
Das KI-Unternehmen Anthropic hat am 2. Juni angekündigt, bei der US-Börsenaufsicht (SEC) einen vertraulichen IPO-Antrag eingereicht zu haben, mit dem Plan, im Jahr 2026 an der US-Börse erstmals an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Emissionspreis und die Anzahl der Aktien sind noch nicht festgelegt. Die Bewertung der jüngsten privaten Finanzierungsrunde von Anthropic liegt inzwischen bei über 965 Milliarden US-Dollar und damit höher als die Bewertung von OpenAI mit 852 Milliarden US-Dollar.
Die bestätigte finanzielle Lage von Anthropic
Anthropic hat Investoren mitgeteilt, dass das Unternehmen voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 profitabel sein wird, da die Umsätze aus Produkten und Services rund um Claude stark gestiegen sind. SpaceX und OpenAI sind derzeit beide nicht profitabel. Anthropic wurde vor fünf Jahren vom CEO Dario Amodei und mehreren weiteren Führungskräften gegründet. Diese Gründer hatten zuvor bei OpenAI gearbeitet, waren aber nach Unstimmigkeiten mit Sam Altman ausgestiegen; beide Unternehmen sind seitdem zu erbitterten Konkurrenzgegnern im KI-Bereich geworden.
Bestätigte DoD-Auseinandersetzung
Die Vertragsstreitigkeiten zwischen Anthropic und dem US-Verteidigungsministerium (DoD) begannen Ende 2024: Das DoD bestand darauf, in einen 200-Millionen-US-Dollar-Vertrag Klauseln aufzunehmen, die Regierungsstellen erlauben, KI-Tools wie Claude für „jede rechtmäßige Nutzung“ einzusetzen. Amodei äußerte öffentlich Bedenken hinsichtlich potenzieller großflächiger innerstaatlicher Überwachung oder autonomer Waffenanwendungen. Präsident Trump kritisierte das Unternehmen, und Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte an, dass jede US-Behörde die Nutzung von Claude untersagt bekommt. Anthropic reichte daraufhin Klage gegen die Regierung ein. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung der BBC war die Klage weiterhin anhängig; das Weiße Haus habe zuletzt Signale gesendet, dass sich die Spannungen etwas gelockert hätten, aber es gab keine offizielle Vergleichsankündigung.
Analysten zitiert
Troy Hooper, Leiter des Aktienkapitalmarktteams bei Mergermarket, sagte: „Sowohl Anthropic als auch OpenAI möchten nicht das letzte börsennotierte große KI-Reine Unternehmen sein. Wer zuerst kommt, hat die Chance, wirklich zu definieren, wie der öffentliche Markt generative KI bewertet, und eine Benchmark aufzubauen, an der sich Investoren künftig orientieren können.“
Pitchbook-Analyst Harrison Rolfes bezeichnete den IPO von Anthropic als „den am stärksten beachteten Börsengang der Technologiegeschichte“; Investoren würden seine Gewinnspannen, Umsätze und die Ertragskraft besonders genau prüfen. Rolfes verwies darauf, dass Anthropic und SpaceX, wenn sie im selben Zeitraum an die Börse gehen, „die kapitalmäßig größte Konzentration vor einem IPO darstellen, die es je gab – und zwar bei einem gleichzeitigen Markteintritt in dieser Größenordnung“.
Häufige Fragen
Wie wurde die Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar für Anthropic ermittelt?
Diese Bewertung basiert auf der jüngsten Finanzierungsrunde mit privaten Investoren und spiegelt die Erwartungen der Anleger an das zukünftige Wachstum wider – und liegt damit über der privaten Bewertung von OpenAI mit 852 Milliarden US-Dollar. Beide Bewertungen beruhen auf Annahmen über künftiges Wachstum, nicht auf bereits realisierten finanziellen Ergebnissen.
Ist Anthropic derzeit bereits profitabel?
Anthropic hat Investoren mitgeteilt, dass das Unternehmen aufgrund des starken Anstiegs der Umsätze aus Verkäufen im Zusammenhang mit Claude voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 profitabel sein wird. Demgegenüber sind SpaceX und OpenAI derzeit beide nicht profitabel.
Wie sieht der aktuelle Stand des Rechtsstreits zwischen Anthropic und dem DoD aus?
Zum Zeitpunkt der Berichterstattung der BBC vom 2. Juni ist die Klage weiterhin anhängig. Das Weiße Haus habe zuletzt Signale gesendet, dass sich die Spannungen etwas gelockert hätten, aber der Rechtsstreit sei noch nicht öffentlich mit einem Vergleich abgeschlossen. Zu den Beschränkungen rund um die Nutzung von Claude durch das DoD gab es in dieser Berichterstattung keine eindeutigen Aktualisierungen.