Der KI-Boom sorgt für einen explosionsartigen Chip-Bedarf: Die Kapazitäten von TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) für fortschrittliche Fertigungsprozesse sind bei mehreren Großkunden bereits bis mindestens 2028 ausgebucht. Dadurch werden Tech-Giganten wie Apple und AMD gezwungen, ihre Lieferquellen zu diversifizieren. Samsung Electronics’ Auftragsfertigung ist in diesem Szenario der größte Gewinner.
KI-Welle triggert Chip-Knappheit, TSMC allein reicht nicht aus
Die schnelle Expansion der KI-Nachfrage verändert die weltweite Halbleiter-Lieferkettenstruktur neu. Während sich KI von Chatbots für Frage-und-Antwort hin zu „agentic AI“ (KI, die Aufgaben eigenständig ausführen kann) entwickelt, steigt die Nachfrage nach GPU und CPU parallel stark an. Der größte Druck dieser Nachfrage landet dabei praktisch vollständig bei TSMC.
NVIDIA, Apple, Tesla und andere Tech-Giganten buhlen gleichzeitig um TSMCs Kapazitäten für 2-Nanometer- und feinere Fertigungsprozesse. Wie die südkoreanische Medienberichterstattung Edaily berichtet, sind diese Kapazitäten bereits über 2028 hinaus vorbestellt. TSMC ist zwar die global technologisch führende Chip-Wafer-Fundry, kann jedoch die dringenden Anforderungen aller Kunden nicht gleichzeitig bedienen.
AMD zu Samsung wechseln? TSMCs Kapazitätslage wird zum Hauptgrund
Laut Brancheninformationen steht AMD in jüngster Zeit mit dem Auftragsfertigungsbereich von Samsung Electronics in konkreten Gesprächen über Chip-Bestellungen für 2-Nanometer-Prozesse. Im März besuchte der AMD-CEO Su Zifeng (Lisa Su) Korea und besichtigte nach dem Aufenthalt bei Samsungs Werk in Pyeongtaek die Zusammenarbeit; beide Seiten wollen demnächst beschleunigen, mit Ergebnissen in absehbarer Zeit.
Als derzeit wichtiger Akteur im CPU-Markt profitiert AMD vom KI-getriebenen Anstieg der CPU-Nachfrage. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 10,3 Milliarden US-Dollar, das entspricht einem Plus von 38% im Jahresvergleich. Allerdings ist die CPU-Produktion von AMD in hohem Maße auf TSMC angewiesen. Angesichts der Realität, dass TSMCs Aufträge übervoll sind, wird die Kontaktaufnahme zwischen AMD und Samsung als Strategie zur Diversifizierung der Lieferkette interpretiert – nicht als Hinweis darauf, dass Samsungs Fertigungstechnologie TSMC bereits überholt habe.
Da Samsungs Auftragsfertigung die Ausbeute (Yield) für den 2-Nanometer-Prozess weiterhin gezielt verbessert, wäre eine zustande kommende Bestellung ein wichtiges Gütesiegel für Samsungs technischen Fortschritt.
(TSMCs „Sprint auf 1-Nanometer“ im Duell mit Samsungs „Absicherung von 2-Nanometer“ – die beiden Platzhirsche der Wafer-Fertigung gehen auseinander)
Apple klopft bei Intel und Samsung an – für Chip-Redundanz, nicht für einen Wechsel
AMD ist nicht der einzige Großkunde, der wegen der TSMC-Kapazitätsengpässe vor verschlossenen Türen steht. Letzte Woche teilte Apple mit, dass das Unternehmen bereits in frühen Gesprächen mit Intel und Samsung über Auftragsfertigungsdienste steht. Ziel ist es, außerhalb von TSMC einen zusätzlichen Lieferweg für Chips aufzubauen. Dafür wurden hochrangige Mitarbeiter entsandt, um die fortschrittlichen Chip-Fabriken von Samsung in Texas vor Ort zu besichtigen. Der Grund sind die doppelte Belastung: Der Ausbau von KI-Rechenzentren sowie die Mac-Verkäufe laufen deutlich stärker als erwartet, was zu einer Verknappung der Versorgung führt.
Apple-CEO Tim Cook gab zudem in einer Telefonkonferenz zu den Finanzergebnissen offen zu, dass die Chipknappheit bei iPhone und Mac den Wachstumsspielraum des Unternehmens einschränkt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Apple vorhat, den Lieferanten zu wechseln. Branchenweit wird davon ausgegangen, dass Intel und Samsung kurzfristig nicht die gleiche Größenordnung bei Kapazität und Ausbeute wie TSMC liefern können. Dank tiefgreifender technologischer Erfahrung und der langjährigen Zusammenarbeit über mehr als zehn Jahre bleibt TSMC mittelfristig der zentrale Lieferant, den Apple kurzfristig nur schwer ersetzen kann.
(Apple sucht bei Intel und Samsung Auftragsfertigungs-Chips – TSMC-Alleinposition steht vor Herausforderungen)
Samsung als „zweiter Platz“ bei der Auftragsfertigung? Geopolitik könnte den Kurs beschleunigt umschichten
In dieser Welle der Umstrukturierung der Lieferketten ist Samsungs Auftragsfertigung der unmittelbarste Profiteur. Neben den Gesprächen mit Apple und AMD hat Samsung auch offiziell bestätigt, den Auftrag für Teslas nächsten KI-Chip „AI6“ zu sichern und gleichzeitig die Produktion von „AI5“ zu übernehmen. Ab dem kommenden Jahr sollen in Samsungs Werk in Taylor, Texas, 2-Nanometer- und feinere Chips in Serie gefertigt werden – als Grundlage, um für die Auftragsfertigung wieder zur Profitabilität zurückzukehren.
Besonders zu beachten ist, dass die treibende Kraft hinter dieser Verlagerung nicht nur die Kapazitäten sind, sondern auch die Geopolitik. Apple-CEO Tim Cook hatte bereits 2022 davor gewarnt, 60% der Kapazitäten auf eine einzige Region zu konzentrieren. Das könnte keine kluge strategische Entscheidung sein. Das Risiko der Lage zwischen den beiden Seiten der Taiwanstraße wurde dabei zudem langfristig als Problem eingestuft, das gelöst werden muss.
Vor diesem Hintergrund hat sich die Motivation der Tech-Giganten, ihre Lieferketten zu diversifizieren, von einer rein kapazitätsbezogenen Betrachtung hin zu einem Aspekt der nationalen Sicherheit ausgeweitet. Auch wenn TSMC weiterhin der globale Branchenprimus in der Auftragsfertigung bleibt, könnte sich mit dem Schritt von Intel und Samsung in die Auftrags-Landkarte wichtiger Kunden die langfristige Verhandlungsmacht sowie der Anteil an Bestellungen weiter verwässern.
Dieser Artikel über AMDs Suche nach Auftragsfertigungs-Chips bei Samsung, während TSMCs Kapazitäten in Bedrängnis geraten und die Herausforderungen durch eine stärkere Lieferketten-Diversifizierung früh sichtbar werden, ist zuerst erschienen bei Kettennews ABMedia.