Am 12. Juni 2026 wird SpaceX an der Nasdaq zu einem Preis von 135 US-Dollar je Aktie notieren, mit dem Ticker „SPCX“. Das Basis-Emissionsvolumen beträgt 75 Milliarden US-Dollar, die Gesamtbewertung liegt bei rund 1,77 Billionen US-Dollar. Das ist nicht nur das größte IPO in der Geschichte der globalen Kapitalmärkte, sondern könnte auch das prägendste Kapitalereignis des Jahres 2026 werden.
Doch unmittelbar vor dem Börsengang hat es bei den KI-Chip-Aktien seit Monaten die heftigsten Abverkäufe gegeben. Am 5. Juni brach der Philadelphia Semiconductor Index an einem Tag um mehr als 10% ein und löschte damit über 1 Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung aus; der Nasdaq-Index fiel um mehr als 4%. Am selben Tag fiel Bitcoin unter die 60.000-US-Dollar-Marke und rutschte zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2024.
Gibt es zwischen diesen beiden Markt-Auffälligkeiten einen inneren Zusammenhang? Ist der Börsengang von SpaceX eher eine „Vakuumpumpe“ oder ein „Katalysator“?

Marktbeobachter sind sich weitgehend einig, dass das riesige IPO von SpaceX eine Mittelverdrängungswirkung auf bestehende riskante Vermögenswerte hat. Der Grund liegt in der beispiellosen Größenordnung.
Das Basis-Emissionsvolumen des IPO liegt bei 75 Milliarden US-Dollar und hat damit den bisherigen Rekord von Saudi Aramco übertroffen (29,4 Milliarden US-Dollar). Wenn Zeichner von der Option auf Mehrzuteilung Gebrauch machen, kann sich das Gesamtvolumen auf 86,2 Milliarden US-Dollar erhöhen. Noch wichtiger: SpaceX verteilt bis zu 30% der Aktien direkt an Privatanleger – deutlich mehr als bei traditionellen IPOs (etwa 5% bis 10%). Das bedeutet: Privatanleger, die sich an der Zeichnung beteiligen wollen, müssen vermutlich bestehende Positionen verkaufen, um Liquidität umzuschichten.
Tatsächlich zeigen sich bereits Anzeichen für eine Mittelverdrängung in mehreren Anlageklassen. Der US-Index „Tech Seven“ ist im vergangenen Monat nur um 2% gestiegen – weniger als die Hälfte der Zuwächse des S&P 500. Im Kryptomarkt verzeichneten die Spot-Bitcoin-ETFs bis zum 3. Juni bereits 13 Handelstage in Folge Nettoabflüsse; die kumulierten Rücknahmen liegen bei rund 4,4 Milliarden US-Dollar.
Allerdings muss man festhalten: Obwohl das SpaceX-IPO riesig ist, ist es nicht der einzige Faktor. Im gleichen Zeitraum hat Anthropic heimlich die Unterlagen für ein Börsenzulassungsverfahren eingereicht; auch OpenAI plant, in den nächsten Wochen einen IPO-Antrag zu stellen. Die kombinierte Marktkapitalisierung der drei Unternehmen liegt bei fast 4 Billionen US-Dollar. Der eigentliche Druck auf die Mittel entsteht durch das parallele Aufeinandertreffen mehrerer IPOs und die dadurch entstehende Angebotsflut – nicht durch ein einzelnes Unternehmen wie SpaceX.
Der Absturz im KI-Chip-Sektor lässt sich nicht einfach auf das SpaceX-IPO zurückführen. Der Auslöser lässt sich zurückverfolgen: Am 5. Juni übertrafen die US-Arbeitsmarktdaten für Mai die Erwartungen deutlich. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen lag bei 172.000 – nahe dem doppelten Wert der Erwartung. Genau diese Daten waren der direkte Zündfunke. Dadurch wurden die Markt-Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank 2026 auf 63% angehoben; die Wahrscheinlichkeit weiterer Erhöhungen vor Januar 2027 liegt bei nahezu 100%.
Für Tech-Wachstumsaktien, deren hohe Bewertungen häufig durch ein Niedrigzinsumfeld gestützt werden, bedeutet ein zunehmender Zinsanstiegsdruck: Die Diskontierungsrate steigt – und damit werden Bewertungsmultiples komprimiert. Der Markt reagierte schnell: Der Philadelphia Semiconductor Index fiel an einem Tag um mehr als 10% und markierte damit den größten Tagesverlust seit März 2020. Broadcom brach nach einem enttäuschenden Quartalsbericht um über 12% ein; ARM und Micron fielen jeweils um etwa 4% und 8%.
Der Abverkauf setzte sich anschließend in Asien fort. Der südkoreanische KOSPI-Index stürzte an einem Tag um 8,8%; der japanische Nikkei-225 fiel um 3,85%. Auch hier waren die stärksten Verluste bei KI- und Halbleiteraktien zu beobachten.
Bemerkenswert ist, dass einige Institute die Art des Rückgangs unterschiedlich einordnen. Das Strategie-Team von GF Securities rekonstruierte fünf historische Fallstudien wie den Tech-Internet-Zyklus und die KI-Welle und sagte: „Keine historische Fallstudie zeigt, dass ein Zinsanstieg und eine Schrumpfung der Liquidität für Tech-Aktien ungünstig sind oder zu einem Bewertungs-Kill für Growth-Aktien führen.“ Diese Logik existiere eher in den Annahmen von Diskontsatz-Modellen. Aus dieser Sicht wirkt der aktuelle Rückgang mehr wie eine phasenweise Überreaktion des Marktes auf Zinserwartungen – statt wie eine echte, nachhaltige Umkehr des KI-Industrie-Trends.
Stand 10. Juni 2026 hat sich die Differenzierung im KI-Chip-Sektor weiter verschärft; zwischen verschiedenen Titeln zeigen sich klare Unterschiede sowohl bei der Mittelknappheit als auch bei der Fundamentaldynamik.
Applied Optoelectronics (AAOI) wurde in dieser Korrektur am stärksten getroffen. Am 9. Juni fiel die Aktie um 17,17% auf 162,88 US-Dollar. Innerhalb des Tages testete sie zeitweise ein Tief von 160,87 US-Dollar, das Tageshoch lag bei 207,60 US-Dollar. Die Schwankungsbreite am Tag betrug damit 23,76%. In den vergangenen 5 Handelstagen summierte sich der Rückgang auf 19,51%; seit Jahresbeginn liegt die Performance weiterhin bei 367,24% im Plus, und über die vergangenen 52 Wochen beträgt das Plus 865,50%. Der Kern, der die Bewertung von AAOI zuvor nach oben getrieben hat – steigende Nachfrage nach Hochgeschwindigkeits-Optik/Optical Interconnects in KI-Rechenzentren, knappe Fertigungskapazitäten bei Lasern sowie Unterstützung durch US-Heimatproduktionspolitik – hat sich auf der Fundamentalseite nicht geändert. Aber nachdem die Bewertung stark gestiegen ist, ist die Sensitivität des Marktes für jede marginale Veränderung deutlich höher geworden.
Micron Technology (MU) ist besonders aussagekräftig. Am 4. Juni brach die Aktie an einem Tag um 7,74% ein; intraday rutschte sie kurzzeitig unter die 1.000-US-Dollar-Marke und schloss bei 996 US-Dollar. Nachdem sie am 8. Juni um 9,87% auf 949,28 US-Dollar zurückkam, fiel sie am 9. Juni erneut um 1,41% und schloss bei 935,89 US-Dollar. Bis zum 9. Juni hatte Micron in den vergangenen 5 Handelstagen insgesamt 12,05% verloren, ist seit Jahresbeginn aber weiterhin um 227,91% im Plus; über 52 Wochen beträgt das Plus 743,52%. Auffällig: Der Handelsumsatz an dem Tag lag bei 67,067 Milliarden US-Dollar und damit auf Platz 1 in den US-Aktien; deutlich vor anderen Titeln. Trotz eines sehr hohen Handelsvolumens fiel die Aktie nur leicht – das zeigt, dass sich Käufer und Verkäufer an dieser Stelle in einem harten Positionskampf befinden.
Der Speicher-Gigant SK Hynix zeichnete hingegen eine scharfe V-förmige Erholung. Am 5. Juni, am Tag des KI-Aktienunglücks, fiel SK Hynix zusammen mit dem breiten Markt deutlich. Am 4. Juni war dann jedoch Nvidias CEO Jensen Huang in Seoul und unterzeichnete mehrere AI-Kooperationsvereinbarungen, darunter eine mehrjährige Partnerschaft zu KI-Speichertechnologien mit SK Hynix. Jensen Huang rief in Seoul öffentlich: „Egal, was der Aktienmarkt macht – du solltest dich freuen, denn jetzt kannst du mit Rabatt kaufen.“ Daraufhin sprang der südkoreanische KOSPI-Index am 9. Juni um 8,18% nach oben; praktisch innerhalb eines Tages holte er fast den Einbruch des Vortages von 8,29% wieder auf. SK Hynix schoss an einem Tag um 15,91% nach oben, Samsung Electronics stieg um 8,97%. Stand 10. Juni notierte SK Hynix vorläufig bei 2.097.000 Südkoreanischen Won; in den letzten 24 Stunden betrug der Rückgang 5,33%.
Auch Broadcom (AVGO) geriet nach den Quartalszahlen unter starken Druck. Broadcom meldete für das zweite Geschäftsquartal einen neuen Umsatzrekord von 22,19 Milliarden US-Dollar sowie eine Verdopplung der Umsätze aus dem KI-Halbleiterbereich; dennoch fiel die Aktie am 4. Juni an einem Tag um 12,59%, weil das Management nicht bereit war, die Zielvorgaben für den Jahresumsatz im KI-Halbleitergeschäft nach oben zu korrigieren. Das war der größte Tagesverlust in der Unternehmensgeschichte. Stand 10. Juni lag Broadcom bei 388,38 US-Dollar; in den vergangenen 5 Handelstagen betrug der kumulierte Rückgang 13,78%, seit Jahresbeginn verengte sich das Plus auf 14,59%.
Im Vergleich dazu fiel ARM (ARM) noch stärker. Stand 10. Juni notierte ARM bei 324,86 US-Dollar; in den vergangenen 5 Handelstagen betrug der kumulierte Rückgang 19,33%, seit Jahresbeginn bleibt es jedoch bei +197,19%. Betrachtet man das Kurs-Gewinn-Verhältnis, liegt das aktuelle TTM-KGV von ARM bei 393 – damit gehört es zu den extremsten Bewertungswerten im KI-Chip-Sektor.
Aus den obigen Daten wird deutlich: Der KI-Chip-Sektor ist aktuell stark differenziert. Es gibt Titel mit fixierten HBM-Aufträgen und Vorteilen durch die Abstimmung in der Lieferkette (wie SK Hynix), die nach deutlichen Rücksetzern schnell zurückspringen. Titel mit extrem hohen Bewertungen und ohne klaren fundamentalen Rückhalt (wie ARM) fallen stärker. Und Micron, mit aktiverem Handel, aber hoher Sensitivität gegenüber makroökonomischen Variablen, befindet sich in einer Phase eines intensiven Duells zwischen Bullen und Bären.
Die Bewertung von SpaceX in Höhe von 1,77 Billionen US-Dollar liefert an sich bereits wichtige Referenzkoordinaten für den gesamten Tech-Sektor. Wenn ein Unternehmen mit weniger als 20 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem Nettoverlust von nahezu 5 Milliarden US-Dollar mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von knapp 92 im öffentlichen Markt ankommt, muss der Markt die Angemessenheit der Bewertungen anderer Tech-Aktien zwangsläufig neu prüfen.
Ein unabhängiges Research-Unternehmen, Morningstar, gibt eine deutlich aggressivere Einschätzung. Morningstar hält den beizulegenden Zeitwert von SpaceX für etwa 780 Milliarden US-Dollar – weniger als die Hälfte der Zielbewertung. Eines der zentralen Argumente lautet: „Das frisch erworbene KI-Geschäft könnte eine bedeutende Bedrohung für den Unternehmenswert werden“. SpaceX hatte im Februar 2026 das von Elon Musk gegründete KI-Unternehmen xAI übernommen. xAI verzeichnete im ersten Quartal rund 2,5 Milliarden US-Dollar Verlust und belastete damit die Gesamtperformance von SpaceX spürbar.
Beim Vergleich auf Bewertungsniveau fällt auf: Die EBITDA-Multiples von SpaceX liegen bei 175 – deutlich höher als bei den meisten großen Tech-Unternehmen. Diese Bewertung erzeugt eine widersprüchliche Dynamik: Einerseits zieht sie Kapital an, andererseits könnte sie beim Markt Sorgen vor einer Blasenbildung im gesamten Tech-Bereich auslösen. Sobald der Markt das Vorliegen eines „teuren IPOs“ erkennt, wird der ohnehin überfüllte KI-Trend zwangsläufig stärker überprüft – und es entsteht zusätzlicher Vorsichtsmodus.
Auch im Kryptomarkt sind die Auswirkungen dieser Phase der Volatilität deutlich. Am 5. Juni fiel der Bitcoin-Preis zeitweise unter 60.000 US-Dollar; Ethereum verzeichnete einen Tagesverlust von 11% und innerhalb der Woche einen Rückgang von mehr als 20%. Doch ist dieser Rückgang im Kryptomarkt ein direkter Schock durch das SpaceX-IPO – oder Teil einer breiteren Risiko-Reduktion?
Aus On-Chain-Daten ergibt sich eine gewisse Komplexität. Zwar spekulieren Marktteilnehmer, dass einige Krypto-Investoren Bitcoin verkaufen, um sich für SpaceX zu zeichnen; aber die Abflüsse bei den Stablecoins USDT und USDC zeigen keine Auffälligkeiten und bewegen sich weiterhin in einem normalen Bereich seit Februar dieses Jahres. Im Gegenteil: Am 6. Juni verzeichneten Bitcoin und Ethereum jeweils etwa 66.470 BTC bzw. 2,49 Millionen ETH als Nettoabflüsse von den Börsen. Das deutet darauf hin, dass manche Anleger eher in private Wallets wechseln und „kaufen, wenn es günstiger ist“, statt alles auf einmal zu liquidieren.
Der eigentliche Abflüssedruck kommt aus dem Spot-ETF-Bereich. Seit Anfang Juni verzeichnen US-Spot-Bitcoin-ETFs mehrere Tage in Folge Nettoabflüsse; die kumulierten Rücknahmen liegen bei rund 4,4 Milliarden US-Dollar. Die Investoren dieser ETFs sind vor allem institutionelles Kapital. Deren Allokationslogik ähnelt stärker klassischem Portfoliomanagement – und die Sensitivität gegenüber IPO-Angeboten ist entsprechend höher. Wintermute weist darauf hin, dass die ETFs im Mai kumuliert rund 2,97 Milliarden US-Dollar abflossen. Das spiegelt wider, dass US-Institutionen weiterhin Kapital abziehen und der Markt nicht genügend neuen Kaufdruck erhält, um dies aufzufangen.
Darüber hinaus haben auch Krypto-Unternehmen wie Kraken, Ledger und Grayscale ihre IPO-Pläne für 2026 bereits gestoppt – aufgrund einer schwächeren Marktstimmung. Das bedeutet: Der KI-Sektor zieht nicht nur Kapital aus der Investment-Seite ab, sondern konkurriert auch um den Markt für IPO-Finanzierungen, die vorher bei Krypto-Unternehmen verfügbar waren.
In der Gesamtschau wirkt der Rückgang im Kryptomarkt eher wie ein Ergebnis, bei dem mehrere Faktoren gleichzeitig wirken: Das SpaceX-IPO lenkt Privatanleger-Gelder um; der KI-Boom zieht institutionelles Kapital aus der Allokation ab; und die Zinserhöhungs-Erwartungen dämpfen die Risikobereitschaft – gemeinsam führt das dazu, dass Gelder von Krypto-Assets hin zu traditionellen Tech-IPOs wandern.
Der gleichzeitige Rückgang zeigt ein wichtiges Signal: Wenn der KI-Sektor, KI-bezogene Token und traditionelle Tech-Aktien gleichzeitig unter Druck geraten, geht es am Markt nicht mehr um ein einfaches Rotieren von Sektoren, sondern um eine umfassendere Risiko-Reduktion.
Im ersten Quartal 2026 betrug der Gesamtverlust bei KI-Agent-Token 80% bis 90%, und die Entwicklung war stark differenziert: Token ohne echte Anwendungsfälle fielen nahezu auf null, während Token mit realer Nutzung sich behaupteten und sogar zurückkamen. Diese Differenzierung zeigt, dass Projekte, die rein durch Narrative getrieben waren, sich schnell „entzaubert“ haben.
Vor dem SpaceX-IPO hatte der Markt bereits mehrere Risikosignale akkumuliert. Das globale-Bärenmarkt-Alarmindikatorsystem von Citigroup ist auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008 gestiegen. Von 18 globalen Risikoindikatoren stehen 10 auf Rot; in den USA sind es sogar 11,5. Auch die Überfüllung im Aktienmarkt ist nicht zu übersehen: Privatanlegerkonten machen derzeit ein Fünftel des gesamten Handelsvolumens aus – doppelt so viel wie vor 15 Jahren; und in den vergangenen sechs Monaten wurden bereits mehr als 600 US-ETFs emittiert.
Das Privatanleger-Allocationskontingent von 22,5 Milliarden US-Dollar bei SpaceX fällt genau in den Zeitpunkt, in dem die Bargeldreserven der Privatanleger nahe an ihrem historischen Tief liegen. Das Verhältnis von Kundencash zu Vermögenswerten bei Schwab ist auf den niedrigsten Stand seit 2019 gefallen. Das heißt: Wenn viele Privatanleger am SpaceX-IPO teilnehmen wollen, müssen sie bestehende Positionen verkaufen – und einer der am leichtesten zu verkaufenden Titel ist ausgerechnet eine weitere börsennotierte Gesellschaft im Musk-Portfolio: Tesla.
Diese Struktur bedeutet: Die Notierung von SpaceX ist nicht nur ein Finanzierungsereignis, sondern ein extremes Belastungstest-Setting für die Liquidität der Privatanleger. Wenn die Kapitalzufuhr nicht gleichzeitig die KI-Aktien, Krypto-Assets und die IPO-Zeichnungen vollständig abdecken kann, droht dem Markt das Szenario eines „Dreifachschlags“: Rückgang bei KI-Aktien, Druck auf Krypto-Assets und zu geringe IPO-Zeichnungsnachfrage treten gleichzeitig ein.
Auch wenn der kurzfristige Effekt der Mittelverdrängung deutlich ist, könnte diese Korrektur tiefere strukturelle Veränderungen anstoßen.
Aus Sicht von Krypto-Assets verschiebt das SpaceX-IPO die Aufmerksamkeit vom reinen Konzept-Spekulationshandel hin zu „verifizierbaren Cashflows“ und „unterliegender Infrastruktur“. Richtungen wie KI-Infrastruktur (Rechenleistungsnetzwerke), Plattformen für den Umlauf von RWA-Assets, Zahlung-und-Abwicklungs-Schichten für Stablecoins sowie DePIN werden mittelfristig und langfristig stärker in den Fokus rücken, weil sie näher an der tatsächlichen Output-Realität liegen. Das On-Chain-Volumen tokenisierter RWA ist von rund 5,5 Milliarden US-Dollar Anfang 2025 auf etwa 29,2 Milliarden US-Dollar im April 2026 gestiegen. Für 2026 gilt „KI x DePIN“ als zentraler Fusionspfad; Projekte wechseln gerade von Proof-of-Concept hin zum Aufbau realer Netzwerke und zur Erzeugung von Einnahmen.
Aus Sicht des traditionellen Marktes wird das 75-Milliarden-US-Dollar-IPO-Volumen von SpaceX dazu genutzt, das KI-Geschäft, Raketenstarts und die Satelliten-Infrastruktur auszubauen. Das heißt: SpaceX selbst wird auch zu einem riesigen Käufer im Bereich KI-Infrastruktur; seine Investitionsausgaben könnten die Expansion der KI-Wertschöpfungskette indirekt vorantreiben. Goldman Sachs erwartet, dass SpaceX bis 2030 einen Umsatz von 470 Milliarden US-Dollar erreichen kann – fast das 25-Fache gegenüber 2025.
Mittelfristig verschaltet sich die Marktstruktur von „KI-Anwendungs-Narrativ“ hin zu „KI-Infrastruktur“. Diese Umstellung passiert nicht nur an traditionellen Börsen, sondern wird parallel auch auf dem Kryptomarkt abgebildet. Für Investoren ist entscheidend, welche Projekte echten Nutzwert, nachhaltige Ertragsmodelle und bei Kapitalumschichtungen eine strukturelle Bewertungsprämie erreichen können.
Am 9. Juni 2026 ging Gate offiziell mit dem Produkt „IPO Access“ live. Zum Auftakt ist die größte weltweit noch nicht börsennotierte Tech-Gesellschaft, SpaceX, im Fokus. Nutzer können im Bereich „Gate IPOs“ mit einem Mindesteinsatz von 100 USDT eine Kaufabsicht zur Zeichnung einreichen; das Limit liegt bei 500.000 USDT. Die gesamte Zeichnung erfolgt in USDT, ohne dass klassische Broker-Kanäle durchlaufen werden müssen. Die Plattform verteilt Gewichtung anhand des pro Nutzer gesperrten, gewichteten Durchschnittsbetrags pro Stunde – wer früher teilnimmt, erhält eine höhere Zuteilungsgewichtung. Sobald eine Zuteilung erfolgt, werden die Aktien am Tag der Notierung (12. Juni) direkt auf das Gate-Aktienkonto des Nutzers ausgeschüttet, zu 100% freigeschaltet und ohne Sperrfrist. Das ermöglicht einen One-Stop-Closed-Loop von der IPO-Zeichnung bis zum Handel im US-Aktiensekundärmarkt. Stand 10. Juni liegt das Zeichnungsvolumen bereits bei über 60 Millionen US-Dollar.
Der Kernwert von IPO Access besteht darin, dass durch eine regelkonforme tokenisierte Struktur und die Zuteilungskompetenz der Plattform erstmals der bislang langfristig von Institutionen und Top-Brokern dominierte IPO-Zeichnungszugang für Nutzer von Krypto-Plattformen geöffnet wird – und damit eine Brücke zwischen Krypto-Assets und traditionellen primären Märkten entsteht.
Q1: Führt das SpaceX-IPO tatsächlich hauptsächlich dazu, dass KI-Aktien fallen?
A1: Nicht direkt, sondern als Ergebnis mehrerer Faktoren. Die US-Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls) vom 5. Juni lagen deutlich über den Erwartungen und lösten eine starke Erwartungshaltung an Zinserhöhungen der Fed aus – das ist der direkteste Auslöser für den heftigen Absturz bei KI-Chip-Aktien. Das SpaceX-IPO wirkt dabei eher als Mittelverdrängungsfaktor und verschärft den Druck auf die Marktliquidität.
Q2: Warum schwankt Applied Optoelectronics (AAOI) in letzter Zeit so stark?
A2: Stand 10. Juni 2026 hat AAOI seit Jahresbeginn insgesamt 367,24% zugelegt; über die vergangenen 52 Wochen liegt das Plus bei 865,50%. Damit wurden beträchtliche Gewinnpositionen aufgebaut. Auch wenn die fundamentale Logik wie die steigende Nachfrage von KI-Rechenzentren nach Hochgeschwindigkeits-Optik/Optical Interconnects unverändert bleibt, führt das sinkende Risikoappetit-Niveau insgesamt dazu, dass hoch bewertete Titel für jede marginale Veränderung noch sensibler werden – was die Kursvolatilität deutlich verstärkt.
Q3: Warum kann SK Hynix schneller zurückprallen als Micron?
A3: SK Hynix profitierte vor allem von einer mehrjährigen Kooperation, die Nvidias CEO Jensen Huang in Seoul unterzeichnet hat. Sie umfasst mehrjährige KI-Speicher-Technologiepartnerschaften, darunter HBM und mehrere Nvidias Rechenplattformen der nächsten Generation. Die Vereinbarung schafft für zukünftige KI-Speicheraufträge eine bessere Sichtbarkeit. Darüber hinaus lagert SK Hynix ab der HBM4-Generation die Fertigung der Basischips an TSMC aus und vertieft damit die Bindung an zentrale Knoten der KI-Lieferkette.
Q4: Wird die hohe Bewertung von SpaceX eine Neubewertung der Gesamtbewertung des KI-Ökosystems auslösen?
A4: Möglich. SpaceX ist mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von nahezu 92 notiert – deutlich höher als bei den meisten großen Tech-Unternehmen. Damit liefert es dem Markt einen wichtigen Bewertungsreferenzpunkt. Morningstar, ein unabhängiges Institut, hat den fairen Wert auf 780 Milliarden US-Dollar geschätzt und zeigt damit, dass der Markt über die Bewertung von KI-Unternehmen stark geteilter Meinung ist. Diese Uneinigkeit könnte sich in Zukunft weiter verstärken.
Q5: Bedeutet dieser Rückgang, dass das KI-Narrativ beendet ist?
A5: Die meisten Institute glauben das nicht. GF Securities und andere weisen darauf hin: Wenn der Trend bei EPS-Updates (Anhebung) und der Branchenzyklus weiter fortschreitet, sind Störungen durch Zinsen und Liquidität typischerweise eher kurzfristiges Rauschen als ein Signal für einen mittelfristigen Hochpunkt. Entscheidend ist, Projekte zu identifizieren, die echte Geschäftsauslieferung und nachhaltige Cashflows haben – statt nur durch Narrative gestützte Konzept-Assets. Aus Branchensicht werden durch die laufende Vertiefung der technischen Zusammenarbeit zwischen SK Hynix und Nvidia sowie die anhaltend knappe HBM-Versorgung grundlegende Faktoren weiter gestärkt; die mittelfristige Logik der KI-Infrastruktur wurde nicht zerstört.
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