Der bekannte Leervermittler Culper Research veröffentlichte am 13. Mai 2026 einen Bericht, in dem behauptet wird, dass der Halbleiter-Gigant Nvidia (NVDA) nach seinen öffentlich erklärten Rückzug aus dem China-Markt tatsächlich weiterhin leistungsstarke KI-Chips über illegale Kanäle und Zwischenhändler in Südostasien nach China liefert. Culper sagt zudem, dass bereits Leerverkaufspositionen (short) gegen NVDA aufgebaut wurden und diese Daten lediglich „die Spitze des Eisbergs“ seien. Kaum wurde die Nachricht bekannt, stieg der Kurs der Nvidia-Aktie an diesem Tag trotz der Vorwürfe um knapp 2,3%.
Culper-Bericht: Mehr als ein Fünftel der Einnahmen kommt aus China, Nvidia behauptet, den Markt verlassen zu haben
Culper Research führt in dem Bericht aus, dass der CEO von Nvidia, Jensen Huang, mehrfach betont habe, das Unternehmen sei vollständig aus dem China-Markt ausgestiegen, und dass nach der US-Handelsbeschränkung für China, die im April 2025 in Kraft trat, das Geschäft mit China auf null gesunken sei. Laut Culper zeigten jedoch die eigenen Ermittlungen, dass im Geschäftsjahr 2026 mehr als 20% der Einnahmen aus Rechenchips weiterhin aus China stammen, lediglich getarnt durch illegale Umleitungen und Zwischenhändler in Südostasien.
Die Organisation ist der Ansicht, Nvidia verfüge über Tools, um solche Umleitungsaktivitäten zu erkennen, habe jedoch keine Maßnahmen ergriffen, um sie zu unterbinden. Dies mache potenzielle Versäumnisse in der internen Unternehmensführung deutlich und stehe im Widerspruch zu den öffentlichen Aussagen von Nvidia gegenüber Investoren und Aufsichtsbehörden.
(Der Mitgründer von Super Micro soll 2,5 Milliarden US-Dollar an Nvidia-KI-Chips nach China geschmuggelt haben, SMCI-Aktie bricht nach Börsenschluss um 12% ein)
Schwerpunkt: Die geheime Geldkette zwischen der neuen Megaspeed in Singapur und Alibaba
Culper nennt in dem Bericht die in Singapur ansässige Firma Megaspeed International als größten Chiplieferantenkäufer von Nvidia in Südostasien. Der Bericht legt offen, dass die Bilanz von Megaspeed innerhalb nur eines Jahres von 33 Millionen US-Dollar auf 3 Milliarden US-Dollar explodierte, wobei der Großteil des sprunghaften Anstiegs nahezu vollständig aus nicht identifizierten „erstattungsfähigen Kautionen“ in Höhe von 2,9 Milliarden US-Dollar stammte.
Darüber hinaus zeigen Registrierungsunterlagen aus Malaysia, dass die Megaspeed-Tochter Speedmatrix im Juni 2024 das gesamte Geschäftsvermögen als Sicherheit bei einer singapurischen Einheit namens Apex Enterprise Solutions hinterlegte. Deren Muttergesellschaft ist der chinesische Tech-Gigant Alibaba. Ende März 2025 lagen die Vorauszahlungen von Apex an Alibaba bei über 4,1 Milliarden US-Dollar, während die entsprechenden Verbindlichkeiten aus Krediten 4,2 Milliarden US-Dollar betrugen – die Geldflüsse seien demnach klar nachvollziehbar.
Handelsaufzeichnungen weisen zudem darauf hin, dass Speedmatrix von Dezember 2024 bis Januar 2026 insgesamt rund 4,6 Milliarden US-Dollar an Serverprodukten importierte, davon 4 Milliarden US-Dollar von Aivres Systems Inc., die zugleich ein Elite-OEM-Partner von Nvidia ist und sich auf den Zusammenbau von Servern mit Nvidia-Chips spezialisiert hat. Nebenbei: Der frühere Name von Aivres war der chinesische Server-Großkonzern Inspur Systems; derzeit hält der chinesische Staat noch ein Drittel der Anteile.
Jensen Huang in Privatplänen genannt, der Supermicro-Fall zeigt nur einen Ausschnitt des Schmuggelfunks
Culper nennt außerdem private Kontakte zwischen Jensen Huang und zentralen Figuren bei Megaspeed. Der Bericht zitiert einen derzeitigen Megaspeed-Mitarbeiter mit der Aussage, dass Jensen Huang alle paar Monate das Datenzentrum von Megaspeed besucht, und dass bei jedem Besuch ein Vertreter von Alibaba mit anwesend sei – die Beziehung sei sehr eng.
Dazu knüpft Culper die Zusammenarbeit zwischen Nvidia und Megaspeed an die US-Anklage im März 2026 des US-Justizministeriums (DOJ) gegen Super Micro Computer (SMCI) an. Culper ist der Ansicht, Megaspeed sei lediglich ein Teil, der in einem deutlich größeren Netzwerk des Server-Schmuggels sichtbar geworden sei; die betreffenden Ermittlungen laufen derzeit noch.
Zuvor hatte Nvidia der New York Times mitgeteilt, Megaspeed sei ein Unternehmen, das „vollständig von außerhalb Chinas ansässigen Unternehmen gehalten wird und keine chinesischen Anteilseigner“ habe. Culper macht dazu besonders deutlich, dass die Wortwahl von Nvidia lediglich die Beteiligungsstruktur abdecke und bewusst die Finanzierungskonstellation im Hintergrund ausklammere.
Peking setzt auf inländische Chips, Nvidia droht eine Einnahmelücke
Zusätzlich zu den rechtlichen Risiken warnt der Culper-Bericht auch vor der künftigen Einnahme-Perspektive von Nvidia. Während Peking ausländische Chips verstärkt unter Druck setzt und den Ausbau von inländischen KI-Alternativen beschleunigt, droht Nvidia, falls diese illegale Lieferroute nach China gekappt wird, eine erhebliche „Lücke“ in den erwarteten zukunftsorientierten Einnahmen zu erleiden.
Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Culper-Berichts sei recht sensibel: Jensen Huang sei heute gemeinsam mit US-Präsident Trump bei der Reise nach China dabei, um die Verkaufswege für Chips nach China erneut zu öffnen. Dazu zeigt sich die Nvidia-Aktie an diesem Tag jedoch im Plus: Sie schloss mit einem Gewinn von 2,29% bei 225,83 US-Dollar. Das deutet darauf hin, dass Investoren derzeit stärker auf die positiven Signale rund um eine Lockerung im China-Handel fokussiert sind als auf die Vorwürfe in dem Leerverkaufsbericht.
Der Beitrag „Der Leerverkaufsbericht von Culper Research macht Nvidia zum Ziel: illegales Umleiten von Chips geduldet, 20% der Einnahmen stammen aus China“ erschien zuerst bei 链新闻 ABMedia.