Der Chip-Export-Boom, der von der KI-Welle getragen wird, prägt die Wirtschaftsstruktur von Taiwan und Südkorea tiefgreifend um. Ein aktueller Bericht der Investmentbank Goldman Sachs zeigt: Das explosionsartige Wachstum bei KI-bezogenen Ausfuhren treibt zwar die Handelsüberschüsse beider Länder auf neue Rekordhöhen, verstärkt aber zugleich die „K-förmige“ Spaltung zwischen dem Tech- und dem Nicht-Tech-Sektor. Goldman Sachs prognostiziert, dass die Zentralbanken von Taiwan und Südkorea in diesem Jahr deutlich unter Zinserhöhungsdruck geraten werden.
KI-Exportboom pusht Handelsüberschüsse – Zinserhöhungsdruck folgt auf dem Fuß
Laut einem Bericht von Bloomberg geht ein Forschungsteam um den Asia-Pazifik-Ökonomen Andrew Tilton von Goldman Sachs in einem am 11. veröffentlichten Report davon aus, dass der Anteil der KI-bezogenen Exporte am BIP in Südkorea in diesem Jahr von dem aktuellen Niveau auf knapp 30% explodieren könnte; für Taiwan wird ein Durchbruch über 30% erwartet – beide Länder würden damit historische Rekorde neu schreiben. Gleichzeitig liegen die Exporte außerhalb der Technologiebranche wegen regionaler Überkapazitäten und Energie-Schocks deutlich schwächer und bilden einen auffälligen Kontrast.
Bei der Prognose des Zeitplans für Zinserhöhungen schätzt Goldman Sachs, dass die südkoreanische Zentralbank im dritten und vierten Quartal jeweils um einen halben Zins-Schritt anheben wird (25 Basispunkte); für Taiwan hält die Bank dagegen möglich, dass in der zweiten und vierten Phase jeweils um einen halben Schritt erhöht wird (12,5 Basispunkte). Analysten betonen: Die fortlaufende Ausweitung der Außenhandelsüberschüsse bedeutet, dass beide Währungen unter Aufwertungsdruck geraten, was die Notwendigkeit einer strafferen Geldpolitik durch die Zentralbanken weiter verstärkt.
Leistungsbilanzüberschuss erreicht historische Höchststände – Aufwertungsdruck bei taiwanischem Dollar und koreanischem Won sichtbar
Goldman Sachs sagt voraus, dass die Tech-Exportwelle die Leistungsbilanzüberschüsse beider Länder im Jahr 2026 über bisherige Rekordstände treiben wird: Südkorea soll Werte von über 10% des BIP erreichen, Taiwan könnte noch näher an 20% des BIP heranrücken – oder sie sogar überschreiten. Der Bericht weist darauf hin, dass die Überschussgelder in Südkorea derzeit vor allem in ausländische Aktienmärkte fließen, während in Taiwan ein größerer Teil in Auslands-Währungseinlagen geht; doch mit der anhaltenden Ausweitung der Überschüsse akkumuliert sich inzwischen schleichend Aufwertungsdruck auf den Taiwan-Dollar und den koreanischen Won.
In Bezug auf Wirtschaftswachstum und Ausblick prognostiziert Goldman Sachs, dass das BIP-Wachstum Südkoreas von 1% im Jahr 2025 deutlich auf 2,5% in diesem Jahr zurückspringt; für Taiwan wird ein Anstieg von 8,7% im vergangenen Jahr auf bis zu 10% erwartet – das wäre das schnellste Wachstum seit 1987.
Auch der Asia-Ökonom Chetan Ahya von Morgan Stanley stellte in einem jüngsten Bericht fest, dass Asien gerade in einen Industriezystus eintritt, der von KI-Infrastrukturinvestitionen angetrieben wird – und der optimistische Ausblick damit zusätzliche externe Untermauerung erhält.
Tech-Dominanz führt zu einer K-förmigen Wirtschaftskrise – die politische Reaktion ist die größte Bewährungsprobe
Obwohl die Gesamtdaten zur Konjunktur beeindruckend sind, wird die latente Sorge einer „K-förmigen Erholung“ für die politischen Entscheidungsträger in Taiwan und Südkorea zur größten Belastung. Der Goldman-Sachs-Report zeigt: Das Export-Glück, das von KI getrieben wird, ist in hohem Maße auf die Tech- und die Halbleiterbranche konzentriert. Von der Entwicklung profitieren nur begrenzte Gruppen, während Arbeitnehmer in breiten Nicht-Tech-Bereichen und Beschäftigte traditioneller Branchen weiter in einer Lage mit schwachem Wachstum feststecken – zwei Wirtschaftsgeschwindigkeiten laufen in ein und demselben Land parallel:
Die Realität, dass ein K-Zyklus existiert, erfordert, dass die Regierung mit gezielter und umsichtiger Fiskalpolitik reagiert.
Wie man dabei die Unterstützung für schwächere Branchen und Arbeitskräfte gewährleistet, ohne den Schwung der Tech-Exporte zu dämpfen, ist für die Regierungen in Taiwan und Südkorea in dieser KI-Welle eine politische Herausforderung, der sie sich kaum entziehen können.
(Reiche werden noch reicher – und für die Armen gibt es keinen Ausweg? In den USA gerät das Land zunehmend in ein K-förmiges Wirtschaftsmodell)
Goldman Sachs hebt Ziel für südkoreanische Aktien an – KOSPI innerhalb eines Jahres auf bis zu 9.000 Punkte
Gestützt durch den starken KI-Impuls hält Goldman Sachs in seinem Bericht weiterhin an einer Anhebung des 12-Monats-Zielkurses für den südkoreanischen KOSPI fest: von 8.000 Punkten auf 9.000 Punkte. Dabei betont die Bank, dass die Kursentwicklung am koreanischen Aktienmarkt in Asien diejenige ist, die „am meisten Vertrauen“ verdiene. Auffällig ist: Die Erhöhung liegt nur 20 Tage nach der letzten Anpassung – das unterstreicht, wie schnell sich die Marktstimmung aufgeheizt hat.
Der KOSPI ist seit Jahresbeginn bis heute kumuliert um mehr als 75% gestiegen. Allein in diesem Monat liegt das Plus bei 14%, und zuletzt markierte der Index im Intraday-Handel mit 7.531 Punkten ein neues Allzeithoch. Goldman Sachs geht davon aus, dass die Gewinne der südkoreanischen Unternehmen in diesem Jahr um bis zu 300% wachsen werden – deutlich mehr als der erwartete Zuwachs von 45% für Taiwan. Auf der anderen Seite haben auch Institutionen wie Citigroup und NH Investment & Securities nacheinander ihre Zielvorgaben für südkoreanische Aktien nach oben korrigiert.
Goldman Sachs hebt zudem besonders hervor: Selbst im Zuge des großen Speicherzyklus verbleibt das Forward-KGV der südkoreanischen Chip-Aktien immer noch in einem Bereich im niedrigen einstelligen Zahlenbereich. Das zeigt, dass der Markt die Bewertung der Fortdauer der Gewinne weiterhin unterschätzt.
Der Artikel Goldman Sachs warnt: Die KI-Welle könnte zu einer K-förmigen Spaltung der Wirtschaft in Taiwan und Südkorea führen – der Zinserhöhungsdruck steht bevor – erschien zuerst bei der Ketten-News ABMedia.