Der Konflikt zwischen Iran und den USA belastet die Halbleiter-Lieferkette? Schlüsselrohstoff „Flusssäure“ ist seit Jahresanfang um mehr als das Doppelte gestiegen

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Nachdem der Iran-Krieg bereits Halbleiterrohstoffe wie Helium, Wolframhexafluorid (WF₆) und den Fotolacklösemittel PGMEA in Mitleidenschaft gezogen hat, steht nun auch eine weitere für jede Wafer-Fabrik unverzichtbare Schlüsselverbrauchsware „Flusssäure (HF)“ unter erheblichem Druck. Brancheninsider berichten, dass der Preis der wasserfreien Flusssäure (AHF) im Jahresverlauf bislang um bis zu 40% gestiegen ist; Lieferanten planen, den Verkaufspreis spätestens bis Ende Juni anzuheben. Chip-Industriegiganten wie Samsung Electronics und SK Hynix dürften als Erstes betroffen sein.

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Der Krieg zwischen den USA und dem Iran greift in die Halbleiter-Lieferkette über: Was ist „Flusssäure“?

Laut dem koreanischen Medienbericht The Elec benötigt die Herstellung von AHF zwei Ausgangsstoffe: Flussspat und Schwefelsäure, wobei die Schwefelsäure wiederum aus elementarem Schwefel hergestellt wird. Elementarer Schwefel stammt dabei vor allem aus Nebenprodukten im Raffinierungsprozess von Erdöl und Erdgas. Als wichtiger Knotenpunkt des globalen Ölhandels wird der Hormus-Straße jede Störung die weltweite Schwefelverteilung direkt beeinträchtigen.

Branchenrechnungen zufolge hat sich die Lage in der Hormus-Straße bereits so stark verschlechtert, dass es zu Unterbrechungen bei mehr als 30% der weltweiten Schwefelversorgung kommt, was zugleich die Marktpreise für Schwefelsäure nach oben treibt. Als weltgrößter Produzent von Schwefelsäure begrenzt China nach dem Abreißen von Lieferketten in den Nahen Osten zusätzlich den Export, um vorrangig die inländischen Bedarfe in der Landwirtschaft, Metallurgie und Industrie abzusichern.

Laut den Daten des chinesischen Preisdatenanbieters SunSirs lag der inländische Preis für Schwefelsäure in China Mitte April bereits bei 2.100 Yuan je Tonne und damit rund 130% über dem Stand zu Jahresbeginn. Ein Brancheninsider kommentierte: „Steigt die Schwefelsäure, dann bewegt sich HF ganz sicher mit. In der Vergangenheit machte Schwefelsäure etwa 30% der AHF-Herstellungskosten aus; jetzt verschiebt sich dieser Anteil Richtung 50% oder mehr.“

Koreanische Halbleitermaterialindustrie steht flächendeckend auf dem Prüfstand: 90% AHF sind auf Importe aus China angewiesen

Für die koreanische Halbleitermaterialindustrie ist diese Belastung besonders schmerzhaft, da es im Inland keinerlei AHF-Produktionskapazitäten gibt; rund 90% des AHF-Bedarfs müssen aus China bezogen werden. Zu den wichtigsten HF-Lieferanten in Korea zählen Soulbrain, ENF Technology und Foosung. Ihr Produktionsmodell besteht darin, importierte AHF- und deionisiertes Wasser (DI water) zu mischen, daraus HF in Halbleiterqualität herzustellen und es anschließend an nachgelagerte Chip-Hersteller zu verkaufen.

Brancheninsider zufolge liegen die Einkaufspreise dieser Hersteller für AHF aus China derzeit etwa 40% höher als zu Jahresbeginn. Der Kostendruck werde weiter steigen; man rechnet damit, dass die Mehrkosten vollständig bis Ende Juni bis in den Juli hinein an Samsung und Hynix in deren Verkaufspreisen weitergereicht werden.

HF ist in der Waferfertigung ein nicht ersetzbares Verbrauchsmaterial und wird vor allem im Ätzprozess eingesetzt, um an der Oberfläche der Wafer verbliebene Oxidfilme und Metallverunreinigungen zu entfernen. Die Spezifikation von Standard-HF in Halbleiterqualität ist AHF verdünnt mit deionisiertem Wasser auf eine Konzentration von 49%. Bei Mischung mit Ammoniumfluorid (NH₄F) kann man einen langsamer und gleichmäßiger ätzenden Puffer-Oxid-Ätzstoff (BOE) herstellen, der sich für fortgeschrittene Prozesse mit feinen Strukturen eignet. Aktuell verbrauchen koreanische Waferfabriken pro Jahr rund 60.000 Tonnen HF und etwa 90.000 bis 100.000 Tonnen BOE.

Mehrfacher Druck: Mittlerer Osten als Risiko und China als „Ressourcen-Waffe“, doppelte Belastung

Das ist nicht das erste Mal, dass die koreanische Halbleiter-Lieferkette mit ähnlichen Schocks konfrontiert wird. Brancheninsider sagen: „Nach Helium, Wolframhexafluorid und PGMEA kommt jetzt wieder AHF. Die geopolitischen Risiken im Mittleren Osten und die ‚Waffen‘-Nutzung von Ressourcen durch China treffen gleichzeitig die Nachsegment-Lieferkette der koreanischen Halbleiterindustrie.“

Er sagte zudem, dass Korea bei Schwefelsäure über Eigenversorgungsmöglichkeiten verfügt. Nicht-Eisenmetall-Schmelzbetriebe wie Korea Zinc und LS MnM können Schwefelsäure über SO₂-Nebenprodukte selbst herstellen. Eine Versorgungslücke in der AHF-Lieferkette lässt sich jedoch nicht durch inländische Maßnahmen ausgleichen, wodurch der Druck in diesem Fall noch deutlich größer ist.

Auch Taiwan ist nicht gefeit, aber die Risikostruktur unterscheidet sich von Korea

Auch die taiwanesische Halbleiterindustrie ist in gewissem Maß Lieferkettenrisiken ausgesetzt. Taiwan selbst verfügt über keine Flussspatminen; lokale Hersteller, die elektronische Flusssäure erzeugen, müssen importierte AHF in Industriegüte beziehen und anschließend weiter aufreinigen. Der geschätzte HF-Verbrauch liegt bei etwa 70.000 Tonnen pro Jahr; jede Schwankung auf der Ebene der Ausgangsstoffe wirkt sich direkt auf die Herstellungskosten aus.

Im Unterschied zu Koreas „vollständigem Fehlen lokaler HF-Produktion“ besitzt Taiwan jedoch im Raffinationsbereich eine relativ umfassende Autonomie, was als Puffer wirkt. Taiwan hat zwei Unternehmen mit der Fähigkeit, Flusssäure in Halbleiterqualität zu produzieren, darunter King Glory Chemical und Formosa Chemicals & Fibre Group, und die wichtigsten taiwanesischen Waferfabriken sind nahezu durchgehend ihre Kunden.

Mit anderen Worten: Kurzfristig steht Taiwan vor allem unter Kostendruck, nicht unter dem akut drohenden Lieferausfall-Risiko wie in Korea. Doch diese Schwachstelle ist am AHF-Ausgangsstoffmarkt noch nicht grundsätzlich beseitigt. Für Samsung, SK Hynix, TSMC und insgesamt die Halbleiterindustrie wird die Schmetterlingseffekt-Kette, die ihren Ursprung in der Hormus-Straße hat, voraussichtlich in diesem Sommer vollständig in den Herstellungskosten sichtbar werden.

Dieser Artikel „US-Iran-Krieg trifft die Halbleiter-Lieferkette? Schlüsselrohstoff „Flusssäure“: Mehr als Verdopplung im Jahresverlauf“ erschien zum ersten Mal bei Kettennews ABMedia.

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