
Der Makro-Investor und Mitbegründer von Real Vision, Raoul Pal, und der Wall-Street-Strategiechef Jordi Visser unterhalten sich am 14. Juni in einem Podcast-Interview über den von KI vorangetriebenen Rechenleistungs- und Energiebedarf, der traditionelle Ressourcen ersetzt, die Engpässe beim Bau von Rechenzentren sowie über die KI-Agentenökonomie und die Tokenisierung; beide sind der Ansicht, dass sich Kryptowährungen in einer Konsolidierungs- und Verdauungsphase befinden, bevor Kapitalumschichtungen als dritte Welle entstehen, sobald die Engpässe in der KI-Infrastruktur auslösen.
Jordi Visser skizziert im Gespräch einen zentralen Rahmen: In der Vergangenheit musste man für den Aufbau eines Geschäfts Kredite aufnehmen, Mitarbeiter einstellen und Büroräume mieten; in einer neuen Welt, in der „Rechenleistung und Energie“ im Mittelpunkt stehen, haben diese Regeln sich völlig geändert. Wenn man nicht in der Lage ist, die benötigten Chips herzustellen oder nicht genügend Strom bekommt, kommt es zu einem Engpass bei Angebot und Nachfrage – und der Engpass liegt nicht an zu geringer Nachfrage, sondern an zu großer.
Raoul Pal ergänzt dazu sein „Reed’s Law“-(Quadrat des Exponenten)-Rahmenwerk: Durch die Einbindung von GPUs und KI zeigt das Wachstum der Rechenleistung auf Logarithmus-Chartdarstellungen mittlerweile ein „doppelt exponentielles“ Wachstum. Seine Beobachtung: Der Baufortschritt der Rechenzentren liegt nur bei 30% dessen, was in den erwarteten Ankündigungen vorgesehen war. Hinzu kommen der Technologie-Wettbewerb zwischen den USA und China sowie, dass kein einziges Unternehmen an der Spitze der KI weitere Rechenleistung monopolisieren kann – das mache es nahezu unvermeidbar, dass sich ein „Superzyklus“ bildet, und dieser werde „der größte Zyklus für Kapitalausgaben sein, den man in der menschlichen Geschichte jemals sehen kann“.
Jordi Visser beschreibt KI-Agenten mithilfe einer Analogie „Denker“: Wenn plötzlich 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde auftauchen würden, wären die Ressourcen sofort aufgebraucht; KI-Agenten hingegen bringen Dutzende Milliarden oder sogar Hundert Milliarden neue „Denker“, und sie verbrauchen nur Rechenleistung, müssen aber weder ein Haus kaufen noch Kinder aufs College schicken. Jordi Visser ist der Ansicht, dass das zu einer „Ära der Fülle“ führt, in der Menschen wählen können, ob sie weiterhin arbeiten müssen.
Jordi Visser’ Rahmen der „unsichtbaren Wirtschaft“: KI-Agenten werden untereinander Transaktionen in Millisekunden über API-Aufrufe durchführen – das Ausmaß sei immens, in den bestehenden Rahmenbedingungen aber nahezu unsichtbar. Er glaubt, der größte Markt der Erde werde nicht mehr der Vermögensmarkt der Menschen sein, sondern der Datenmarkt, den KI begehrt. Raoul Pal ergänzt: OpenAI hat 1 Milliarde Nutzer – jeder Nutzer ist die Nutzung dieser gigantischen, unterschiedlichen Instanzen von „Intelligenz“. In der „Intelligenz“ entsteht zudem eine exponentielle Überlagerung.
Raoul Pal sagt, dass etwa zwei Drittel der riesigen Vermögenswerte der Welt (z.B. Immobilien, Private Equity, Venture Capital, Kunst) nicht liquide sind und als „schlafende“ Vermögenswerte gelten; sobald sie tokenisiert werden, bringen sie Transparenz und eine höhere Liquiditätsgeschwindigkeit. Eine erhöhte Liquiditätsgeschwindigkeit steigert direkt das BIP. Er sieht Tokenisierung als Schlüsselwerkzeug, um Probleme von Staatsschulden, Langzeit-Förderleistungen im Alter und Fragen der Eigentümerschaft zu lösen – und auch als eine der Voraussetzungen, die die „dritte Welle“ im Kryptomarkt auslösen können.
Jordi Visser’ Einschätzung zu drei großen IPOs: Er ist der Meinung, OpenAI, Anthropic und SpaceX seien drei der großen IPOs. In einem Markt mit begrenztem Kapital-Wettbewerb „zapfen“ diese Firmen den Aktienmarkt für Geld an; seine Einschätzung ist, dass diese IPOs „möglicherweise“ die Spitze der Capex-Transaktionen im kurzfristigen AI-Infrastruktur-Sektor markieren, aber nicht bedeuten, dass der gesamte Markt seinen Höhepunkt erreicht. Das Kapital werde in der Folge zu anderen Zielwerten wie Software umschichten.
Raoul Pals Einschätzung zur Konsolidierung über 3 bis 6 Monate: Raoul Pal sagt, er habe gerade „AI-Capex im Selbstbedienungsbuffet“ erlebt und brauche daher 3 bis 6 Monate Konsolidierung und Verdauung. Er nennt zwei Voraussetzungen für die dritte Kryptowelle: Erstens würden Engpässe bei der KI-physikalischen Infrastruktur dazu führen, dass sich Kapital hin zu digitalen Welt-Zielwerten verlagert, bei denen man nur Kapazität braucht und keine physische Expansion. Zweitens würde Tokenisierung dazu führen, dass institutionelles Kapital wieder in den Kryptomarkt eintritt.
Jordi Visser’ Logik zur Verdauung von Bitcoin-ETFs: Er ist der Ansicht, dass Bitcoin-ETFs durch die Genehmigung und die Unterstützung durch den Präsidenten große Mengen an Nachfrage vorwegnehmen und damit im Grunde ein Jahr Bedarf „vorverbrauchen“. Vor dem Hintergrund, dass sich die globale Liquidität pro Jahr nur um etwa 10% ausweitet, muss das vorgelagerte Kapital eines Jahres jetzt ein Jahr lang verdaut werden. Das sei derzeit eine unvermeidliche Form von schmerzhafter Konsolidierung.
Das ist eine von Raoul Pal in dem Podcast zitierte persönliche Beobachtungszahl. Er sagt, „der Baufortschritt der Rechenzentren liege nur bei 30% dessen, was in den erwarteten Ankündigungen angekündigt war“. Das ist eine persönliche Aussage von Raoul Pal, keine bestätigte Zahl einer offiziellen Statistik- oder Forschungsinstitution.
Jordi Visser’ persönliche Einschätzung lautet: Die drei großen IPOs von OpenAI, Anthropic und SpaceX stehen dafür, dass diese Unternehmen in einem Kapitalmarkt mit begrenzten Möglichkeiten sich Finanzierungen von externen Aktionären holen. Er glaubt, dass dies „möglicherweise“ kurzfristig den Höhepunkt der Capex-Transaktionen für KI-Infrastruktur markiert, betont aber, dass dies nicht bedeutet, dass der gesamte Markt seinen Höhepunkt erreicht. Das ist Jodis Visser’ persönliche makroökonomische Einschätzung, keine bestätigte Marktanalyse.
Jordi Visser bezieht sich im Gespräch auf die Elliott-Wellen-Theorie und sagt, dass er auf die „dritte Welle“ im Kryptomarkt wartet, analog zu dem Zeitpunkt, den er zuvor bei Micron Technologies mit einem starken Anstieg erwischt habe. „Banana Zone“ ist der persönliche Begriff von Jordi Visser und bezeichnet die Phase, in der er eine deutliche Ausweitung im Kryptomarkt erwartet. Das ist ein persönlicher Anlage-Framework auf Basis der Wellentheorie und keine bestätigte zeitliche Marktanalyse.
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