Die Welle der Künstlichen Intelligenz erschüttert den globalen Markt für Unternehmenssoftware. Die Aktienkurse von Giganten wie Salesforce und Workday sind in diesem Jahr bislang deutlich eingebrochen. Das Alarmzeichen „SaaS 末日 (SaaSpocalypse)“ schrillt unüberhörbar. Doch kürzlich brachte der Spitzenmanager von Microsoft, Rajesh Jha, einen völlig anderen Blickwinkel ins Spiel: Der Aufstieg von KI-Agenten könnte dem SaaS ganz neue Wachstumschancen eröffnen.
KI-Welle trifft die SaaS-Branche, die Börse spiegelt zuerst die Angststimmung wider
In den vergangenen Monaten hat sich der Begriff „SaaSpocalypse“ in der Tech-Szene schnell verbreitet. Er meint, dass KI möglicherweise das traditionelle Business-Modell von Business-to-Software-as-a-Service (SaaS) beenden könnte. Damals, als Anthropic den Claude Cowork AI Agent vorstellte, der komplexe Aufgaben eigenständig bewältigen kann, entstanden außen Zweifel am Fortbestand des SaaS-Abomodells.
Mit der zunehmenden Verbreitung von Vibe-Coding-Technologie können mittlerweile auch Menschen ohne Programmiererfahrung mit Hilfe von KI-Tools innerhalb weniger Minuten eine Anwendung erstellen. Wenn Unternehmen die Software zur Verwaltung von Vertriebs- oder HR-Prozessen künftig selbst nach Bedarf bauen können, warum sollte es dann noch einen Grund geben, mehrere hunderttausend US-Dollar auszugeben, um bei Microsoft (Microsoft) Abonnements-Lizenzen zu kaufen?
(Anthropic bringt mit Claude Cowork zusätzlichen Verkaufsdruck, Software- und Finanzdienstleistungsaktien verlieren an einem Tag 285 Milliarden US-Dollar)
Rückt eine neue Chance im Vertrieb ein? Microsoft-Führung spricht über „Bezahlmodell für KI-Agenten“
Während die Öffentlichkeit nahezu einhellig das Ende der SaaS-Ära vorhersagt, brachte Rajesh Jha, Leiter für Software- und Gerätebereich bei Microsoft, in einer jüngsten Sitzung eine völlig andere Sichtweise vor. Er ist der Ansicht, dass, sobald Unternehmen KI-Agenten in großem Maßstab einsetzen, jeder Agent möglicherweise eine eigene Identitätsprüfung benötigt:
Dazu gehören System-Login-Konten, E-Mail-Adressen und sogar bezahlte Nutzungsberechtigungen auf der Softwareplattform (—wie es in der Branche das sogenannte „Sitz (seat)“ )-Modell heißt. All diese konkretisierten Agenten sind Geschäftsmöglichkeiten rund um „Seats“.
Er fügte außerdem hinzu: Ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitenden kaufe heute 20 Microsoft-365-Lizenzen; aber wenn in Zukunft jede Person mit 5 KI-Agenten ausgestattet wird, könnten selbst bei einem Rückgang der Zahl der Mitarbeitenden auf 10 die Anzahl der bezahlten Seats dennoch bei 50 bleiben. Daher wird KI den Markt für Software-Lizenzen nicht verkleinern, sondern ihn im Gegenteil möglicherweise stark erweitern.
Werden KI-Agenten den Markt ausweiten oder die Preisgestaltung zu Fall bringen?
Allerdings kauft nicht jeder diese Theorie. Nenad Milicevic, Partner bei der Beratungsfirma AlixPartners, glaubt, dass die Verbreitung von KI-Agenten die tatsächlichen Softwareeinsätze durch Menschen drastisch verringern wird. Die Anzahl der Lizenz-Seats dürfte deutlich schrumpfen. In Zukunft könnte das Betriebsmodell von Unternehmen vielleicht nur noch einen Mitarbeiter benötigen, der wenige KI-Agenten überwacht, statt dass früher 20 Mitarbeiter jeweils in unterschiedliche Systeme einloggen.
Wenn Softwareanbieter versuchen, für maschinellen Zugriff auf Dienste zusätzliche Gebühren zu erheben, könnten sie Kunden zudem eher zu Wettbewerbern treiben, die KI-Agenten den freien Zugriff ermöglichen und keine zusätzlichen Hürden einziehen. Für Kunden steigen dadurch die Verhandlungsargumente.
Das Marktforschungsinstitut IDC prognostiziert: Ein Reine-Seat-Modell als Abrechnungsbasis wird bis 2028 der Vergangenheit angehören. An seine Stelle tritt eine verbrauchsbasiertes Preismodell, das nach Nutzung oder tatsächlichem Ergebnis abgerechnet wird. Dazu prüfen Salesforce und auch Microsoft derzeit umsichtig, wie Kunden in ein neues Preismodell übergeleitet werden können.
Ursache der Frage: Zählt ein KI-Agent als „Mitarbeiter“?
Der Kern der Debatte lässt sich auf eine einfache Frage herunterbrechen: Können KI-Agenten als „Mitarbeiter“ im Unternehmen gelten? Diese Frage ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, aber die Antwort bestimmt direkt die wirtschaftlichen Modelle und die Wettbewerbslandschaft der globalen Unternehmenssoftwarebranche für die kommenden zehn Jahre.
Workday-CEO Bhusri hatte in einer Analysten-/Bilanzsitzung darauf hingewiesen, dass die beiden KI-Unternehmen, die als die größten SaaS-Bedrohungen gelten—Anthropic und OpenAI—selbst auch bezahlte Kunden von Workday sind. Dieser kleine Detailaspekt ist in diesem Überlebenskampf eine besonders bemerkenswerte Randnotiz.
Dieser Artikel Wie können SaaS-Unternehmen im Post-AI-Zeitalter überleben? Microsoft-Führung sorgt sich nicht: KI-Agenten müssen auch Lizenzen kaufen Erstmals erschienen in Kettennews ABMedia.