Die Information berichtete am 14. April, dass die KI-Firma OpenAI mit den Ergebnissen der Integration von ChatGPT und Apple unter den eigenen Produkten ziemlich unzufrieden ist. OpenAI hat bereits externe Anwaltskanzleien beauftragt und erwägt rechtliche Schritte gegen Apple, darunter das Versenden einer Vertragsverletzungsmitteilung. Das spiegelt wider, wie sich die Kooperation zwischen zwei Tech-Giganten rasant verschlechtert hat.
OpenAI und Apple brechen zusammen: Die ChatGPT-Integration bleibt hinter den Erwartungen zurück
Die Zusammenarbeit war ursprünglich im Juni 2024 auf der Apple Worldwide Developers Conference (WWDC) angekündigt worden. Dabei wurde ChatGPT tief in Apples Betriebssystem integriert, als Erweiterungsoption für Siri, und in die iPhone-Funktion „Visuelle Intelligenz (Visual Intelligence)“ eingebettet. Nutzer sollen so mithilfe der Kamera ihre Umgebung in Echtzeit analysieren und Bilder an ChatGPT senden können, um Fragen und Antworten zu erhalten.
Allerdings ist OpenAI mit dem Kooperationsergebnis stark unzufrieden. Laut Bericht hatte OpenAI ursprünglich erwartet, dass diese Integration dem Unternehmen Abo-Einnahmen im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar einbringen und eine zentrale Position im weltweit am weitesten verbreiteten mobilen Ökosystem festigen würde. In der Realität wurden die ChatGPT-Funktionen jedoch in der Benutzeroberfläche „begraben“, sodass Nutzer sie nur schwer finden. Der tatsächliche Umsatz blieb weit hinter den Erwartungen zurück.
Ein OpenAI-Manager soll resigniert gesagt haben: „Apples Haltung war damals, OpenAI solle ‚einen letzten Versuch wagen und uns vertrauen‘. Doch am Ende ist das Ergebnis enttäuschend.“
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Rechtliche Schritte nehmen Form an: Vertragsverletzungsmitteilung oder der erste Schritt
Derzeit hat OpenAI externe Anwälte zur Unterstützung in rechtlichen Fragen engagiert. Es heißt, dass möglicherweise eine Vertragsverletzungsmitteilung an Apple gesendet wird, aber nicht unbedingt sofort in eine Klage eskaliert. Juristen analysieren, dass OpenAI wahrscheinlich zunächst mit einer rechtlichen Mitteilung Druck ausüben will, um sich für anschließende Verhandlungen oder eine spätere Klage Flexibilität offenzuhalten.
Wichtig ist zudem: Jede formelle rechtliche Maßnahme soll voraussichtlich erst dann starten, wenn das aktuelle Gerichtsverfahren zwischen OpenAI und Musk (Elon Musk) abgeschlossen ist. Musks Klage zielt darauf ab, OpenAI vorzuwerfen, von seinem nicht gewinnorientierten Gründungszweck abgewichen zu sein. Dieses Verfahren befindet sich derzeit noch in der Prüfung. Für OpenAI bedeutet es, gleichzeitig zwei juristische Fronten abzuarbeiten, zweifellos eine große Herausforderung.
Apples Gegenangriff: Datenschutzbedenken und Wettbewerb mit Hardware im Kern im Widerspruch
Apple äußert Berichten zufolge Bedenken hinsichtlich der Standards von OpenAI zum Datenschutz und ist zugleich unzufrieden, dass OpenAI aktiv in den Hardware-Bereich expandiert. Von außen wird das als eine positive Herausforderung für Apple gesehen. Das bedeutet auch, dass die Konflikte beider Seiten längst über das reine Problem der Integrationsleistung hinausgehen – es geht vielmehr um einen tieferen Interessenkonflikt und einen Richtungsstreit.
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Außerdem hat Apple längst einen Ausweg gefunden: Im Januar dieses Jahres haben Apple und Google eine mehrjährige Vereinbarung unterzeichnet. Dabei stellt Google mit „Gemini“ die KI-Modellunterstützung für Apples nächste Generation „Apple Intelligence“. Apple zahlt Google dafür jährlich rund 1 Milliarden US-Dollar. Durch die Einbindung von Google wird die strategische Stellung von OpenAI im Apple-Ökosystem weiter geschwächt.
Geschichte wiederholt sich: Rückblick auf die „zerbrochenen“ Partnerschaften mit Apple
Dieser Fall ist für OpenAI kein Einzelfall. Ein Rückblick auf Apples langjährige Vorgehensweise gegenüber Kooperationspartnern zeigt ein Muster: erst enge Umarmung, dann starkes Dominieren und am Ende sogar die Ausgrenzung des jeweiligen Partners.
Am bekanntesten ist das Beispiel Google Maps. Als zentrale Kernfunktion der ersten iPhone-Generation wurde Google Maps von Apple im Jahr 2012 durch den eigenen Kartendienst ersetzt. Das Ergebnis: Die Nutzer schienen das nicht zu akzeptieren. Auch Adobe hatte eine schmerzliche Erinnerung: Steve Jobs weigerte sich, iPhone und iPad um Flash-Technologie zu unterstützen, und veröffentlichte 2010 einen offenen Brief, um die Gründe zu erklären. Von da an ging Flash bergab. Die Musik-Streaming-Plattform Spotify wirft Apple seit Jahren vor, die mit App Store dominierende Stellung zu nutzen, um Wettbewerber zu unterdrücken. Das führte schließlich dazu, dass die Europäische Kommission im März 2024 entschied, Apple habe gegen Vorschriften verstoßen, und eine Geldbuße von knapp 18 Millionen Euro verhängte.
Diese Beispiele zeigen immer wieder: Für jedes Softwareunternehmen ist Apples Plattform zwar ein umkämpftes Schlachtfeld, zugleich aber auch ein „Auswärtsstadion“, in dem man jederzeit aus dem Rennen gedrängt werden kann.
Auf allen Fronten unter Druck: OpenAI muss sich gleichzeitig mit mehreren Rechtsstreitigkeiten befassen
Die Lage von OpenAI ist noch nicht einmal damit erschöpft. Neben dem Bruch mit Apple steckt OpenAI auch tief in dem juristischen Streit mit Musk, außerdem heißt es, dass es bei der Vorbereitung eines IPO zwischen OpenAI und Microsoft zu Spannungen gekommen sei. Als größter Geldgeber und Partner bei der Infrastruktur ist die angespannte Beziehung zwischen beiden auch der Grund, warum sich die Öffentlichkeit fragt, wie sich OpenAIs Entwicklung in Zukunft gestalten wird.
Ob OpenAI und Apple wirklich vor Gericht landen, ist derzeit noch unklar. Doch dieses für die Tech-Branche besonders beachtete Kooperationsprojekt ist bereits an der Schwelle zum möglichen Gang vor Gericht angelangt.
Dieser Artikel: OpenAI erwägt, Apple zu verklagen – die ChatGPT-Integration enttäuscht; der Tech-Giganten-Deal bricht frühestens zuerst auf ABMedia in der Kettennachrichten-Rubrik auf.