Bank of America bekräftigte sein „Kaufen“-Rating für Nvidia und erhöhte das Kursziel von 320 US-Dollar auf 350 US-Dollar, nachdem der Chiphersteller Rekord-Ergebnisse im ersten Quartal gemeldet hatte. Dabei erreichte der Umsatz 81,6 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 85% gegenüber dem Vorjahr – und lag damit um 3,1% über den Erwartungen der Analysten von 79,1 Milliarden US-Dollar. Die Aktie fiel dennoch trotz des Treffens der Erwartungen und einer angehobenen Prognose. Damit setzt sich ein Muster fort, bei dem Nvidia nach drei der letzten vier Earnings-Calls gefallen ist. Der führende Analyst Vivek Arya von BofA nannte Nvidia einen Top-Favoriten. Das neue Kursziel von 350 US-Dollar impliziert 56,6% Upside gegenüber dem aktuellen Kurs von 223,47 US-Dollar.
Die Analyse der Bank fokussiert sich weniger auf einzelne Quartalsergebnisse, sondern auf das Marktvolumen, in das Nvidia verkauft. BofA hob seine Schätzung für den gesamten adressierbaren AI-Markt (Total Addressable AI Market) von 1,7 Billionen US-Dollar auf mehr als 3 Billionen US-Dollar bis 2030 an. Dabei geht die Bank davon aus, dass Nvidia rund 78% des Marktes für AI-Beschleuniger hält – also der Chips, die speziell für das Ausführen von AI-Workloads gebaut sind. Zudem verbesserte die Bank ihre Prognose für den Agentic-CPU-Markt von 125 Milliarden US-Dollar auf 200 Milliarden US-Dollar. Nvidia habe bereits 20 Milliarden US-Dollar an Nachfrage für die zweite Hälfte des Fiskaljahres gesichert.
Q1 Earnings Breakdown
Nvidias Umsatz im Bereich Rechenzentren – der Motor für das Wachstum – erreichte 75,2 Milliarden US-Dollar und stieg um 92% gegenüber dem Vorjahr. Aufgeteilt war das nahezu gleich zwischen großen Cloud-Providern wie Amazon und Microsoft sowie einer wachsenden Mischung aus AI-Unternehmen, Industrie-Kunden und weiteren Unternehmen. Der Gewinn je Aktie lag im angepassten Bereich bei 1,87 US-Dollar und übertraf damit die erwarteten 1,73 US-Dollar der Analysten. Die Bruttomarge blieb stabil bei 75%, während der Free Cash Flow im Quartal 48,6 Milliarden US-Dollar betrug. CEO Jensen Huang kommentierte die Ergebnisse im Earnings-Call: „Agentic AI ist da. Es erledigt produktive Arbeit, schafft echten Mehrwert und skaliert schnell.“
Customer Commitments und Locked-in Demand
Die Kundenkaufzusagen beliefen sich in diesem Quartal auf 145 Milliarden US-Dollar – nach 95 Milliarden US-Dollar drei Monate zuvor. Diese Zusagen stellen Verträge dar und keine spekulative Nachfrage. Allein AWS hat sich verpflichtet, bis 2027 ungefähr 1 Million Nvidia-GPUs einzusetzen.
Key Risks
BofA nannte zwei zentrale Risiken für Anleger. Das erste betrifft die Marktkonzentration von Nvidia: Die Aktie macht nun 8,3% des gesamten S&P-500-Index aus. Etwa 78% der aktiven Fondsmanager halten sie bereits. Diese Konzentration begrenzt den Pool potenzieller neuer Käufer, die den Kurs weiter nach oben treiben könnten.
Das zweite Risiko betrifft kundenspezifische Chips, die von Hyperscale-Cloud-Unternehmen entwickelt wurden. Google hat kürzlich seine achte Generation an hauseigenen AI-Chips eingeführt, die darauf abzielen, die Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren. BofA kontert damit, dass man erwartet, Nvidia werde langfristig mehr als 70% des Accelerator-Marktes halten – unter Verweis auf vollständige Plattformunterstützung und die AI-Factory-Infrastruktur als Vorteile, die kundenspezifische Chips nicht nachbilden können.
Forward Projections
BofA erhöhte seine Schätzungen für den Gewinn je Aktie um 9% für das Fiskaljahr 2027 auf 9,09 US-Dollar und um 15% für das Fiskaljahr 2028 auf 13,27 US-Dollar. Im letzten Fiskaljahr verdiente das Unternehmen 4,55 US-Dollar je Aktie. Zum aktuellen Kurs handelt Nvidia mit dem 19,7-Fachen der geschätzten Gewinne für 2027.
Der Free Cash Flow soll von 96,7 Milliarden US-Dollar im letzten Fiskaljahr auf 186,8 Milliarden US-Dollar im Fiskaljahr 2027 und auf 282 Milliarden US-Dollar im Fiskaljahr 2028 steigen. Nvidia hat die Quartalsdividende 25-fach erhöht – von 0,01 auf 0,25 US-Dollar je Aktie – und zudem eine weitere Buyback-Ermächtigung über 80 Milliarden US-Dollar angekündigt. Damit beträgt die gesamte Rückkaufkapazität ungefähr 120 Milliarden US-Dollar.
Next Catalyst
CEO Jensen Huang ist für den 1. Juni zu einem Keynote-Termin auf der Computex eingeplant. BofA erwartet, dass er dort Details zu Nvidias Roadmap für Agentic AI sowie zur CPU-Strategie erläutert.