Der auf Gurugram basierte Brillenhändler Lenskart skizzierte in einem Aktionärsbrief eine AI-zentrierte Strategie für das Geschäftsjahr 2027 (FY27) und positionierte Künstliche Intelligenz als zentralen Treiber, um das Wachstum bei der Kundengewinnung und bei Augenuntersuchungen im gesamten Geschäft zu beschleunigen. Das Unternehmen plant, KI in den Stores, Fabriken und Kundenplattformen einzusetzen, um Augenuntersuchungen mit Produktdesign, Fertigung und Lieferung zu verknüpfen. Gründer Peyush Bansal kündigte ein Ziel an, die Zahl der Augenuntersuchungen in den nächsten Jahren auf 100 Millionen zu erhöhen, von derzeit rund 30 Millionen. Diese Expansion erfolgt, während Lenskart seine Position im indischen Markt für Brillen-Einzelhandel weiter ausbaut, wo ein Mangel an Optometristen in der gesamten Region weiterhin eine Einschränkung darstellt.
FY26 Finanzielle Performance und Filialausbau
Lenskart eröffnete im FY26 603 netto neue Stores und setzte damit sein aggressives Wachstum der physischen Präsenz fort. Der Umsatz im vierten Quartal stieg um 46% auf 25,2 Milliarden Rupien (260 Millionen US-Dollar). Der Gewinn sank jedoch auf 2 Milliarden Rupien (21,1 Millionen US-Dollar), bedingt durch einmalige Anpassungen. Das Unternehmen stellte außerdem klar, dass kurzfristige Umsätze aus seinem Smart-Brillen-Geschäft nicht in seiner Finanzprognose enthalten sind.
KI-Anwendungen in den bestehenden Geschäftsbereichen
Lenskart betreibt bereits KI-gestützte Remote-Augenuntersuchungen in mehr als 500 Stores und begegnet damit dem Mangel an Optometristen und Augenpflege-Spezialisten in ganz Indien und Asien. Das Unternehmen nutzt GeoIQ, ein firmeneigenes KI-Tool, um den Umsatz an bestimmten Store-Standorten zu schätzen und ermöglicht so die Standortauswahl mit Fokus auf kürzere Amortisationszeiten. In der App haben KI-gestützte Funktionen wie Virtual Try-on zu einem digitalen Einfluss auf Kaufentscheidungen beigetragen – 45% der Verkäufe von Lenskart in Indien werden inzwischen digital beeinflusst.
Smart Glasses und Modell der eigenen Produktion
Lenskart entwirft und fertigt seine Brillenprodukte selbst und behält so eine enge Kontrolle über Margen und Abläufe in der Lieferkette. Im H1 FY26 produzierte das Unternehmen 3,9 Millionen Fassungen und 2,6 Millionen Linsen in eigenen Einrichtungen. Das Unternehmen erweitert dieses Modell der vertikalen Integration auf Consumer Electronics über „B by Lenskart Smart Glasses“, entwickelt mit eigenen Hardware-, Software- und App-Entwicklungsfähigkeiten unter Nutzung der Google Gemini AI-Plattform. Der Launch ist bis März 2026 geplant.