Der südkoreanische Tech-Konzern Samsung Electronics hat in der aktuellen KI-Welle trotz zahlreicher Arbeitskonflikte mit dem Kapital und der Belegschaft mit starken Umsatzrekorden aufgewartet. Doch genau deshalb ist das Unternehmen nun in eine Streitigkeit zwischen Arbeitskräften und Management geraten. Infolge der Unzufriedenheit über die Art und Weise, wie die Firmengewinne verteilt werden, droht die Gewerkschaft von Samsung: Wenn das Management nicht die Gehälter anhebt und Bonusregelungen verbindlich in die Vergütungsstruktur aufnimmt, wird sie ab dem 21. Mai einen Streik von insgesamt 18 Tagen ausrufen. Sollte das Wirklichkeit werden, könnte dies die globale Lieferkette von Speicherchips und der Auftragsfertigung (Chip Foundry) erheblich beeinträchtigen. Das hat wiederum die Aufmerksamkeit der südkoreanischen Regierung auf sich gezogen, die nun vermittelnd eingreift.
Gewinnbeteiligungs-Regeln verlangen Vergleich mit SK Hynix, Verhandlungen zwischen Arbeit und Kapital drohen zu scheitern
Laut einem Bericht der Financial Times steigt die Nachfrage der KI-Branche nach Hochbandbreiten-Speicher (HBM) und anderen fortschrittlichen Chips für Rechenzentren stark an. Das habe die operative Leistung von Samsung Electronics deutlich gestützt, sodass die Aktie des Unternehmens um mehr als 14% zulegte und die Marktkapitalisierung sogar die Marke von 1 Billion US-Dollar überschritt. Der Gewinn im ersten Quartal dieses Jahres lag bei 47,2 Billionen Won (rund 32,6 Milliarden US-Dollar) und damit bei fast dem Sechsfachen des Vorjahreszeitraums; der Großteil der Gewinne entfällt auf die Halbleitersparte.
Insider berichten, dass Samsung-Management bereits vorgeschlagen habe, etwa 13% des operativen Gewinns als Bonus bereitzustellen. Das entspräche rund 340.000 US-Dollar pro Mitarbeiter, wobei dieser Bonus allerdings nur einmalig ausgezahlt werden soll. Die Gewerkschaft fordert, dies in einer Vereinbarung zu verankern und sicherzustellen, dass die Bonuszahlungen künftig jedes Jahr erfolgen.
Die Gewerkschaft argumentiert, dass SK-Hynix-Mitarbeiter in diesem Jahr im Rahmen der Gewinnbeteiligung etwa 477.000 US-Dollar als Bonus erhalten könnten; im kommenden Jahr dürfte dies sogar näher an 900.000 US-Dollar heranreichen. Zudem sei das System der Gewinnbeteiligung auf zehn Jahre abgesichert. Zu den ursprünglich von der Gewerkschaft eingebrachten Bedingungen gehörten: 15% des operativen Gewinns der Halbleitersparte für Bonuszahlungen zu verwenden, eine Obergrenze für 50% der Bonuszahlungen zu streichen und die Gehälter um 7% anzuheben. Die Arbeitgeberseite hatte hingegen 10% Ausschüttung, eine Gehaltserhöhung um 6,2% sowie weitere Leistungen angeboten. Falls beide Seiten weiterhin keine Einigung erzielen können, geht die Gewerkschaft davon aus, dass sie ab dem 21. Mai einen 18-tägigen Streik auslöst.
Streik könnte globale Speicher-Lieferkette treffen! Samsung droht Einbußen bei großen Nvidia-Aufträgen
In letzter Zeit schließen KI-Unternehmen zunehmend langfristige Verträge mit Chip-Herstellern. Das treibt bereits die Einkaufspreise anderer Kunden wie im Consumer-Elektronik-Bereich nach oben. Samsung baut derzeit intensiv seine Foundry-Geschäftssparte aus und strebt an, ein verlässlicher Anbieter für Nvidias (Nvidia) HBM4-Chips zu werden. Ein Streik könnte das Vertrauen der Kunden daher schwer beschädigen.
Darüber hinaus könnte der Streik eine Domino-Wirkung auslösen und 1.700 Vorlieferanten von Samsung betreffen. Schätzungen der koreanischen Zentralbank zufolge entfällt in der wirtschaftlichen Entwicklung im ersten Quartal auf Korea bei einer Wachstumsrate von 1,7% etwa die Hälfte auf die Chipfertigung. Zudem entfallen auf Samsung und den Wettbewerber SK Hynix zusammen mehr als 40% Gewicht im südkoreanischen Leitindex für Aktien (Kospi); entsprechend groß wären die Auswirkungen auf die gesamte koreanische Wirtschaft.
Südkoreanisches Arbeitsministerium greift eilig zur Koordinierung ein! JPMorgan bewertet Auswirkungen auf Samsung-Kapazität und -Umsatz
Der Arbeitsminister in Südkorea rief dazu auf, dass beide Seiten – Arbeit und Management – sich gegenseitig entgegenkommen sollen. Samsungs Erfolge seien nicht nur dem Einsatz der Beschäftigten zu verdanken, sondern auch der Unterstützung durch die Regierung, den Kooperationspartnern und dem Zusammenwirken mit den lokalen Bewohnern. Man hoffe, dass Arbeits- und Managementseite so schnell wie möglich in einen echten Dialog eintreten können. Zu diesem Zweck habe das Arbeitsministerium am 8. Tag ein Dreiergespräch zur Vermittlung einberufen.
Im Hinblick auf mögliche finanzielle und kapazitive Auswirkungen bewertete JPMorgan (JPMorgan) in einem neu veröffentlichten Bericht: Wenn Produktionslinien für Wafer (Halbleiter) aufgrund des Streiks für 18 Tage stillstehen, würden voraussichtlich die Jahresproduktion bei DRAM um 0,9%, bei NAND-Flash-Speicher um 0,5% und bei der Auftragsfertigung (Foundry) um 2,4% beeinträchtigt. Der Umsatzverlust könnte damit 4 Billionen Won übersteigen (rund 2,76 Milliarden US-Dollar).
Dieser Artikel „Arbeits- und Kapitalparteien beim Gewinn- und Bonus-Teilen nicht einig! Samsungs Gewerkschaft schmiedet einen Großstreik, JPMorgan: Umsatz könnte 4 Billionen Won verschwinden lassen“ erschien zuerst auf Chain News ABMedia.