für die KI-Funktionen des Flaggschiffs bilden werden.
Was ist der Taste Graph, und wie integriert er sich in Ask Pinterest?
Laut der Beschreibung im Artikel ist der Taste Graph eine interne Daten-Grafik von Pinterest, die Nutzer mit ihren Interessen und ästhetischen Vorlieben in Echtzeit verbindet. Ask Pinterest nutzt den Taste Graph, um die bisherigen gespeicherten Pin-Bilder und Boards der Nutzer zu analysieren, diese Vorlieben in einem Dialog über mehrere Sessions hinweg fortlaufend zu bewahren und so kontextbewusste Produktempfehlungen zu geben, statt statische Ergebnisse auf Basis einer einzelnen Keyword-Suche.
Welche Verbindung besteht zwischen der Pinterest MCP-Infrastrukturschicht und dem MCP-Standard von Anthropic?
Laut dem Artikel ist Pinterest MCP eine standardisierte Werbeverwaltungsvereinbarung, die Pinterest für das Werbe-Ökosystem entworfen hat. Sie „ähnelt dem von Anthropic vorgeschlagenen Konzept eines MCP-Open-Standards“, ist jedoch speziell für die Verwaltung und Überwachung von Werbeaktivitäten zugeschnitten und keine direkte Weiterentwicklung oder lizenzierte Implementierung des Anthropic MCP.