Sygnum wurde die erste regulierte Schweizer Bank, die Live-Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten über einen KI-Agenten durchführt, während sie die Kontrolle der Kunden über Verwahrung, Wallet-Autorisierung und die finalen Transaktionsfreigaben beibehält. Das am 18. Mai 2026 angekündigte Pilotprojekt stellt eine bedeutende Entwicklung bei der Integration KI-gestützter Workflows in regulierte Finanzsysteme dar, da Banken bewerten, wie intelligente Systeme direkt mit Blockchain-Netzwerken interagieren können. Laut Sygnum interpretierte der KI-Agent die Klartext-Anweisungen der Kunden und bereitete unabhängig komplexe Blockchain-Transaktionen in einer Live-Mainnet-Umgebung vor, bevor er die vorbereiteten Aktionen den Kunden zur finalen Autorisierung vor der Ausführung vorlegte.
Menschlich kontrolliertes KI-Ausführungsmodell
Sygnum betonte, dass private Schlüssel den Besitz der Kunden während des gesamten Prozesses niemals verlassen. Alle Transaktionen wurden ausschließlich über selbstverwahrende Wallets signiert, die direkt von den Kunden auf ihren persönlichen Geräten betrieben wurden. Die Bank konzipierte die Architektur um ein Human-in-the-loop-Framework herum und stellte so sicher, dass KI-gestützte Abläufe nicht weiterlaufen konnten, ohne dass die Kunden ausdrücklich zustimmen.
Der KI-Agent konnte Workflows vorbereiten, die Überweisungen mit Stablecoins, Token-Swaps, Liquiditätsbereitstellung, Token-Wrapping und dezentrale Kreditaufnahme-Positionen umfassten. Das System prüfte außerdem Smart Contracts, bewertete Transaktionsstrukturen, analysierte potenzielle Risiken und kartierte Ausführungsstrategien, bevor es die Kunden zur Autorisierung anforderte.
Sygnum strukturierte die Plattform so, dass die KI die Workflow-Vorbereitung und die operative Analyse übernahm, während die Kunden die ausschließliche Befugnis über die Transaktionsfreigabe und die Verwahrung der Vermögenswerte behielten.
Governance- und Regulierungsrahmen
Thomas Frei, Head of AI and Data Analytics bei Sygnum Bank, erklärte, dass die direkte Anbindung von KI-Agenten an Wallets ein grundlegender Schritt in der zukünftigen Entwicklung des Finanzwesens sei. Frei zeigte, dass das Hauptziel der Institution darin bestand, Automatisierung mit Einwilligung, Vertrauen und Schutzmaßnahmen für die Verwahrung auf Bankenniveau in Einklang zu bringen, und damit zu demonstrieren, wie eine regulierte Bank schnellere und besser zugängliche KI-gestützte Ausführungsservices bereitstellen kann, ohne die Kontrolle der Kunden über ihre Vermögenswerte zu beeinträchtigen.
Sygnum erklärte, dass sein Governance-Rahmen strenge Standards für Transparenz, Verantwortlichkeit, Datenmanagement, operative Resilienz und Risikokontrolle umfasst, im Einklang mit den Anforderungen an reguliertes Bankwesen. Die Bank betonte, dass KI dazu gedacht sei, menschliche Entscheidungen zu stärken, statt die Beaufsichtigung durch Kunden oder vertrauenswürdige finanzielle Beziehungen zu ersetzen.
Technologische Infrastruktur
Das Pilotprojekt wurde unter Nutzung eines von dem Sygnum-Team intern erstellten Model Context Protocol (MCP)-Servers entwickelt und mit dem Claude-Modell von Anthropic betrieben. MCP ist ein sich entwickelnder offener Standard, der darauf abzielt, wie KI-Systeme und Finanzplattformen strukturierte Informationen für operative Abläufe austauschen, zu verbessern.
Die Infrastruktur ermöglichte es dem KI-Agenten, Wallet-Zustände, Smart-Contract-Interaktionen, Transaktionsumgebungen und Workflow-Anforderungen zu interpretieren, während gleichzeitig strikte, vom Kunden kontrollierte Schutzmechanismen erhalten blieben. Sygnum beschrieb das System als sowohl modellagnostisch als auch klassenagnostisch in Bezug auf Vermögenswerte und deutete an, dass es möglicherweise in Zukunft mehrere KI-Systeme sowie eine breite Palette von Finanzprodukten unterstützen könnte.