Die größte Quanten-Gefahr für Krypto ist nicht ein zukünftiger Computer, der Wallet-Schlüssel knackt, sondern die verschlüsselten Transaktionsdaten, die Gegner heute still und heimlich abschöpfen, warnte Zerotier-CEO Andrew Gault.
- Kernaussagen:
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- Zerotier-Andrew Gault sagt, abgeschöpfte Netzwerkdaten seien das größte Quantenrisiko von Krypto.
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- Ethereum habe 2026 mit einer koordinierten Post-Quantum-Migration begonnen, während Bitcoin dies nicht getan habe.
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- Einige Schätzungen gehen davon aus, dass ein Quantencomputer in der Lage sei, Bitcoins Verschlüsselung schon ab 2027 zu brechen.
Das Risiko liegt in den Daten, die bereits unterwegs sind
Der Fokus der Kryptoindustrie darauf, Wallets quantensicher zu machen, könnte laut Andrew Gault, CEO des Netzwerkunternehmens Zerotier, auf das falsche Ziel ausgerichtet sein. Er argumentiert, dass die dringendste Gefahr nicht gespeicherte Schlüssel sind, sondern die Informationen, die in Echtzeit zwischen Institutionen fließen, und ergänzt:
„Die gefährlichste Verwundbarkeit des Finanzsystems ist nicht gespeichertes Datenmaterial, sondern die Daten, die gerade jetzt zwischen Institutionen unterwegs sind. Jede Interbanken-Nachricht, jeder Zahlungs-Authentifizierungsdatensatz und jede digitale Signatur, die heute über ein Netzwerk reist, wird von hochspezialisierten Gegnern gesammelt, die sie noch nicht einmal lesen müssen.“
Gaults Warnung konzentriert sich auf eine Strategie, die Sicherheitsforscher „harvest now, decrypt later“ nennen. Die Idee: Ein Angreifer benötigt heute keinen funktionierenden Quantencomputer, um morgen davon zu profitieren. Verschlüsselter Datenverkehr kann jetzt günstig kopiert und gespeichert werden und dann Jahre später entschlüsselt werden, sobald eine hinreichend leistungsstarke Maschine existiert.
Das verschiebt die Quantenbedrohung von einem zukünftigen Ereignis hin zu einem Problem der Datensammlung, das bereits heute stattfindet. Post-Quantum-Kryptografie (Verschlüsselung, die Angriffen durch Quantenangriffe standhält) schützt nur die Informationen, die in der Zukunft übertragen werden. Alles, was vor dem Upgrade abgefangen wurde, bleibt für eine nachträgliche Entschlüsselung anfällig, weshalb Gault und andere sagen, dass die Uhr bereits läuft.
Warum die „Proof“-Ebene entscheidend ist
Die abgeschöpften Daten sind laut Gault nicht nur sensibel, sondern bilden eine grundlegende Schicht. Er beschrieb die Authentifizierungsdatensätze, die über Netzwerke laufen, als „die Proof-Ebene, die bestimmt, wem was gehört, wer welche Transaktion autorisiert hat und wer die rechtliche Haftung trägt.“
Wenn diese Ebene später entschlüsselt und gefälscht werden kann, gehen die Folgen weit über einzelne Wallets hinaus. Abrechnungsdatensätze, Signaturen und Zahlungsbestätigungen bilden das Fundament für das Vertrauen zwischen Banken, Börsen und Blockchains. Ein Gegner, der sie in der Zukunft umschreiben oder vortäuschen kann, könnte vergangene Transaktionen infrage stellen – ein systemisches Risiko statt einer Reihe isolierter Diebstähle.
Die Warnung schärft einen unangenehmen Kontrast zu dem, was passiert: Während Ethereum sich in Richtung einer koordinierten Post-Quantum-Migration bewegt hat, hat Bitcoin keinen vergleichbaren Plan übernommen. Bitcoins Transaktionen werden durch den Algorithmus für digitale Signaturen mit elliptischen Kurven (ECDSA) abgesichert – ein Schema, das ein mächtiger genug Quantencomputer theoretisch knacken könnte.
Allerdings sind die Zeitpläne weiterhin stark umstritten. Analyst Nic Carter glaubt, dass ein sogenannter Q-Day bereits 2035 eintreffen könnte, während andere Einschätzungen deutlich aggressiver sind und eine Code-breaking-Maschine schon ab 2027 ansetzen. Googles Fortschritte im Bereich Quanten haben die Sicherheitsdebatte wiederholt zurück in den Fokus gerückt, nachdem der Venture-Investor Chamath Palihapitiya kürzlich warnte, dass nichtstaatliche Akteure eines Tages Bitcoins Bestände als eine Art „Honeypot“ ins Visier nehmen könnten.
Und obwohl Entwickler nach Jahren relativer Stille lauter geworden sind, setzt sich der vorherrschende Ansatz weiterhin eher für freiwillige Übergänge und das Abwarten reifer Standards ein, statt für eine erzwungene Protokolländerung – eine Haltung, die Gaults Kommentare indirekt herausfordert.
Daten unterwegs absichern
Zerotier ist in der Debatte kein neutraler Zuschauer, denn das Unternehmen hat kürzlich Zerotier Quantum vorgestellt: eine Netzwerkplattform, die entwickelt wurde, um die höchsten kryptografischen Benchmarks der US-Regierung zu erfüllen, einschließlich Standards, die vom National Institute of Standards and Technology (NIST) gesetzt wurden. Gaults Darstellung begünstigt daher ganz natürlich die Absicherung von Daten unterwegs – genau das Problem, das sein Produkt adressiert.
Doch der zugrunde liegende Punkt ist schwer abzutun. Wenn Gegner bereits jetzt darauf setzen, verschlüsselten Datenverkehr für einen späteren Auszahlungstag zu sammeln, dann ist das Zeitfenster zur Absicherung jetzt da – nicht erst am Q-Day. Speziell bei Bitcoin stellt sich die Frage, ob eine Community, die bewusst auf eine Konsens-getriebene Veränderung setzt, schnell genug handeln kann, um Daten zu schützen, die bereits abgeschöpft werden, während die Debatte weiterläuft.