
Das US-Politikmedium NOTUS berichtete am 16. Juni, dass das von der Familie Trump unterstützte Krypto-Projekt World Liberty Financial (WLFI) in Kürze die Genehmigung der US-Behörde für Währungsaufsicht (OCC) erhalten und offiziell zur „Nationalen Treuhandbank“ werden soll. Reuters schätzt, dass die Familie Trump seit Trumps Amtsantritt zur zweiten Amtszeit durch 4 Krypto-Projekte mehr als 2,3 Milliarden US-Dollar verdient hat, wobei WLFI den größten Anteil beigesteuert habe.
WLFI beantragt OCC-Lizenz als nationale Treuhandbank: Geschäftsfähigkeit und vergleichbare Präzedenzfälle
WLFI gründete im Januar 2026 in den USA eine Treuhandgesellschaft und reichte anschließend einen Antrag bei der OCC ein. Zuvor hatten bereits Krypto-Unternehmen wie Circle, Ripple und BitGo eine bedingte Genehmigung der OCC für eine Lizenz als Nationale Treuhandbank erhalten.
Sollte WLFI die Lizenz erhalten, könnte es die folgenden Geschäftsfähigkeiten ausüben: selbst USD1-Stablecoins ausgeben und zurücknehmen; Stablecoin-Reservevermögen verwalten; digitale Vermögenswerte in Verwahrung nehmen (Custody); Umtausch und Abwicklung zwischen Fiatgeld und Krypto durchführen. Dadurch würde WLFI den derzeitigen Intermediär BitGo umgehen und Stablecoins direkt an US-Verbraucher ausgeben.
WLFI-Token-Ertragsstruktur und der direkte Nutzen für die Familie Trump
Laut den öffentlich offengelegten Unterlagen von WLFI sollen von den Verkaufserlösen des nativen Tokens WLFI bis zu 75 % an das von Trump kontrollierte Unternehmen „DT Marks DEFI LLC“ fließen. WLFI ist ein Projekt, das die Familie Trump gemeinsam zusammen mit anderen Akteuren einige Monate vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 gegründet hat.
Reuters schätzt, dass die Familie Trump seit Beginn der zweiten Amtszeit mehr als 2,3 Milliarden US-Dollar durch 4 Krypto-Projekte verdient hat, wobei der Beitrag von WLFI den größten Anteil ausmacht.
Bereits dokumentierte Anfragen im US-Kongress und bei OCC-Anhörungen
Das US-Repräsentantenhaus hat in diesem Jahr bereits früher eine Untersuchung zu WLFI’s USD1-Stablecoin angestoßen und dabei insbesondere potenzielle Interessenkonflikte und Risiken für die nationale Sicherheit in den Fokus genommen: Auslöser sind unter anderem eine 500 Millionen US-Dollar Investition der VAE in WLFI sowie eine Transaktion in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar mit Bezug zu Binance; die Zeitpunkte dieser Transaktionen überlappen sich genau mit der Zeit, in der die USA die Ausfuhr von KI-Chips genehmigt haben.
In einer Anhörung des Senatsbankenausschusses im Februar 2026 befragte die demokratische Senatorin Elizabeth Warren den OCC-Chef Jonathan Gould und forderte, den Antrag von WLFI abzulehnen oder zu vertagen; zudem warnte sie: „Sobald du diesen Antrag genehmigst, wirst du von Trumps Cheerleader zu einem Komplizen seines korrupten Handelns.“
Das Weiße Haus erklärte als Antwort, dass Trumps Vermögenswerte treuhänderisch verwaltet würden und seine Kinder zuständig seien; es gebe keinen Interessenkonflikt.
Häufige Fragen
Was würde sich am Emissionsmechanismus von USD1-Stablecoin ändern, nachdem WLFI die Lizenz als Nationale Treuhandbank erhalten hat?
Laut Berichten emittiert WLFI aktuell USD1 über BitGo als Intermediär; nach Erhalt der OCC-Lizenz als Nationale Treuhandbank könne WLFI BitGo umgehen, USD1 künftig direkt selbst ausgeben und zurücknehmen und zudem eigene Stablecoin-Reservevermögenswerte sowie digitale Vermögensverwahrungsdienste verwalten, ohne sich auf Dritte Finanzinstitute verlassen zu müssen.
Wie zuverlässig ist die „fast schon beschlossene Sache“-Darstellung in der NOTUS-Berichterstattung?
Laut NOTUS stammt die Darstellung aus Aussagen zweier namentlich nicht genannter ehemaliger OCC-Mitarbeiter, nicht aus der Position aktueller Amtsträger oder aus einer offiziellen Mitteilung der OCC. OCC-Chef Jonathan Gould hat das Ergebnis noch nicht offiziell verkündet. Der Charakter der Berichterstattung ist „zu hören“ („Gerüchte“) und „Insidern zufolge“; das endgültige Ergebnis bleibt daher abzuwarten, bis die OCC es offiziell bekannt gibt.
Wie reagiert das Weiße Haus auf Vorwürfe externer Beobachter zu Interessenkonflikten der Familie Trump?
Das Weiße Haus erklärt, dass Trumps Vermögenswerte treuhänderisch verwaltet würden und seine Kinder zuständig seien; es gebe keinen Interessenkonflikt. Die Kritik der Demokraten und die Untersuchungen des Kongresses laufen noch, und beide Seiten hätten bislang keine Einigkeit über ihre Positionen.