Die US-Börsenaufsicht SEC hat eine Klage gegen einen Unternehmer aus Texas eingereicht, dem zufolge er 12,3 Millionen US-Dollar von rund 150 Investoren eingesammelt habe, indem er ihnen Gewinne aus künstlichen-intelligenzgestützten Trading-Bots versprach, die es nicht gab.
- Kernaussagen:
-
- Die SEC zufolge brachte Nathan Fuller von 2022 bis 2024 mit gefälschten KI-Trading-Bots rund 150 Investoren ein Kapital in Höhe von 12,3 Millionen US-Dollar.
-
- Lediglich etwa 380.000 US-Dollar, also 3% des Geldes, wurden jemals zum Kauf von Krypto verwendet, während angeblich 6,2 Millionen US-Dollar zweckentfremdet wurden.
-
- Der Fall reiht sich in eine Durchsetzungswelle aus dem Jahr 2026 ein, die KI-themenbezogene Krypto-Betrugsmodelle ins Visier nimmt, und könnte zu einer Abschöpfung von Gewinnen führen.
Eine „Crypto-Arbitrage“-Operation, die auf einer Lüge basiert
Laut einer am 29. Mai eingereichten Beschwerde wirft die Securities and Exchange Commission (SEC) Nathan Fuller vor, das Vorhaben über Privvy Investments LLC sowie unter den angenommenen Namen Privvy Investments und Gateway Digital Investments betrieben zu haben. Von mindestens Oktober 2022 bis Mitte 2024 habe Fuller angeblich passive Joint-Venture-Beteiligungen verkauft, die er als eine von proprietären künstlichen-intelligenzgestützten (KI) Trading-Bots angetriebene Crypto-Arbitrage-Operation dargestellt habe.
Image source: SEC.gov
Diese Bots, so Fuller den Investoren, könnten Krypto-Märkte rund um die Uhr scannen, Hochfrequenz-Arbitrage-Trades ausführen und Verluste mit Stop-Loss-Code begrenzen. Die Pitch-Präsentation sei begleitet gewesen von auffälligen Zusagen für Renditen zwischen 40% bis 50% innerhalb von 30 bis 45 Tagen (und in manchen Fällen sogar mehr als 100% innerhalb eines Monats). In Wahrheit, so die SEC, seien die Bots weder künstliche Intelligenz noch funktionsfähige Trading-Software gewesen.
Die Darstellung der Behörde zum Geldfluss ist deutlich. Von den 12,3 Millionen US-Dollar, die Fuller von rund 150 Investoren aufgebracht habe, seien nur etwa 380.000 US-Dollar (ungefähr 3%) jemals dafür verwendet worden, Krypto zu kaufen, und diese Trades seien ohne die beworbenen Bots erfolgt und hätten keinen Gewinn erzielt. Der Rest, so die SEC, sei abgezweigt worden.
Wohin das Geld tatsächlich ging
Fuller wird vorgeworfen, mindestens 6,2 Millionen US-Dollar für den persönlichen Gebrauch veruntreut zu haben, darunter der Kauf eines Hauses sowie Ausgaben für Glücksspiel, Reisen und Fahrzeuge. Weitere 5,5 Millionen US-Dollar seien angeblich für Scheinzahlungen nach Ponzi-artigem Muster verwendet worden: Dabei wurden frische Einlagen neuer Investoren genutzt, um frühere Unterstützer auszuzahlen, der klassische Mechanismus, der solche Betrugsmodelle am Leben erhält, bis das neue Geld ausgeht.
Als Investoren begannen, Auszahlungen einzufordern, so die SEC, sei Fuller bei der Täuschung noch stärker vorgegangen. Er habe angeblich gefälschte Kontoauszüge erstellt, die fiktive Gewinne auswiesen, auf nicht existierende Unternehmen verwiesen und sogar KI eingesetzt, um einen Brief von einer angeblich prüfenden Firma zu generieren, in dem behauptet wurde, die Konten der Investoren stünden in Prüfung und würden später in einen Trust eingezahlt und liquidiert.
Der Fall passt zu einem breiteren Muster, das Regulierer bereits mehrfach im Jahr 2026 gemeldet haben, weil Betrüger der „KI“-Mode ein „Branding“ auf alte, bewährte Investment-Scams aufgesetzt haben. Letztes Jahr hatte Bitcoin.com News darüber berichtet, dass die SEC gegen einen angeblichen KI-Trading-Anführer vorgeht, der hinter einem globalen Ponzi-Schema mit 198 Millionen US-Dollar stehe. Davor hatte die Aufsichtsbehörde vier Personen im Zusammenhang mit einem globalen Krypto-Ponzi-Schema mit 295 Millionen US-Dollar angeklagt, das mehr als 100.000 Investoren getäuscht habe.
Vor diesem Hintergrund ist die Privvy-Beschwerde in Dollar-Angaben zwar vergleichsweise klein, aber steht sinnbildlich für den KI-Aspekt, den Prüfer nun genauer unter die Lupe nehmen.
Was die Vorwürfe bedeuten
Die SEC hat Fuller vorgeworfen, gegen die Registrierungsvorschriften und Anti-Betrugs-Bestimmungen der bundesstaatlichen Wertpapiergesetze verstoßen zu haben. Sie strebt dauerhafte Unterlassungsverfügungen an, um ihn von künftigen Verstößen abzuhalten, außerdem die Abschöpfung unrechtmäßig erlangter Gewinne zuzüglich Zinsen sowie zivilrechtliche Strafen. Solche Verfahren können zudem parallel zu strafrechtlichen Ermittlungen laufen, obwohl die Beschwerde selbst eine zivilrechtliche Klage ist.
Für Investoren ist die Episode eine Erinnerung daran, dass Versprechen auf garantierte zweistellige monatliche Renditen – vor allem wenn sie in undurchsichtige Verweise auf proprietäre Algorithmen verpackt sind – nach wie vor zu den zuverlässigsten Warnsignalen im Finanzbereich zählen. Die Bezeichnung „KI-Trading-Bot“ ist zu einem bevorzugten Platzhalter geworden, genau weil es für Privatanleger schwer ist zu verifizieren und es sich leicht mit technischem Fachjargon ausstatten lässt.
Die Angelegenheit geht nun durch das System der Bundesgerichte, in dem Fuller die Möglichkeit haben wird, auf die Vorwürfe zu reagieren. Sollte die SEC gewinnen, könnten die Gegenmaßnahmen unter anderem darin bestehen, Geld an die betrogenen Investoren zurückzugeben, wobei Rückzahlungen in Ponzi-Fällen häufig nur einen Bruchteil der Verluste ausmachen, nachdem die Gelder bereits ausgegeben wurden.