WSJ: Stablecoins sind „Privatwährungen“ – Risiko einer Wiederholung der Zeit der freien Banken

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Das Wall Street Journal (WSJ) analysierte am 26. Mai in einem Artikel, dass Stablecoins trotz der Unterzeichnung und Inkraftsetzung des „GENIUS“-Gesetzes und der laufenden Prüfung des „CLARITY“-Gesetzes im US-Senat ihrem Wesen nach „Privatwährungen“ sind und damit strukturelle Risiken für das Finanzsystem mit sich bringen könnten. Daten von Chainalysis zeigen, dass Stablecoins 84% der illegalen Krypto-Asset-Aktivitäten ausmachen (hauptsächlich zur Umgehung von Sanktionen und zum Geldwäschevollzug).

Kernanalyse des WSJ: Stablecoins fehlt die „Einheitlichkeit“ des US-Dollars

Das WSJ führt aus, dass zu den grundlegenden Eigenschaften von Geld „Einheitlichkeit“ gehört – zu jeder Zeit und an jedem Ort muss ein US-Dollar stets einen US-Dollar wert sein. Bankeinlagen besitzen diese Einheitlichkeit, weil sie über Kredite der Notenbank (Federal Reserve) eingelöst werden können; Stablecoins hingegen funktionieren auf jeweils eigenständiger, dezentraler Infrastruktur und haben diese Eigenschaft nicht. USDT und USDC sind zwar an den US-Dollar gekoppelt, ihr Kurs kann jedoch dennoch von 1 US-Dollar abweichen. Das WSJ zitiert dazu den Generaldirektor der BIS, Pablo Hernández de Cos: „Stablecoins versuchen, sich Glaubwürdigkeit aus dem öffentlichen Geld zu holen, treiben jedoch abseits des etablierten Abwicklungssystems.“ Das WSJ ist der Ansicht, Stablecoins spielten den Pfad der Privatwährungen aus der US-amerikanischen Ära der „Free Banking“-Zeit nach (1837 bis 1863): Damals konnten Banken selbst Währungen ausgeben, das System war jedoch zersplittert, Betrug war weit verbreitet und der Wert der Währungen schwankte gegenseitig.

Umfang und Bestätigungs-Lücken im bestehenden Regulierungsrahmen

Michael Barr, Mitglied des Federal Reserve Board, hatte darauf hingewiesen, dass es im „GENIUS“-Gesetz Lücken gebe: Bankeinlagen könnten ohne Versicherungsschutz sein; außerdem könne die Aufnahme von Geldern über „Rückkauf“-Kredite (Repos) erfolgen, bei denen auch ausländische Gelder einfließen könnten (möglicherweise einschließlich Bitcoins, die vom von Salvadors Anerkennung umfasst sein könnten). Das „GENIUS“-Gesetz deckt keine außerhalb der USA betriebene Krypto-Assets ab; USDT von Tether fällt daher nicht unmittelbar in den Anwendungsbereich, obwohl Tether ein USAT auf den US-Standard gebracht hat. Japan verfügt über einen sorgfältig gestalteten Regulierungsrahmen für Krypto-Assets, doch die Marktkapitalisierung von Yen-Stablecoins liegt unter 0,01% der Marktkapitalisierung von Dollar-Stablecoins (de Cos zufolge).

Datenbasis: Chainalysis 84% und Studie der Federal Reserve Bank of Kansas City

Die Daten von Chainalysis zeigen, dass Stablecoins 84% aller illegalen Krypto-Asset-Aktivitäten ausmachen, vor allem im Zusammenhang mit der Umgehung von Sanktionen und Geldwäsche; der Handel mit Krypto-Assets bleibt weiterhin der wichtigste Verwendungszweck von Stablecoins. Die Schlussfolgerung einer Studie der Federal Reserve Bank of Kansas City lautet, dass der Anteil von Stablecoins, der für Zahlungen in der Realwirtschaft verwendet wird, unter 1% liegt. Das WSJ weist darauf hin, dass der Großteil der Stablecoins an den US-Dollar gekoppelt ist und der größte Teil außerhalb der USA gehalten wird – meist, um Gesetze oder Kapitalverkehrskontrollen zu umgehen.

Häufige Fragen

Hat das „GENIUS“-Gesetz die wichtigsten Risiken von Stablecoins bereits gelöst?

Das „GENIUS“-Gesetz ist unterzeichnet und in Kraft getreten. Es verpflichtet, dass US-Stablecoins durch sichere und liquide Vermögenswerte wie US-Staatsanleihen und Bankeinlagen gestützt werden. Michael Barr vom Federal Reserve Board weist jedoch darauf hin, dass das Gesetz Lücken aufweist, darunter die Möglichkeit, dass Bankeinlagen keinen Versicherungsschutz haben. Das WSJ sagt, dass es keine Gesetzgebung gebe, die die Risiken, die Stablecoins bereits durch ihr eigenes Design inne haben, vollständig beseitigen kann.

Unterliegt Tethers USDT dem „GENIUS“-Gesetz?

Das „GENIUS“-Gesetz deckt keine außerhalb der USA betriebenen Krypto-Assets ab; Tethers USDT wird überwiegend außerhalb der USA betrieben und fällt daher nicht in den direkten Anwendungsbereich des Gesetzes. Tether hat eine Version USAT auf den US-Vorgaben eingeführt, doch USDT selbst unterliegt diesem Gesetz nicht.

Worauf beziehen sich die Chainalysis-Daten „Stablecoins machen 84% illegaler Krypto-Aktivitäten aus“ konkret?

Laut den Daten von Chainalysis entfallen 84% aller illegalen Krypto-Asset-Aktivitäten auf Stablecoins (nicht auf andere Krypto-Assets), hauptsächlich im Zusammenhang mit der Umgehung von Sanktionen und Geldwäsche. Das ist die statistische Grundlage, die das WSJ nutzt, um zu argumentieren, dass Stablecoins in ihren Anwendungsfällen im Rahmen von Compliance weiterhin begrenzt sind; die konkrete Methodik ist dem ursprünglichen Chainalysis-Report zu entnehmen.

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