Das Wall Street Journal berichtet, dass die wichtigsten Börsenindizes an der Wall Street die Spielregeln stillschweigend ändern, um die mit Spannung erwarteten ersten Börsengänge (IPOs) zahlreicher Kandidaten wie SpaceX, OpenAI und Anthropic aufzunehmen. Die Wartezeit, bevor diese neuen Stars in große Indizes aufgenommen werden, soll künftig deutlich verkürzt werden, doch die Maßnahmen, die den Unicorns Tür und Tor öffnen, lassen den Markt zugleich befürchten, ob der wahre Wert von Aktien zu stark verzerrt wird.
Um für Mega-IPO Platz zu schaffen: S&P und der Nasdaq lockern die Aufnahmekriterien stark
Um sicherzustellen, dass die Indizes die Marktdynamik zeitnah widerspiegeln und die Hype-Neustars einfangen, haben die S&P Dow Jones Indices (S&P Dow Jones Indices) und der Nasdaq gemeinsam neue Maßnahmen ergriffen. S&P hat jüngst vorgeschlagen, die Beobachtungsfrist für neu gelistete Aktien von ursprünglich 12 Monaten auf 6 Monate zu verkürzen und sogar zu erwägen, bei besonders großen kapitalgewichteten Aktien die Schwellen für die Ertragsfähigkeit direkt zu entfallen.
Der Nasdaq-100-Index führt außerdem ab dem 1. Mai eine neu eingeführte „schnelle Aufnahme“ (fast entry) für seine Indexmitglieder ein. Zukünftig gilt: Wenn ein Super-IPO oder ein Unternehmen, das auf den Markt transferiert wird, in die bestehenden Indexpositionen unter den Top 40 nach Marktkapitalisierung vorstößt, unterliegt es nicht mehr den strengen bisherigen Beschränkungen hinsichtlich Zeit und Liquidität. Das bedeutet, dass diese Schwergewichte bereits am 15. Handelstag nach dem Listing direkt in den Nasdaq-100-Index als Bestandteile einziehen können.
Bewertungskriterien werden auf „Gesamtkapitalisierung“ umgestellt, die Free-Float-Begrenzung entfällt
Der Nasdaq hat die Auswahlkriterien für Indexmitglieder angepasst und damit statt der bisherigen „Free-Float-Marktkapitalisierung“ auf die „Gesamtkapitalisierung“ umgestellt. Zudem hebt der Nasdaq die starre Mindestschwelle von 10% Free-Float-Aktien vollständig auf. Der Nasdaq erklärt offiziell, dass bei der Berechnung der Marktkapitalisierung sowohl „an der Börse gehandelter Free Float“ als auch „nicht an der Börse gehandelter Free Float“ in die Bewertung einbezogen werden müssen, um sicherzustellen, dass echte Kapitalisierungsriesen nicht aus den Indexschwellen herausgedrängt werden.
Um zu verhindern, dass die Indexgewichte von den tatsächlich handelbaren Marktvolumen abweichen, führt der Nasdaq parallel ein „dynamisches Gewichtungssystem“ ein. Die Funktionslogik ist wie folgt: Wenn der Anteil der Free-Float-Aktien an den Gesamtaktien eines Unternehmens höher als 33,3% ist, wird der Index bei der Berechnung mit 100% Gesamtkapitalisierung gewichtet; liegt der Anteil unter 33,3%, wird als Gewichtungsbasis „Free-Float-Quote mal 3“ und anschließend „mal Gesamtkapitalisierung“ herangezogen. Durch dieses Modell erhalten auch Unternehmen mit geringerem Handelsvolumen im Index ein angemessenes Gewicht, ohne dass es größer ausfällt als das, was der Markt realistisch aufnehmen kann.
Kontroverse um Sonderrechte bei Aktien und Risiko von Überbewertungen gleichzeitig
Obwohl sich die Indexhersteller bemühen, durch diese Vorgehensweise auf Veränderungen zu reagieren, stößt das auf deutliche Kritik aus dem Markt. Kritiker argumentieren, die Lockerung der Kriterien komme einer Art Sonderrecht für die fokussierten Hot-Spot-Aktien gleich. Solange der Markt noch nicht durch ausreichend Preisfindungsverfahren gegangen sei, würden sich große Zuflüsse passiver Fonds-Käufe förmlich aufstauen, was höchstwahrscheinlich zu einer erheblichen Verzerrung der Kurse führt und damit viele Privatanleger, die Indexfonds-Aktien halten, einem Risiko aussetzt.
Dieser Artikel: Um den Hype um die IPOs von SpaceX, OpenAI und Anthropic abzugreifen, lockern Nasdaq und S&P die Standards. Erstmals erschienen bei Kettennews ABMedia.