Am 18. Mai sprach der Nobelpreisträger Michael Spence, Professor an der Stanford Graduate School of Business und Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften 2001, auf dem 2026 Tsinghua PBC Global Finance Forum in Chengdu. Dabei erklärte er, dass Künstliche Intelligenz das Potenzial habe, erhebliche Gewinne bei der Arbeitsproduktivität zu erzielen, die Wirksamkeit bei der Bewältigung der aktuellen wirtschaftlichen Belastungen jedoch weiterhin ungewiss sei.
Globale wirtschaftliche Stabilität unter Druck
Spence skizzierte eine sich verschlechternde globale Wirtschaftslage und stellte fest, dass die stabilisierenden Faktoren, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Weltwirtschaft stützten, allmählich verblassen. Er hob zunehmende geopolitische Spannungen hervor und beschrieb die moderne Welt als „voller Single Points of Failure“, in der jede lokale Störung systemische Verletzlichkeit auslösen könne.
Steigende Schulden- und Zinsratenherausforderungen
In weiten Teilen der Welt beobachtete Spence, dass die realen Zinssätze steigen und gleichzeitig die Schuldenstände zunehmen, was das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt. Er betonte, dass die langfristige Wirkung dieser Belastungen in erheblichem Maße von der Dauer der Spannungen im Persischen Golf abhängt. Sollten diese Spannungen anhalten, könnten sie über Schwankungen der Energiepreise hinaus tatsächliche Energiemangel verursachen und damit die Muster der globalen wirtschaftlichen Entwicklung grundlegend verändern.
KI als potenzieller Ausgleich
Spence machte Künstliche Intelligenz als möglichen ausgleichenden Faktor aus Sicht des Angebots aus. Während KI theoretisch einen Schub bei der Arbeitsproduktivität auslösen könnte, stellte er klar, dass entscheidende Fragen weiterhin unbeantwortet seien: Wie wird dieses Potenzial realisiert werden, wie stark werden die Produktivitätsgewinne ausfallen und in welchem Ausmaß können Verbesserungen der Produktivität dazu beitragen, aktuelle Belastungen wie Schulden und schleppendes Wachstum zu adressieren? Diese, so betonte er, bleiben offene Fragen.
Chinas strategischer Fokus auf KI und Technologie
Spence würdigte Chinas Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz und technologische Entwicklung im Rahmen seines 15. Fünfjahresplans. Er merkte an, dass dieses Potenzial nicht nur vom Aufbau grundlegender Modelle abhängt, sondern auch von der Anwendung der Technologie und ihrer tiefen Integration in soziale und wirtschaftliche Bereiche. China habe, so sagte er, eine systematische Planung und Umsetzung vorgenommen, um den Zugang zu und die Inklusivität von Finanzdienstleistungen in Fertigungs- und Dienstleistungsbranchen zu verbessern und so breitere gesellschaftliche Vorteile sicherzustellen.
Vorsichtiger Ansatz beim KI-Einsatz
Spence betonte die Bedeutung der Steuerung der KI-Nutzung und davor, einen übermäßigen Einsatz zu vermeiden. Er warnte, dass eine unkontrollierte Ausweitung erhebliche Risiken mit sich bringen könnte. Er warnte zudem davor, anzunehmen, Maschinen würden stets optimal funktionieren, und unterstrich die Notwendigkeit eines Lernprozesses, um geeignete KI-Anwendungen zu bestimmen. Letztlich argumentierte Spence, dass die Gesellschaft die richtige Rolle für KI finden und wirksame Rahmen für die Interaktion und Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine entwickeln müsse.