Der Industrieanalyst Wang Feilei von UBS Securities China sagte am 19. Mai, dass humanoide Roboter sich derzeit noch in einer frühen Phase der Intelligenzentwicklung befinden. Die meisten Produkte würden aktuell noch Aufgaben in kontrollierten Umgebungen abschließen. In einem Vergleich mit Klassifizierungssystemen für autonomes Fahren entsprächen die derzeitigen humanoiden Roboter eher Level 3 (bedingte Automatisierung) als höheren Stufen. Der Analyst betonte, die Branchenreife dürfe nicht allein anhand von Stückzahl-Lieferungen gemessen werden, sondern vielmehr anhand von Bestellungen für industrielle Szenarien, Wiederbeschaffungsraten sowie der Sicherheit bei wichtigen Kernkomponenten aus vorgelagerten Bereichen.
Aktueller Entwicklungsstand und Einschränkungen
Wang Feilei führte aus, humanoide Roboter stünden vor komplexeren Aufgaben in der physischen Welt als Systeme für autonomes Fahren. Derzeit wird die Entwicklung durch drei Faktoren gebremst: die Leistungsfähigkeit der KI-Modelle, die angesammelten Daten aus der realen Welt sowie der Fortschritt beim „Gehirn“ des Roboters. Solange diese Probleme nicht gelöst sind, fehlt einer Bewertung der Branchenreife allein anhand von Produktionsvolumina oder einer verfrühten Diskussion darüber, wann humanoide Roboter in Haushalte einziehen oder Robotics as a Service (RaaS)-Geschäftsmodelle erreichen werden, eine sinnvolle Grundlage.
Der Analyst nannte 2025 als kritisches Jahr für die Entwicklung humanoider Roboter und schlug vor, dass Investoren den Fortschritt beim autonomen Fahren besonders genau beobachten. „Wenn autonomes Fahren eine weit verbreitete Anwendung auf Level 5 erreicht, dann könnte es sein, dass der Weg zu allgemeiner Intelligenz bei unserem humanoiden Roboter nicht mehr weit ist“, sagte Wang Feilei.
Entwicklung der globalen Lieferkette
Wang Feilei gab an, dass globale Hersteller humanoider Roboter die Umsetzung der Lieferketten beschleunigen. Die Hardware-Lieferketten bleiben auf Länder mit starker Fertigungsindustrie konzentriert: Deutschland, Japan, Südkorea und China.
Aktuelle Branchenpartnerschaften bestätigen diesen Trend. Im November 2025 kündigten Schaeffler und das deutsche Robotikunternehmen Neura Robotics eine Zusammenarbeit an, um gemeinsam wichtige Komponenten für humanoide Roboter zu entwickeln und zu liefern. Schaeffler plant außerdem, bis 2035 Tausende humanoide Roboter in die eigenen Produktionslinien zu integrieren.
Im Januar 2026 teilte Boston Dynamics mit, dass Hyundai Mobis Aktuatoren für den nächsten Generation Atlas humanoiden Roboter liefern wird. Die beiden Unternehmen werden gemeinsam eine verlässliche Lieferkette für Komponenten aufbauen und die Entwicklung sowie Produktion der Aktuatoren beschleunigen.
Marktprognose für 2026
UBS hält für 2026 eine eher konservative Prognose für globale Lieferungen humanoider Roboter von ungefähr 30.000 Einheiten. In einem Extrem- szenario mit beschleunigtem Fortschritt der KI-Technologie könnten die Lieferungen auf 40.000 Einheiten steigen.
Anlageempfehlungen
Aus Anlegersicht könnten vorgelagerte Lieferanten wichtiger Kernkomponenten in den nächsten drei bis fünf Jahren größere Vorteile haben, insbesondere bei Sensoren, wichtigen Modulen einschließlich Kugelgewindetrieben und Getrieben sowie bei Chips auf der „Gehirn“-Seite.
Wang Feilei empfahl, den Fokus auf zwei Kategorien von Unternehmen mit vorgelagerten Komponenten zu legen: Erstens auf Unternehmen mit einer starken Basis im Kerngeschäft, bei denen nicht-humanoide Aktivitäten robust sind; zweitens auf Unternehmen, die an hochbarrierebehafteten Kernkomponenten innerhalb der Lieferkette für humanoide Roboter beteiligt sind, insbesondere auf solche, die in ausländische Lieferkettensysteme einsteigen können.
Marktstimmung und Katalysatoren
Seit Jahresbeginn spiegelt die Performance im Sektor humanoide Roboter eine eher schwache Markstimmung wider. Wenn jedoch mehr chinesische Robotikunternehmen IPOs vorantreiben, könnte das als Katalysator dienen, um die gesamte Markstimmung zu drehen.