Warum Taiwan Starlink nicht nutzen kann: Digitalministerium-Minister Lin Yi-jing: Blockiert durch Artikel 36 des Telekommunikationsgesetzes, der Auslandsinvestitionen bei Beteiligungen begrenzt

ChainNewsAbmedia
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Der globale Boom bei Satelliten-Kommunikationsdiensten in der Low-Earth-Orbit-Region nimmt rasant zu, doch Starlink ist in Taiwan bislang noch nicht offiziell in den Regelbetrieb gegangen und hat damit eine neue Welle politischer Kontroversen ausgelöst. cacaFly-Mitgründer und -Vorsitzender Nathan Chiu schrieb dazu direkt, Taiwan sei wie auch China, Nordkorea, Afghanistan, Syrien und andere Regionen weiterhin eine „Service-Lücke“ in Asien für Starlink; der Unterschied sei nur, dass die vorangegangenen Länder die Sperrung meist aktiv aus politischen Gründen, wegen Sanktionen oder aus Sicherheitsüberlegungen betrieben hätten, während Taiwan sich „durch Vorschriften und Verhandlungsbedingungen selbst blockiert“.

Dazu reagierte Digitalminister Lin Yi-jing. Starlink habe bereits 2021 den Weg nach Taiwan gesucht und mit der NCC verhandelt, aber wegen der Beschränkung der Auslandsbeteiligung durch Artikel 36 des taiwanesischen Telekommunikations-Gesetzes sowie weil Starlink damals darauf bestand, zu 100% als reine Tochtergesellschaft in Taiwan zu operieren, sei die Abstimmung schließlich gescheitert. Lin Yi-jing sagte außerdem, das Digitalministerium habe in jüngster Zeit proaktiv Kontakt zu Starlink aufgenommen, aber Starlink habe geantwortet, Taiwan sei klein und dicht besiedelt, die 4G- und 5G-Abdeckung liege bei über 99%, daher habe man Taiwan nicht als High-Priority-Markt eingestuft.

Taiwan kann Starlink-Endgeräte bauen, aber kann sie selbst nicht nutzen

Die zentrale Kritik von Nathan Chiu: Taiwan liege zwar in einer geopolitsch hochriskanten Zone, habe jedoch keinen offiziellen Zugang zum global größten Low-Earth-Orbit-Netzwerk Starlink erhalten. Das sei nicht nur ein Problem der Bequemlichkeit für Konsumenten, sondern auch ein Thema der Kommunikations-Resilienz und der nationalen Sicherheit.

Er verwies darauf, dass Starlink in den letzten Jahren breit in der Luftfahrt, in abgelegenen Regionen, an Fronten und in der maritimen Kommunikation eingesetzt werde. Von der ukrainischen Front bis zu abgelegenen Inseln auf den Philippinen, von den Bergen in Japan bis hin zu Passagierkabinen in Flugzeugen: Low-Earth-Orbit-Satelliten seien längst nicht mehr nur Spielerei der Technik, sondern ein entscheidendes Backup, wenn terrestrische Netze ausfallen. Gerade Taiwan sei als Inselstaat auf unterseeische Glasfaserkabel und terrestrische Basisstationen angewiesen; wenn es zu Krieg, Erdbeben oder zur Zerstörung der Seekabel komme, sollten Low-Earth-Orbit-Satelliten eigentlich zur Grundausstattung der Kommunikations-Resilienz gehören.

Seine Aussage spiegelt auch die politische Anspannung in Taiwan der vergangenen Jahre wider. Aus Taiwan hieß es, man befinde sich in Gesprächen mit Amazon Kuiper über eine Satelliten-Netzwerkkooperation; ein Ziel sei es, die Kommunikations-Resilienz angesichts des Angriffsrisikos durch China zu stärken. Der Vorsitzende des Nationalen Wissenschaftsrats, Wu Cheng-wen, hatte zudem gesagt, dass die verfügbare OneWeb-Bandbreite nicht ausreiche, während Kuiper unter den westlichen Ersatzlösungen die am weitesten fortgeschrittene Option sei.

Nathan Chiu führte weiter aus, Taiwan sei in Artikel 36 des Telekommunikations-Gesetzes gefangen. Der Paragraph schreibt vor: Für öffentlich zugängliche Telekommunikationsnetzbetreiber, die Telekommunikationsressourcen bereitstellen, darf der direkte Anteil von Ausländern 49% nicht überschreiten, der direkte plus indirekte Anteil darf 60% nicht überschreiten, und der Vorsitzende muss die Staatsangehörigkeit der Republik China (Taiwan) besitzen.

Doch viele Länder hätten ähnliche Bestimmungen. Malaysias „Kommunikations- und Multimedia-Gesetz“ sieht vor, dass bei NFP/NSP-Lizenzen der Auslandsanteil nicht über 49% liegen dürfe; in Südafrika verlangt das Gesetz zur Förderung der BEE („Black Economic Empowerment“) von ausländischen Telekommunikationsanbietern einen lokalen Anteil von 30% (historisch benachteiligte Gruppen). Aber damit Starlink in Malaysia Fuß fassen kann, hat die malaysische Regierung direkt von der gesetzlichen Freistellungskompetenz des Kommunikationsministers Gebrauch gemacht: Im Juli 2023 erließ sie eine 10-jährige kommerzielle Lizenz. Der südafrikanische Minister für digitale Kommunikation verkündete unmittelbar, er wolle politische Leitlinien veröffentlichen und Alternativen bereitstellen, die über die 30% hinausgehen, damit Starlink ins Land kommt.

OneWeb, Kuiper, Telesat sind wertvoll, können aber Starlink nicht im selben Maß ersetzen

Nathan Chiu räumte auch ein: Taiwan sei nicht völlig ohne Vorbereitungen bei Low-Earth-Orbit-Satelliten. Chunghwa Telecom habe mit Eutelsat OneWeb kooperiert und im Juni 2025 eine kommerzielle Genehmigung für OneWeb-Low-Earth-Orbit-Festkommunikation erhalten und sei damit der erste Anbieter in Taiwan, der diese Art von kommerzieller Genehmigung erhalten habe.

Chunghwa Telecom baue außerdem kontinuierlich ein Backup-System mit mehreren Umlaufbahnen auf. Neben OneWeb-Low-Earth-Orbit-Satelliten habe man später auch eine kommerzielle Betriebszulassung für SES O3b-Medium-Earth-Orbit-Festkommunikation erhalten, um High-, Medium- und Low-Earth-Orbit-Satelliten als Schlüssel-Infra- und Katastrophenschutzlösung zu integrieren.

Doch Nathan Chius Zweifel: Diese Lösungen haben nicht dieselbe Ausrichtung wie Starlink. OneWeb sei stärker auf Regierungen, Unternehmen und kritische Infrastruktur ausgerichtet – keine großflächigen Verbraucherdienste; Amazons Kuiper/Amazon Leo seien noch nicht offiziell in den umfassenden kommerziellen Betrieb gegangen; Telesat Lightspeed befinde sich weiterhin in der Phase von Start und Deployment.

Wenn das Problem sei, ob „Regierungsstellen ein Backup haben“, könnte OneWeb möglicherweise helfen; aber wenn es darum gehe, ob „im Kriegsfall 23,0 Millionen Menschen, Inseln, Fischereiboote, abgelegene Regionen, Drohnen, Luftfahrt und Anwendungen von Start-ups ausreichend Satelliten-Internet mit niedriger Latenz“ hätten, sei er der Ansicht, dass die Antwort weiterhin nicht gut ausfällt.

Er zog dafür auch Japan als Vergleich heran. KDDI und Okinawa Cellular brachten im April 2025 au Starlink Direct auf den Markt. Damit können unterstützte Endgeräte direkt eine Verbindung zu Starlink-Satelliten herstellen, auch wenn keine Signale von terrestrischen Basisstationen vorhanden sind. Anfangs wurden 50 Handy-Modelle unterstützt, und es war keine zusätzliche Beantragung erforderlich.

KDDI weitete danach im August 2025 auf Datendienstkommunikation aus und setzte dabei vor allem auf stabilere Verbindungen in Bergregionen, auf Inseln und in Katastrophenszenarien.

Nathan Chiu kritisierte daher, dass Japan alle vier großen Mobilfunkanbieter bereits umfassend auf satellitengestützte Direktverbindungen für Handys gesetzt habe, während Taiwans drei große Anbieter noch keinen klaren Zeitplan für eine direkte Starlink-Satellitenverbindung vorlegten. Das sei nicht nur ein Problem, dass das Konsumenten-„Onboard-Wi-Fi“ langsamer ist oder dass in Bergregionen das Signal schlechter ist, sondern könnte auch den Spielraum für Tests und neue Anwendungen beeinflussen – etwa die Wettbewerbsfähigkeit in der Luftfahrt, Konnektivität für abgelegene Regionen, die Resilienz auf Inseln, Drohnenkommunikation und Edge-Computing mit KI.

Digitalminister Lin Yi-jing: Starlink verlangte 100% Reingründung, das kollidiert mit Taiwans Regulierung

Angesichts der Kritik zerlegte Digitalminister Lin Yi-jing das Problem in drei Ebenen: Regulierungseinschränkungen, die Verhandlungsposition von Starlink selbst und dass Taiwan nicht nur auf einen einzigen Anbieter setze.

Lin Yi-jing sagte, Starlink sei bereits 2021, noch bevor das Digitalministerium gegründet wurde, nach Taiwan gekommen und habe mit der NCC über die Bereitstellung von Diensten verhandelt. Am Ende sei es jedoch gescheitert. Der Grund: Nach Artikel 36 des taiwanesischen Telekommunikations-Gesetzes müssen Ausländer das Telekommunikationsgeschäft über einen Agenten betreiben; ein direkter Anteil darf 49% nicht überschreiten. Damals habe Starlink jedoch auf 100% Reingründung für den Betrieb in Taiwan bestanden.

Er gab auch bekannt, das Digitalministerium habe in jüngster Zeit proaktiv Starlink kontaktiert und nachgefragt, ob weiterhin der Wille bestehe, nach Taiwan zu kommen, um Dienste bereitzustellen, sowie welche Bedingungen gewünscht würden. Starlink habe geantwortet, Taiwan sei klein und dicht besiedelt, die 4G- und 5G-Abdeckung für die Bevölkerung liege bereits bei über 99%; deshalb habe man Taiwan nicht als High-Priority-Markt eingeordnet. Lin Yi-jing sagte, das könne die tatsächliche Sichtweise von Starlink sein, es könne aber auch nur eine Verhandlungsstrategie gewesen sein – dennoch bleibe das Digitalministerium im Gespräch.

Ob man Artikel 36 des Telekommunikations-Gesetzes ändern werde, sagte Lin Yi-jing, dass das Digitalministerium eine offene und aktive Haltung einnehme, aber die zuständige Aufsichtsbehörde im Bereich Telekommunikationsrecht weiterhin die NCC sei; das Digitalministerium müsse die zuständige Behörde respektieren.

Lin Yi-jing: Amazon Leo und AST SpaceMobile bereiten sich auf den Markteintritt in Taiwan vor

Lin Yi-jing betonte außerdem, dass Taiwan nicht nur auf Starlink warten müsse. Seiner Darstellung zufolge gilt Amazon Leo als der größte zukünftige Konkurrent von Starlink: Es habe bereits über 300 Low-Earth-Orbit-Satelliten gestartet und plane, bis 2028 mehr als 3.200 Satelliten zu stationieren; Amazon Leo solle in der ersten Hälfte des nächsten Jahres globale kommerzielle Dienste bereitstellen, und Taiwan liege im Einsatzbereich. Aktuell arbeite man dabei auch aktiv mit taiwanesischen Agenten zusammen, und es gäbe keine Forderung, dass Taiwan Artikel 36 des Telekommunikations-Gesetzes ändern müsse.

Er erwähnte zudem die technischen Unterschiede von Amazon Leo. Zwischen den Amazon-Leo-Satelliten sei eine Weiterleitung über Laserlicht möglich, sodass sie die Empfangs- und Nutzer-Signale nicht sofort nach der Übernahme direkt mit einem terrestrischen Gateway verbinden müssen. Daher könne es auch dann, wenn Nachbarländer Taiwans keine Bodenstationen aufbauen, im Notfall immer noch über Satelliten-Relaisverbindungen zu Webseiten in den USA, Japan oder anderen Regionen kommen.

Darüber hinaus erwähnte Lin Yi-jing AST SpaceMobile. Taiwan Mobile habe im März 2026 bekanntgegeben, dass man beim MWC mit AST SpaceMobile ein strategisches Kooperations-Memorandum für Low-Earth-Orbit-Satellitenkommunikationsdienste unterzeichnet habe: Man wolle in Taiwan den Betrieb von „Space Base Stations“ (Weltraum-Basisstationen) mit den bestehenden Mobilfunknetzen im Zusammenspiel vorantreiben, um die Lücken bei der Abdeckung in abgelegenen Regionen, auf See sowie in Katastrophen- oder Notfallszenarien zu schließen.

Lin Yi-jing sagte: Starlink und Amazon behaupteten beide, sie würden Mobiltelefone direkt mit Satelliten verbinden. Da jedoch der Abstand von Low-Earth-Orbit-Satelliten zum Boden weiterhin etwa 500 Kilometer betrage, seien die Handysignale vergleichsweise schwach; kurzfristig könne die verfügbare Bandbreite daher kleiner sein, was vor allem für die Übertragung von Textnachrichten geeignet sei. AST SpaceMobile setze dagegen wegen der Nutzung großer Satellitenantennen auf die Bereitstellung von Breitbandfähigkeiten für eine direkte Handy-zu-Satellit-Verbindung; wie ausgereift die Technologie und wie schnell die Starts erfolgen, müsse man jedoch noch beobachten.

Kern der Kontroverse: Soll Taiwan die Beschränkung für Auslandsbeteiligungen ändern, um Starlink zu ermöglichen?

Der wahre Kern dieser Kontroverse ist, ob Taiwan für eine globale Schlüsselkommunikations-Infrastruktur wie Starlink die Beschränkung für Telekommunikationsauslandsbeteiligungen neu prüfen sollte.

Die Position von Nathan Chiu tendiert zu „erst die Regulierung öffnen und den Ball zu Starlink zurückspielen“. Er meint: Wenn Taiwan eine dringende Notwendigkeit für Kriegs-Backups, Inselkommunikation, Flugzeug-WLAN, Verbindungen für abgelegene Regionen und Brancheninnovationen habe, dann dürfe man Starlink als den global größten Low-Earth-Orbit-Dienst nicht allein wegen der Auslandsbeteiligungsgrenze ausschließen. Wenn Starlink auch nach einer Lockerung weiterhin keine Dienste für Taiwan bereitstellen will, dann liege die Verantwortung erst wirklich bei Musk und SpaceX.

Lin Yi-jings Haltung ist eher „mehr Lieferanten aufstellen und Verhandlungsstrategie“. Er habe nicht ausgeschlossen, dass eine Gesetzesänderung möglich sei, betonte aber, dass die zuständige Aufsichtsbehörde die NCC sei. Außerdem wies er darauf hin, dass Alternativen wie Amazon Leo, AST SpaceMobile und OneWeb ebenfalls vorangetrieben würden. Für die Regierung gelte: Low-Earth-Orbit-Satelliten betreffen kommerzielle Dienste, Kommunikations-Resilienz und nationale Sicherheit; man könne nicht nur anhand der Frage entscheiden, ob ein einzelnes Produkt nach Taiwan komme, ob Erfolg oder Misserfolg vorliege. Und man dürfe die Kommunikations-Resilienz Taiwans auch nicht vollständig auf die eine Firma Musk/SpaceX festnageln.

Dieser Artikel „Warum Taiwan Starlink nicht nutzen kann?“ erschien als Erstes bei „鏈新聞 ABMedia“.

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